Das erste Mal begegnet uns der Zehnte in der Bibel, nachdem Abraham die vier Könige besiegt:
„Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei. Und er war ein Priester Gottes, des Allerhöchsten. Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abram von Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde! Und gelobt sei Gott, der Allerhöchste, der deine Feinde in deine Hand gegeben hat! Und Abram gab ihm den Zehnten von allem.“ (1. Mose 14)
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Es scheint zu Zeiten Abrahams eine gängige Praxis gewesen zu sein, ein Zehntel seines Einkommens, oder in diesem Falle der Kriegsbeute, einem Priester zu geben.
Später lesen wir von Abrahams Enkel Jakob, dass er ebenfalls ein Zehntel für Gott reservieren will:
Und Jakob legte ein Gelübde ab und sprach: Wenn Gott mit mir sein und mich behüten wird auf dem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen geben wird und Kleider anzuziehen, und mich wieder mit Frieden heim zu meinem Vater bringt, so soll der Herr mein Gott sein; und dieser Stein, den ich als Gedenkstein aufgerichtet habe, soll ein Haus Gottes werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir gewisslich den Zehnten geben! (1. Mose 28)
Der Zehnte als Gesetz
Als das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten die Thora erhielt, wurde der Zehnte in die lange Liste der Gesetze aufgenommen und offiziell quantifiziert. Demnach gibt das Volk Israel seinen Zehnten ihrer landwirtschaftlichen Erträge den Leviten, den Priestern.
Und siehe, so habe ich den Söhnen Levis alle Zehnten in Israel zum Erbteil gegeben für ihren Dienst, den sie tun, den Dienst an der Stiftshütte. (4. Mose 18)
Einen weiteren Zehnten, nach Abzug des ersten, brachte man nach Jerusalem, um ihn dort zu verzehren. Man konnte seine Produkte auch vorher verkaufen und anschließend den Erlös in Jerusalem ausgeben. Dieser zweite Zehnte wurde in bestimmten Jahren ausgesetzt und man gab diese Summe oder Produkte an die Armen.
Heutige Anwendung
Seitdem Juden wieder das Land Israel bebauen, halten religiöse Farmer die Gesetze des Zehnten ein. Allerdings müssen sie ihn nicht an Leviten geben, denn heute ist es nicht mehr sicher, wer ein Levit ist. Die Abgabe landwirtschaftlicher Produkte hat vielmehr symbolischen Charakter und ist erforderlich, um ein Koscher-Zertifikat zu erhalten.
Während für Produkte, die außerhalb des Landes Israel angebaut werden, kein Zehnter entnommen werden muss, gilt die Praxis der Zehntabgabe auch für monetäre Gewinne. Dies wird Maaser Kesafim genannt. Während eine Minderheit der rabbinischen Autoritäten die Abgabe von monetärem Einkommen als biblisches Gebot ansieht, betrachten die meisten sie entweder als eine rabbinische Verordnung, die sich von dem Gebot des Zehnten ableitet, oder als einen Brauch, der mit dem Gebot der Zehnten vergleichbar ist und sich im Laufe der Jahre unter Juden entwickelt hat.
Nach jüdischem Gesetz muss der Zehnte von allen Geldeinkünften, Funden, Schenkungen und Erbschaften genommen werden, und zwar vom Netto – nachdem Kosten beglichen und Steuern abgeführt wurden.
Das Geld soll möglichst an die Armen gespendet werden. Man kann es aber auch für das Thorastudium, die Synagoge, seine Gemeinde oder jede andere Sache spenden, die als gottgefällig angesehen werden kann.

Belohnung
Im Talmud heißt es über den Zehnten: „Gebe, um wohlhabend zu werden.“ Und es wird darauf hingewiesen, dass es zwar verboten ist, Gott auf die Probe zu stellen, beim Zehnten dieses jedoch ausdrücklich erlaubt ist, denn es heißt:
„Bringt den Zehnten ganz in das Vorratshaus, damit Speise in meinem Haus sei, und prüft mich doch dadurch, spricht der Herr der Heerscharen, ob ich euch nicht die Fenster des Himmels öffnen und euch Segen in überreicher Fülle herabschütten werde!“ (Maleachi 3)
Das biblische Gebot des Zehnten war während des jüdischen Lebens in Israel gültig, als Leviten durchs Land zogen und von den Abgaben lebten. Die Abgabe von zehn Prozent seines Einkommens blieb unter den Juden im Exil lebendig, jedoch in Form von Geld. Seit der Rückkehr des Volkes nach Israel spielt der Zehnte auch wieder eine landwirtschaftliche Rolle, aber auch für Nicht-Landwirte bleibt das Gebot in Form von Geld bestehen.
Nichtjuden waren zu keiner Zeit verpflichtet, den Stamm Levi zu unterstützen. Deswegen gibt es für sie kein biblisches Gebot des Zehnten und folglich auch kein rabbinisches.
Ob das Versprechen Gottes auch für Christen gilt, sollte jeder für sich klären. Wie Gott selbst sagt, kann man Ihn diesbezüglich prüfen. Es gibt viele Zeugnisse dazu, dass sich der genannte Vers von Maleachi immer wieder erfüllt.





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