Guten Morgen liebe Leser!
Jeden Morgen gehe ich, wie Sie mittlerweile sicher wissen, auf meinem Weg zur Redaktion durch den Machane Jehuda Markt. Ich liebe diesen Ort. Schon morgens um 7 Uhr, wenn sich der Markt auf den neuen Tag vorbereitet, sind dort schon recht viele Menschen. Viele, wie ich, auf dem Weg zur Arbeit und einige, meist ältere Menschen, haben um diese Zeit bereits etwas eingekauft. Die Atmosphäre ist einfach toll. Dieser Markt bringt Menschen mit den verschiedensten Hintergründen zusammen.
Wenn ich dann am Nachmittag nach der Arbeit erneut durch den Markt gehe, ist er proppenvoll. Ein buntes Treiben von Menschen, die ihren Einkäufen nachgehen, aber auch sehr viele Touristen, die mithilfe der Kamera etwas von diesem Markt mit nachhause nehmen wollen. Zwischen den Obst- und Gemüseständen gibt es jetzt auch immer mehr kleine Pubs und Restaurants, die zu einer Pause einladen. Hier und da gibt es dann auch ein Schmuckgeschäft oder ein Geschäft für Handys. Der Markt ist eben nicht mehr nur für das Obst und Gemüse gedacht. Die Menschen lieben die Atmosphäre dort.
Gegen Ende des Tages verändert der Markt dann langsam sein Gesicht. Die Obst und Gemüseverkäufer gehen nachhause und plötzlich werden aus den Pubs und Bars weitere Stühle herausgeholt und in den Gassen des Marktes aufgestellt. Der ganze Markt verwandelt sich in ein Vergnügungsviertel mit vielen Bars und Restaurants. Oft gibt es dann auch Live-Musik. Jeden Abend sind die Tische dann voll besetzt, die Verwandlung des Marktes ist abgeschlossen.

Unserem stellvertretenden Gesundheitsminister Litzman von der Thora-Partei scheint dies zu stören. Am 30. Oktober finden in Israel die Kommunalwahlen statt. In Jerusalem wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Da der jetzige Bürgermeister Nir Barkat nicht noch einmal kandidieren wird, da er sein Glück in der Politik des Landes versuchen will, wird Jerusalem einen neuen Bürgermeister bekommen. Nun verkündete Litzman in der letzten Woche an, dass seine orthodoxe Thora-Partei nur einen Kandidaten unterstützen würde, der die abendliche Verwandlung des Machane Jehuda Marktes in ein Vergnügungsviertel ein Ende machen würde. Dabei ginge es nicht nur um Freitagabend und die Einhaltung des Shabbats, sondern überhaupt. Seiner Ansicht nach würden die Bars und Feiern junger Menschen jeden Abend auf dem Markt zu Ausschweifungen führen, der Umwelt schaden und einen schlechten Einfluss auf die Bildung haben. Seine Partei würde nur einen Kandidaten unterstützen, der verspreche, als Bürgermeister von Jerusalem diesem ein Ende zu machen.
Jerusalem hat nicht viele Vergnügungsviertel für die Menschen. Es gibt einen weiteren Komplex mit Restaurants auf dem Gebiet des alten Bahnhofs, die auch am Shabbat geöffnet sind. Auch die sollten auf Verlangen der orthodoxen Fraktion im Stadtrat jetzt geschlossen werden, was dann aber verhindert wurde. Aber nun den Menschen die Freude am Markt zu nehmen? Der Markt und gerade seine abendliche Verwandlung ist eine der Attraktionen der Stadt.
Keiner der Kandidaten zur Wahl des nächsten Bürgermeisters Jerusalem hat der Forderung des orthodoxen Minister bisher zugestimmt, um ein paar Stimmen dazu zu gewinnen. Die orthodoxe Partei versucht mit ihrer Forderung , Druck auf die Kandidaten auszuüben, und dafür ist eben jedes Mittel recht.
Ich hätte ja verstanden, wenn es um die Öffnung am Shabbat gegangen wäre, aber darum geht es gar nicht. Daher glaube ich nicht, dass sich jemand darüber Sorgen machen muss, dass mit den Bars auf dem markt bald Schluss sein wird. Nein, dazu wird es nicht kommen.
Also, wenn einer von Ihnen bald mal wieder in Jerusalem sein wird, kommen sie abends auf den Markt und genießen diese ganz besondere Atmosphäre.
Das Wetter ist momentan sehr gut dafür geeignet. Es ist etwas wärmer geworden, aber nicht zu warm. Hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter bis wolkig mit einem leichten Anstieg der Temperaturen. Gegen Mittag kann es in den Bergen und im Nordosten des Landes zu vereinzelten Regenschauern kommen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 28 Grad, Tel Aviv 27 Grad, Haifa 26 Grad, Tiberias am See Genezareth 35 Grad, am Toten Meer 37 Grad, Beersheva 32 Grad, Eilat am Roten Meer 38 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.48 m unter dem Meeresspiegel.
Und in der Hoffnung, auch weiterhin über etwas weniger wichtige Themen schreiben zu können, in der Hoffnung auf Ruhe und Frieden, wünsche ich Ihnen jetzt einen wunderbaren und angenehmen Dienstag. Machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov




