Fast zwei Jahre lang prägten sie das Bild des Ben-Gurion-Flughafens bei Tel Aviv: die Plakate mit den Gesichtern der Israelis, die am 7. Oktober 2023 von der Hamas nach Gaza verschleppt wurden. Sie standen im Zentrum der Abflughalle, sichtbar für jeden Passagier – ein stilles Mahnmal der nationalen Wunde und der Hoffnung auf Rückkehr.
Nun beginnt ihre Entfernung. Die Israel Airports Authority bestätigte, dass die Poster in Abstimmung mit den Angehörigen abgenommen werden – einzeln, ohne Zeremonie, oft von Familienmitgliedern selbst. Keine offizielle Aktion, sondern stille Handgriffe, dann, wenn die Familien dazu bereit sind.
Nach der Freilassung der letzten 20 lebenden Geiseln in der vergangenen Woche – im Rahmen des von US-Präsident Donald Trump vermittelten Friedensplans – befindet sich erstmals seit Oktober 2023 niemand mehr lebend in der Gewalt der Hamas. Damit verändert sich auch die Funktion der Poster: Aus Zeichen des Protests und der Hoffnung werden Erinnerungsstücke, die aus dem öffentlichen Raum verschwinden.
Slowly but surely, the hostage posters displayed at Ben Gurion Airport in Tel Aviv are finally coming down.
Today Danny Miran, the father of former hostage Omri Miran, got to remove his son’s picture.
Omri is home, and he’s not going anywhere. pic.twitter.com/SQ5e9vmbl0
— Hen Mazzig (@HenMazzig) October 20, 2025
Doch die Geschichte ist nicht abgeschlossen. Nach den Vereinbarungen ist die Hamas verpflichtet, auch die Leichname der Geiseln zurückzugeben. Am 13. Oktober hielten die Terroristen laut israelischen Angaben noch 28 Leichen getöteter Geiseln zurück. Bisher wurden lediglich 15 nach Israel überführt, 13 befinden sich weiterhin in Gaza. Für ihre Familien bleiben die Poster kein Symbol der Heimkehr, sondern des Wartens – auf Gewissheit, auf einen Ort zum Trauern.
So steht der Flughafen zwischen Abschied und Erinnerung. Einige Plakate verschwinden, weil die Abgebildeten wieder zu Hause sind. Andere bleiben hängen, weil das Schicksal ihrer Angehörigen noch ungeklärt ist. Und manche stehen sinnbildlich für eine Erinnerung, die sich zwar von den Wänden löst, aber nicht aus dem Gedächtnis.
Der Abbau markiert keinen Schlussstrich, sondern einen Übergang: vom öffentlichen Aufschrei zum stilleren Gedenken. Das Mahnmal verschwindet aus der Abflughalle, doch die Erinnerung bleibt – nicht mehr sichtbar an den Glaswänden des Flughafens, sondern bewahrt in den Familien, in Archiven oder an anderen Orten, an denen entschieden wird, sie weiterzuführen.




