Bloß nicht die Lippen bewegen!

Gestern, am Tisha Be Av, dem Gedenktag an die zerstörten Tempel, haben über 1000 Juden den Tempelberg besucht, ein neuer Besucherrekord. In unserer Jerusalem-Ausgabe vom Juni 2017 berichtete Tsvi Sadan von seinem Besuch auf dem Tempelberg.

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Gestern, am Tisha Be Av, dem Gedenktag an die zerstörten Tempel, haben über 1000 Juden den Tempelberg besucht, ein neuer Besucherrekord. Wenn Juden den Tempelberg besuchen wollen, müssen sie vorher erklären, auf dem Berg keine Gebete zu sprechen. Auch das Bewegen der Lippen ist untersagt. Wer diesen Anordnungen nicht nachkommt, muss den Berg verlassen. Man darf nur über den Tempelberg gehen und das innerhalb einer Gruppe, die von Polizisten begleitet und mit einer Videokamera gefilmt wird, wie im Video zu sehen ist.

(Foto: Lucie March/Flash 90)

In unserer Jerusalem-Ausgabe vom Juni 2017 berichtete Tsvi Sadan von seinem Besuch auf dem Tempelberg:

Eigentlich bin ich der Letzte, der über den Tempelplatz sprechen dürfte. 40 Jahre war ich nicht dort oben gewesen. Bis heute. Auf meiner Facebookseite habe ich ein Bild von meinem Tempelbergbesuch veröffentlicht, dessen Erklärung 1000 Worte bedarf. Ich versuche, es hier in weniger Worten auszudrücken.

Am Eingang zum Tempelberg werden die Juden noch vor den Touristen eingelassen. Keine Angst, das hat keine rassistischen Gründe. Wir müssen die ersten sein, da wir von der Polizei untersucht werden. Sicherheit, sagt man uns. Danach werden uns Regeln mitgeteilt, was uns erlaubt, was verboten ist. Die Touristen haben uns in der Zwischenzeit überholt. Umzingelt von zahlreichen Polizisten, es sind israelische, machen wir uns auf den Weg. Auf jeden Juden kommt ein Polizist. Wir müssen in der Gruppe bleiben. Unser Weg ist vorgegeben, keiner darf nach rechts oder links abweichen. Ein Polizist filmt uns, das Material bekommt nachher der Schin Bet. Ich frage die Polizisten, ob sie uns vor den Arabern schützen oder die Araber vor uns? Die Polizisten verstehen uns nicht richtig, die meisten sind Drusen oder Moslems, auch einen jüdischen Polizisten sehe ich. Sie wissen, was sie zu tun haben. „Kadima“ sagen sie, vorwärts.

Alles muss zügig und planmäßig über die Bühne gehen. Der Tempelberg, obwohl jüdisch, ist nur kurze Zeit für Juden offen. Unser Pfad verläuft am Rande des Allerheiligsten des jüdischen Tempels vorbei. Die Moschee vor uns sieht seltsam aus, wie hinter dunklen Fensterscheiben. Überall Schutthaufen von Bauarbeiten. Palästinensische Kinder spielen auf dem Tempelplatz Fußball, Familien machen Picknick. Moslems können sich auf dem Tempelplatz problemlos bewegen. Ihnen stehen acht Tore zum Tempelplatz zur Verfügung. Juden ist der Eingang nur durch ein Tor erlaubt und dieses ist die meiste Zeit geschlossen.

Wir befinden uns auf der östlichen Seite des Tempelplatzes. Mosche, unser orthodoxer Führer, verharrt plötzlich. Leise sagt er: „Wir stehen vor Jachin und Boas.“ So hießen die beiden Säulen am Tor des Tempels. Mosche betet im Herzen, ohne die Lippen zu bewegen. Wenn sich Lippen bewegen, ist dies ein Zeichen, dass jemand betet. Und das ist strikt verboten. Dafür wird man entweder sofort verhaftet oder wenigstens vom Tempelplatz geführt. Ich sehe, wie ein Polizist einen Juden filmt, der ganz still steht. Gewiss betet er innig, ohne es sich anmerken zu lassen. Auf dem Weg zum Ausgang bekomme ich mit, wie ein Polizist zwei Juden anspricht, die keine religiöse Kopfbedeckung tragen. Warum sie sich einer religiösen Gruppe angeschlossen hätten, will er wissen, denn als Säkulare könnten sie doch auch als Touristen gehen. Ich denke nur: Der versteht wirklich nichts von einer unruhigen, jüdischen Seele.

Es stimmt, wir sind die Herrscher. „Der Tempelberg ist unseren Händen!“ Wer die Gebote und Verbote auf dem Tempelplatz nicht beachtet, wird gemäß israelischem Gesetz bestraft. Der Staat Israel ist der Herrscher auf dem Tempelplatz, aber ein Niedriger Herrscher, der sich selbst Angst einjagt, als ob der Tempelberg ein Pulverfass im Nahen Osten sei. Israel ist ein Herrscher, der auf Zehenspitzen läuft. Ein Herrscher, der seinen eigenen Geschwistern, die sich für den Tempelberg einsetzen, das Leben schwer macht. Der aber nichts gegen moslemische Provokateure unternimmt. Ein Herrscher, der den Religionswächtern des Waqf ihre Monatsgehälter überweist, die von Jordanien kommen. Ein Herrscher, der sich selbst betrügt und daher allen Durchblick verliert. Ein Herrscher, der wirklich nichts von einer unruhigen, jüdischen Seele versteht.

Dieser Artikel ist in der Juni-Ausgabe von Israel Heute erschienen.

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