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Orthodoxe Juden in der Armee haben es nicht leicht

Jüdisch-Orthodoxe Soldaten haben es nicht leicht. Oft werden sie zuhause in ihren Stadtvierteln verbal und auch körperlich angegriffen. Ein „Forum gegen die Hetze“ will jetzt dagegen vorgehen. Auch eine TV-Serie befasst sich mit den Problemen der orthodoxen Soldaten und sorgt mittlerweile für viel Gesprächstoff.

In der letzten Zeit gab es in Israel zahlreiche Demonstrationen und Proteste orthodoxer Juden gegen den Dienst in der israelischen Armee. Die Jerusalemer Abteilung der Litauer Strömung blockierte dabei Straßen und sorgte für erhebliche Verkehrsbehinderungen. Auch gestern kam es in Bnei Brak, wie schon am Tag zu vor, zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Dabei denken bei weitem nicht alle orthodoxen Juden so wie sie. Im Gegenteil, ein großer Teil von ihnen kritisiert diese agressiven Demonstrationen der Jerusalemer Abteilung. Mittlerweile ermöglicht die israelische Armee auch den religiösen Juden, den Dienst in der Armee ihren Glauben entsprechend zu leisten. Dafür wurde die „Nahal Haredi Einheit“ ins Leben gerufen.

Soldaten der “Nahal Haredi Einheit”, die es religiösen Israelis ermöglicht, in der Armee zu dienen (Foto: Yaakov Naumi/Flash90)

Die orthodoxen Juden, die doch für einen Dienst in der Armee entscheiden, haben es nicht immer leicht. Sie werden leider oft in ihrem Stadtviertel beschimpft, wenn sie über das Wochenende nachhause kommen. Dabei kam es auch zu körperlichen Angriffen. Daher ist es den orthodoxen Soldaten erlaubt, ohne die Uniform nachhause zu gehen. Für die orthodoxen Soldaten wurde eigens ein Schimpfwort erfunden, “Chardak”. Es ist eine hebräische Verkürzung für den “leichtgläubigen Haredi”, oder auch die Abkürzung für die hebräischen Worte “Charak” (Insekt) und Chaidak (Virus), kein nettes Wort also.

“Chardak!“ – Orthodoxe Juden rufen in der Stadt Beit Shemesh einem religiösen Soldaten in Uniform Schimpfwörter zu

Um gegen diese Hetze gegen die orthodoxen Soldaten vorzugehen, hat sich das sogenannte “Forum gegen die Hetze” gebildet. Sie haben vor kurzem eine Kampagne gestartet, in der unter anderem dazu aufgerufen wird, keine Waren mehr zu kaufen, die das Koscher-Zertifikat des Obersten Rabbinatsgerichts tragen, denn mit dem Kauf der von ihm kontrollierten Lebensmitteln würde man die Hetze gegen die orthodoxen Soldaten unterstützen.

Video des „Forums gegen die Hetze“

Für heute plant das Forum eine Pressekonferenz, auf der die Kampagne gegen die Hetze offiziell gestartet werden soll. Dafür wollte man eigentlich einen Raum im Museum des Munitionshügels anmieten, dies wurde der Organisation allerdings nicht gestattet. Das Museum am Munitionshügel zur Erinnerung an den Sechs-Tage-Krieg sei eine staatliche Einrichtung, daher sei es nicht möglich, dort Veranstaltungen politischen Charakters abzuhalten, hieß es in der Begründung für die Absage. Das Forum betonte daraufhin, dass es keine politischen Ziele verfolge. Nun wird die Pressekonferenz an einem anderen Ort abgehalten werden.

”Kipat Barzel”

Seit einigen Wochen läuft in israelischen Fernsehen eine Serie, die sich mit den Problemen der orthodoxen Soldaten in der Armee befasst. “Kipat Barzel” ist der Name der mittlerweile sehr populären Serie. Kipat Barzel ist nicht nur der Name des bekannte Raketenabwehrsystems, sondern bedeutet wörtlich übersetzt “Kipa aus Eisen”, Kipa ist die traditionelle Kopfbedeckung der Juden.

TV-Serie Kipat Barzel

Die Serie zeigt die Geschichte von mehreren orthodoxen Soldaten, darunter ein orthodoxer Jude aus Bnei Brak, der von seiner Familie abgewiesen wird, solange er weiter darauf beharrt, in der Armee zu dienen. Sogar sein eigener Bruder greift ihn an, als er nachhause kommt. Die Serie hat hier in Israel für viel Aufmerksamkeit gesorgt und ist auch innerhalb der orthodoxen Gemeinden zum Tagesgespräch geworden. Und das, obwohl die ultra orthodoxen Juden ja gar kein Fernsehen sehen.

Titelbild: Eine als israelischer Soldat verkleidete und aufgehängte Puppe im Stadtteil Mea Shearim in Jerusalem (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

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Patrick Callahan

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