Äthiopische Juden feiern das Sigd-Fest

Am Mittwoch feierten die äthiopischen Juden den Bund mit Gott — eine Tradition, die sie aus Äthiopien mitgebracht haben und die Juden zusammenbringen könnte.

Der Ursprung des Sigd-Festes (Ge‘ez für Niederwerfung) ist nicht genau bekannt. Fakt ist aber, dass dieses Fest am 29. Cheschwan, bzw. 50 Tage nach Jom Kippur, eine lange Tradition in der Kultur der äthiopischen Juden hat. Diese hielten sich auch in der Diaspora in Afrika an die Gebote Gottes, die Torah.

Das Sigd-Fest soll an die Torah und die Erneuerung des Bundes Gottes mit seinem Volk erinnern. Dazu versammeln sich die Juden, fasten und feiern zusammen, und lesen Teile aus den Psalmen und anderen Büchern aus der Bibel.

In Äthiopien drückten die Juden durch dieses Fest auch ihre Sehnsucht nach ihrem Heimatland Israel und den Wunsch, dorthin zurückzukehren und dort ihre jüdische Identität ohne Verfolgung und Unterdrückung frei ausleben zu können, aus. Das ging in Äthiopien, wo das Christentum Staatsreligion wurde und die Christen die Juden, welche sich auch in der Diaspora an die Gesetze und Feste aus der Torah hielten, diskriminierten.

Die äthiopischen Juden gaben jedoch auch trotz der Schwierigkeiten ihren Traum nicht auf und nahmen viel auf sich, um ihn wahr werden zu lassen. Letztendlich kamen die meisten Juden aus Äthiopien in verschiedenen Operationen durch die israelische Armee und Geheimdienste nach Israel.

Heute können sich die äthiopischen Juden an diesem Fest nicht nur an die Torah erinnern, sondern auch an alles, was sie geschafft und den Segen, den sie bekommen haben. Sie können nun dieses Fest in Jerusalem feiern und auf die vielen Jahre zurückblicken, in denen sie gerade an diesem Tag so dafür gefleht haben.

Gebet in Jerusalem

Doch die Realität sieht oft etwas anders als die Vorstellung aus. Die äthiopischen Juden sind in Israel oft noch nicht sehr integriert und von der jüdischen Gemeinschaft anerkannt. Das zeigen auch immer wieder Fälle und Übergriffe auf äthiopische Juden in Israel. Das Sigd-Fest wird jedoch als eine Annäherung angesehen.

Das Fest ist seit 2008 durch die Knesset als nationaler Feiertag anerkannt und wird in Kindergärten, Schulen, in der Armee und in örtlichen Gemeinden gefeiert. Auch immer mehr Juden nicht äthiopischer Herkunft nehmen daran teil.

„Es ist so wunderbar, so viele Menschen hier zu sehen, die nicht aus der äthiopischen Gemeinschaft stammen, und wie sich dieser Feiertag zu einem Fest für das ganze jüdische Volk entwickelt hat“, sagte Knesset-Abgeordnete Pnina Tamano-Shata, die das Sigd-Fest als ein großes Geschenk für die israelische Gemeinschaft bezeichnete, am Mittwoch.

Auch Knesset-Sprecher Juli Edelstein, Kultur- und Sportministerin Miri Regev und Präsident Reuven Rivlin trugen durch Reden zu diesem besonderen Feiertag bei.

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