Eine U-Bahn für Tel Aviv

Das Gebiet um Tel Aviv, im Volksmund einfach nur das Zentrum (Merkaz), ist ein regelrechter Verkehrs-Alptraum.

von Michael Selutin | | Themen: Tel Aviv
Foto: Miriam Alster/FLASH90

Einen Parkplatz zu finden, grenzt in Tel Aviv an ein Wunder. Eine Straßenbahn befindet sich im Bau, aber dies engt aufgrund der vielen Baustellen den Verkehr auf Jahre hinaus nur noch weiter ein. Staus gibt es überall und jederzeit, sodass viele Tel Aviver mit dem Motorroller, dem Fahrrad (mit oder ohne Elektroantrieb) und dem E-Scooter durch die Straßen flitzen, was den allgemeinen Stress und die Zahl der Unfälle merklich erhöht. Hinzu kommt die verbreitete israelische Einstellung, dass Verkehrsregeln nur für andere gelten.

Verschiedene Projekte wollen diese Probleme angehen, und das ambitionierteste ist eine U-Bahn. Die M2-Linie wird den Großraum Tel Aviv durchkreuzen und insgesamt 22 Kilometer lang sein. Sie beginnt östlich von Tel Aviv in Petach Tikva, teilt sich auf dem Weg nach Westen und bedient Bnei Brak und Ramat Gan, bevor sie in Giv’atajim wieder zusammenfließt und nach Tel Aviv einfährt, daraufhin dreht sie nach Süden und endet in Holon. Insgesamt soll es 22 unterirdische Haltestellen geben.

Für die U-Bahn-Röhren werden zwei parallele Tunnel gegraben, die alle 250 Meter miteinander verbunden sind. Die Tunnel werden 25-40 Meter unter der Erdoberfläche verlaufen und einen Durchmesser von 6,50 Metern haben.

U-Bahn Tunnel
Einer der beiden Tunnel unter Tel Aviv

Zum Netz der Metro, wie die U-Bahn in Israel genannt wird, gehören ferner die Linien M1 und M3, deren Streckenverlauf noch nicht genau geplant ist. Insgesamt soll das Metro-Netz 145 Schienenkilometer und 109 Haltestellen bekommen. Die Kosten werden auf 150 Milliarden Schekel geschätzt (etwa 40 Milliarden Euro).

Das Transportministerium hat noch keinen Termin für die Fertigstellung genannt, und das ist auch besser so. In Israel ist Tiefbau sehr schwierig, da jederzeit archäologische Funde zutage kommen können. In solchen Fällen schreitet die Altertumsbehörde ein, und die Bautätigkeit ruht. Erst wenn die Funde gesichert sind, kann der Bau weitergehen. Manchmal ist dies jedoch nicht möglich und es kommt zum Streit zwischen Altertumsbehörde und Transportministerium. Die Israelis kennen dieses Spiel und haben schon deshalb keine großen Hoffnungen auf ein baldiges Ende des Verkehrschaos im Zentrum. In den sozialen Medien kursieren Schätzungen, die mit Fertigstellung der Metro um 2075 rechnen.


Baustelle Tel Aviv, Fahrt durch den Tunnel der „roten Linie“

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