Es ist nicht Aminas erste Reise nach Israel. Zusammen mit anderen jungen Leuten aus dem Gazastreifen hat sie schon an mehreren Projekten teilgenommen, die Israelis und Palästinenser zusammenbringen wollen. Im Januar 2015 aber kommt Amina zum ersten Mal nach Tel Aviv. Sie lernt die Offenheit der israelischen Gesellschaft kennen, in der jeder seine Meinung sagen darf, ohne Angst vor Repressalien haben zu müssen.
Wir sitzen miteinander auf einem Balkon, unser Blick geht über Israels Küstenperle. Amina ist tief berührt und spricht davon, wie sie eine innerliche Verwandlung erlebt. „Ich habe jetzt ein Leben vor Tel Aviv und eines nach Tel Aviv“, sagt sie. „In Gaza werden wir unaufhörlich manipuliert, die Israelis als böse anzusehen. Aber Israelis und Palästinenser haben so viel gemeinsam. Es gibt keinen Grund, warum wir nicht in Frieden leben können.“
Amina kann nicht an eine Zwei-Staaten-Lösung glauben, die versucht, Grenzen zwischen Israelis und Palästinensern zu ziehen. Aber daran, dass Brücken zwischen den beiden Völkern gebaut werden können, um beide einander näher zu bringen. Bevor sie nach Gaza zurückkehrt, verspricht sie ihren neuen Freunden, zu Hause die Wahrheit über die Israelis zu sagen.
Als ich sie einen Monat später anrufe, spreche ich mit einer ganz anderen Amina. Ihr Optimismus und ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft sind wie weggeblasen. Wo ist die Entschlossenheit geblieben, unwahrhaftige Medien zu brandmarken und gegen Korruption einzutreten?




