Absurd: Netanjahu vom eigenem Minister dem Coronavirus ausgesetzt

Unkooperativer orthodoxer Gesundheitsminister hat Netanjahu und seine Regierung gefährdet

Absurd: Netanjahu vom eigenem Minister dem Coronavirus ausgesetzt
Yonatan Sindel/Flash90

Die abendlichen Nachrichtensendungen in Israel wurden am Donnerstag von der absurden Situation dominiert, in der Premierminister Benjamin Netanjahu und möglicherweise sein gesamtes Führungspersonal von keinem Geringeren als dem eigenen Gesundheitsminister dem Coronavirus ausgesetzt worden waren.

Noch schlimmer ist, dass die Beweise darauf hindeuten, dass Gesundheitsminister Yaakov Litzman sich mit COVID-19 infiziert hat, weil er seine eigenen Richtlinien zur sozialen Distanzierung und Isolation gebrochen hat.

“Der Gesundheitsminister versteht einfach nicht das Ausmaß der Krise, gefährdet uns alle und behindert den Weg, Entscheidungen zu fällen”, sagte ein verärgerter, namenloser Kabinettsminister gegenüber Channel 12 News.

Litzman und seine Frau wurden am Mittwoch positiv auf die Krankheit getestet. Zeugen zufolge wurde der Gesundheitsminister nur zwei Tage zuvor in einer überfüllten Jerusalemer Synagoge gesichtet.

“Mein Vater betet jeden Tag in der Synagoge ‘Beit Israel’ im Stadtiertel von Ezrat Thora und erzählte mir, dass er am Montag dort zusammen mit Litzman gebetet hat”, sagte ein von Channel 12 zitierter Mann.

Statistiken aus der letzten Woche zeigten, dass mindestens 29 Prozent aller Coronavirus-Fälle in Israel aus örtlichen Synagogen stammen. Bis zu den letzten Tagen weigerte sich ein großer Teil der ultra-orthodoxen Gemeinde, sich an die Richtlinien des Gesundheitsministeriums zu halten. Litzman selbst argumentierte in den ersten Tagen der Krise wiederholt, dass die Synagogen offen bleiben sollten, auch wenn er alle anderen Versammlungen mit mehr als 10 Personen verbot.

Jetzt, da er selbt, wie so viele andere zuvor trotzige ultra-orthodoxe Juden, als infiziert bestätigt wurde, beklagen sich die Regierungsminister, dass das Gesundheitsministerium nicht annähernd genug Einzelheiten zu Litzmans Fall bekannt gibt.

“Sie verstecken seine epidemiologische Untersuchung vor uns”, so die Minister, wie berichtet wurde.

 

Wachsende soziale Kluft

In Israel wächst das Gefühl, dass es die Schuld der nicht konformen ultra-orthodoxen Gemeinschaft ist, dass sich das Coronavirus so stark im jüdischen Staat verbreitet hat.

In der dicht besiedelten ultra-orthodoxen Stadt Bnei Barak mitten in Gush Dan (Großraum Tel Aviv) schätzen Experten eine Infektionsrate von 38 Prozent, von der allerdings bis jetzt nur ein Bruchteil getestet wurde. Am Donnerstagabend genehmigte die Regierung eine totale Abriegelung von Bnei Barak und verbot den gesamten Verkehr in und aus der Stadt, in der viele der führenden Rabbiner Israels leben.

Bnei Brak

Kontrolle am Eingang zur Stadt Bnei Brak

 

In den ultra-orthodoxen Vierteln Jerusalems, in denen die Infektionsrate ebenfalls viel höher sein dürfte, als die offiziellen Zahlen vermuten lassen, wurde das medizinische Personal, das zur Durchführung von Tests geschickt wurde, mit Steinen angegriffen.

Dieser scheinbare Mangel an Zusammenarbeit bei den nationalen Bemühungen, Leben zu retten, hat die säkulare Mehrheit noch mehr in Wut versetzt. Viele Israelis haben bereits mit Verachtung auf die Ultra-Orthodoxen geblickt, weil die meisten von ihnen sich weigerten, sich dem obligatorischen Militärdienst aller anderen jüdischen Bürger zu unterwerfen.

Die Corona-Krise wird wahrscheinlich die säkular-religiöse Spaltung in Israel irreparabel vergrößern, was schwere Auswirkungen auf den politischen Prozess haben wird, da Netanjahu sich auf die ultra-orthodoxen Parteien verlässt, um die parlamentarische Mehrheit seiner Koalition aufrechtzuerhalten.

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