Bürger Eilats demonstrieren gegen Schließung des Sde Dov Flughafens in Tel Aviv

Mehrere hundert Menschen demonstrierten gestern in Jerusalem gegen die Schließung des Flughafens Sde Dov in Tel Aviv.

In weniger als zwei Wochen, am 1. Juli, wird der Flughafen Sde Dov am Strand von Tel Aviv, seinen Betrieb einstellen. Auch der sich dort befindliche Stützpunkt der israelischen Luftwaffe hat bereits seinen regulären Betrieb eingestellt und bereitet sich in diesen Tagen auf den Umzug zum Militärflugplatz Chazor in der Nähe von Ashdod vor.

Besonders von der Schließung des Flughafens in Tel Aviv betroffen sind die Bürger der Stadt Eilat am Roten Meer. Denn Sde Dov ist ein Inland Flughafen, von wo in erster Linie Flüge zwischen Tel Aviv und Eilat abgefertigt wurden. Auch nach Haifa konnte man fliegen. Für die Eilater ist das Flugzeug wie ein Bus. Es ist das wichtigste Verkehrsmittel, um mit dem Zentrum des Landes verbunden zu sein.

Nachdem bereits in der Stadt Eilat im Monat März gegen die Schließung des Flughafens von Tel Aviv mit einem vierstündigen Streik protestiert wurde, fand gestern eine Demonstration vor dem Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem statt. Mehrere hundert Menschen hatten den weiten Weg aus der Sommerstadt Eilat nicht gescheut, um die Schließung ihrer Verbindung zum Zentrum des Landes im letzten Moment vielleicht doch noch verhindern zu können.

Im März wurde bereits der Flughafen von Eilat geschlossen, nachdem der neue  Flughafen Ramon, rund 20 Kilometer vor Eilat, seinen Betrieb aufgenommen hatte. Statt bequem von der Stadt aus nach Tel Aviv zu fliegen, musste man seitdem erst mit dem Auto, der Taxe oder einem Bus zum neuen Flughafen fahren, was die Reisezeit bis nach Tel Aviv erheblich verlängert. Und nun müssen die Eilater auch auf den seit 1938 bestehenden Sde Dov Fughafen in Tel Aviv verzichten. Ab dem 1. Juli werden die Flüge aus Eilat, also vom  Flughafen Ramon aus, am Ben Gurion Flughafen in Lod landen. Von dort geht es dann mit dem Zug oder Bus weiter nach Tel Aviv.

Das ist doch alles nicht so schlimm, mag man jetzt denken. Das mag auch für den „normalen „Reisenden“ zutreffen. Nicht aber für die kranken Menschen aus Eilat. Das städtische Josef Tal Krankenhaus kann nicht alle lebenswichtigen Behandlungen anbieten und schickt seine Patienten dafür in die Krankenhäuser in Tel Aviv. Jedes Jahr gibt es um die 70.000 Flüge für Patienten aus Eilat nach Tel Aviv. Bisher war es recht unkompliziert, denn vom Flughafen in Tel Aviv waren es nur wenige Minuten zum Krankenhaus. Wenn man nun aber zuerst im Ben Gurion Flughafen landen muss, dann wird die Fahrt zum Krankenhaus deutlich länger dauern. Und nach den meistens nicht kurzen Behandlungen müssen die Patienten dann am selben Tag wieder zurück nach Eilat.

Auch wenn diesen Patienten unentgeltliche Taxi-Fahrten vom Ben Gurion Flughafen zum Krankenhaus in Tel Aviv und zurück versprochen wurden, fühlen sich die Menschen von Eilat isoliert. Ein weiteres Problem ist, dass das Krankenhaus in Eilat von Fachärzten aus dem Zentrum abhängig ist. Im ersten Flug von Tel Aviv nach Eilat sitzen größtenteils Fachkräfte und Spezialisten, um den Tag im Josef Tal Krankenhaus zu verbringen; sie sind unentbehrlich. Und viele dieser Spezialisten haben die Krankenhausleitung in Eilat bereits darüber informiert, dass sie nicht mehr nach Eilat kommen werden, wenn sie den umständlichen Weg über den Ben Gurion Flughafen nehmen müssten. Ein harter Schlag für das Krankenhaus und die Patienten.

Sde Dov ist der Sauerstoff von Eilat“, „Trennt uns nicht vom Rest des Landes“, stand auf einigen der Schilder der Demonstranten. Auch der Tourismus in der Stadt sei von der Schließung des Sde Dov Flughafens betroffen, sagte der Bürgermeister der Stadt Eilat, Moshe Yitzhak-Halevi, der ebenfalls unter den Demonstranten war. Er befürchtet dass, wenn die Flüge eh über Gurion gehen, die Reisenden dann lieber gleich nach Zypern oder Griechenland fliegen würden. Auch das wäre eine Katastrophe für die Touristenstadt Eilat.

Vor einigen Tagen drohte Halevi sogar damit, seine Mitgliedschaft in der Likud-Partei zu kündigen, sollte die Regierung ihre Entscheidung zur Schließung des Flughafens nicht noch einmal überdenken. Auch Tel Avivs Bürgermeister Ron Huldai schloss sich seinem Amtskollegen an.

Ob die Demonstration von gestern noch etwas bringen wird, ist mehr als fraglich. Der Flughafen hätte planmäßig schon längst geschlossen sein müssen, ein weiterer Aufschub scheint unmöglich zu sein. Er würde dem Staat Unmengen an Geld kosten, denn die Grundeigentümer warten nur darauf, dass sie nun endlich beginnen können, auf ihren Grundstücken zu bauen, was bisher wegen der Nähe zum Flughafen unmöglich war. Sollte der Flughafen nicht geschlossen werden, würde das für den Staat juristische Folgen haben. Der Staat würde die Summe von 12 Milliarden Shekel verlieren, sollten die Abkommen gebrochen werden.

Für das Gelände von Sde Dov ist für die kommenden fünf Jahre der Bau von nicht weniger als 16.000 Wohnungen geplant, 14.000 weitere Wohnungen sollen weiter nördlich vom Gelände des Flughafens entstehen.

Seit gestern hat Israel allerdings einen neuen Verkehrsminister, Bezalel Smotrich von der dem rechten Block zugehörenden Nationalen Union. Er sagte gestern, dass er alles dafür tun werde, um die Schließung des Flughafens aufzuschieben. Ob es ihm gelingen wird, das werden wir in spätestens 12 Tagen wissen.

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