(JNS) Der Vorsitzende der Vereinigten Arabischen Liste (Ra’am), Mansour Abbas, weigerte sich am Dienstag in einem Interview mit dem israelischen Radiosender Kan Reshet Bet, die Hamas als Terrororganisation zu verurteilen, die vernichtet werden müsse.
In einem für den Parteivorsitzenden ungewöhnlich emotionalen Ausbruch verweigerte Abbas wiederholt eine direkte Antwort auf die Frage der Interviewerin Esti Perez-Ben Ami: „Können Sie unmissverständlich und klar sagen, dass die Hamas eine Terrororganisation ist, die am 7. Oktober 2023 israelische Bürger, Juden und Araber, massakriert hat und vernichtet werden muss?“
Abbas begann zunächst mit einer Tirade darüber, dass von seiner Partei ständig Loyalitäts- und Gesinnungstests verlangt würden. „Wir haben jede Form des Terrorismus verurteilt. Wir haben die Verbrechen des 7. Oktober verurteilt – nicht nur aus säkularer Sicht, sondern auch aus islamisch-religiöser Sicht. Wir haben uns dagegen ausgesprochen. … Und jetzt wollen sie uns wieder diesen Tests unterziehen“, sagte er.
Anschließend verteidigte er seine Wähler, die überwiegend aus traditionellen, religiösen Muslimen bestehen, insbesondere Beduinen aus der Negev-Region. Er bezeichnete sie als „normale, gesetzestreue Bürger“. Sie wollten sich in die israelische Gesellschaft integrieren und „streben danach, Frieden und Versöhnung zwischen dem palästinensischen Volk und dem jüdischen Volk zu erreichen“, sagte er.
Perez-Ben Ami entgegnete: „Sie beantworten meine Frage nicht. Ich frage Sie: Ist die Hamas eine Terrororganisation, die vernichtet werden muss?“
Abbas wich der Frage erneut aus. Er erklärte, dass man ihn nicht nur zusätzlichen Loyalitätstests unterziehe, sondern dass es auch unklug sei, den Interessen der extremen Rechten zu dienen, die seine Partei delegitimieren wolle. Er sagte, dies sei zugleich ein Versuch, auch die neue Partei Die Demokraten zu delegitimieren, die 2024 durch den Zusammenschluss der linksextremen Parteien Meretz und Arbeiterpartei entstanden sei.
Es sei empörend, „irgendjemanden von uns einem solchen Loyalitätstest zu unterziehen“, sagte er.
„Knessetabgeordneter Mansour Abbas, ich höre Sie, ich höre auch die Emotion in Ihrer Stimme. Aber ich bitte Sie um eine Antwort, die auch meine Zuhörer hören möchten. Ist die Hamas eine Terrororganisation, die vernichtet werden muss? Was spricht dagegen, einfach Ja oder Nein zu sagen?“, fragte Perez-Ben Ami.
Nach einem Wortgefecht, bei dem beide gleichzeitig sprachen, sagte Abbas: „Ich möchte Ihnen keine eindeutige Antwort geben.“ Später fügte er hinzu: „Ich habe eine eindeutige Antwort. Ich möchte sie nur nicht aussprechen.“
Abbas’ Weigerung zu antworten könnte im Vorfeld der nationalen Wahlen im Oktober weitreichende politische Folgen haben, da sie die Warnungen der politischen Rechten vor den Risiken einer Regierungsbeteiligung einer arabischen Partei untermauert. Rein rechnerisch benötigt die Opposition mindestens eine arabische Partei, um eine Regierungskoalition bilden zu können.
Ra’am, der laut der jüngsten Umfrage von Kanal 12 vom Montag fünf Mandate erreichen würde, gilt dabei als der naheliegendste Partner. Tatsächlich ist sie die einzige Alternative, da die anderen arabischen Parteien, Hadash-Ta’al und Balad, eine Beteiligung an einer zionistischen Regierungskoalition ablehnen.
Ra’am hat ihre Bereitschaft erklärt, erneut Teil einer israelischen Regierung zu werden, nachdem sie bereits der Regierung Lapid-Bennett (Juni 2021 bis Dezember 2022) angehörte.
Israels rechte Politiker reagierten umgehend auf Abbas’ jüngste Äußerungen. Israels Minister für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir von der Partei Otzma Yehudit schrieb auf X:
„Ich habe eine eindeutige Antwort darauf, was mit all den Terrorunterstützern geschehen muss, den Partnern der Linken, die unter dem Schutz des feindseligen Justizsystems in der Knesset sitzen. Und ich bin bereit, sie auszusprechen: Schickt sie in den Iran. Raus!“
Es ist nicht das erste Mal, dass Abbas mit umstrittenen Aussagen zur Hamas auffällt. Am 23. Mai 2024 bezeichnete er die Hamas als legitimen Teil des palästinensischen Volkes.
Am folgenden Tag versuchte er, seine Worte gegenüber Kan Reshet Bet zu präzisieren: „Die arabischen Staaten streben eine Lösung durch Versöhnung zwischen den Völkern an. Was die Hamas betrifft, so gibt es keinen Platz für diejenigen, die Versöhnung nicht als Teil der Lösung sehen. Wer Verbrechen begangen hat, muss den Preis dafür zahlen; die Hamas hat Verbrechen begangen.“
Im Jahr 2024 wurde die mit Ra’am verbundene Wohltätigkeitsorganisation Aid 48 dabei ertappt, große Geldsummen an die Hamas überwiesen zu haben.
Abbas hat in den vergangenen Jahren versucht, die Wählerschaft seiner Partei zu erweitern. Im Dezember 2025 kündigte er an, sich vom Schura-Rat zu lösen – einem Gremium, das mit dem von der Muslimbruderschaft inspirierten südlichen Zweig der Islamischen Bewegung verbunden ist und die Partei bislang leitete sowie letztlich ihre Entscheidungen traf.
Abbas’ Schritt folgte auf die Ankündigung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu einen Monat zuvor, die Muslimbruderschaft verbieten zu wollen. Seine Erklärung erfolgte nach einer ähnlichen Ankündigung von US-Präsident Donald Trump.
Bereits 2009 und 2019 hatte der Zentrale Wahlausschuss der Knesset Ra’am wegen ihres Extremismus von den Wahlen ausgeschlossen. Beide Entscheidungen wurden jedoch später vom Obersten Gerichtshof Israels aufgehoben.




