Israel hat in seiner Geschichte Kriege gegen weit überlegene Armeen geführt, Terrorwellen überstanden und sich immer wieder gegen Feinde von außen behauptet. Doch viele Israelis treibt heute eine andere Sorge um: Nicht Hamas, Hisbollah oder Iran könnten die größte Gefahr für den jüdischen Staat sein, sondern die wachsende Spaltung im eigenen Volk. Während an den Grenzen gekämpft wird, verläuft mitten durch die israelische Gesellschaft eine gefährlichere Front – zwischen rechts und links, religiös und säkular, Regierung und Opposition. Zwischen Geschwistern. Der Ton wird rauer, die Fronten verhärten sich. Debatten werden schärfer geführt, Kompromisse seltener gefunden, und viele Menschen definieren sich immer stärker über ihre politische oder gesellschaftliche Zugehörigkeit. Fast jeder macht den anderen für die Krise verantwortlich. Regierung und Opposition werfen sich gegenseitig vor, Israels Demokratie oder gar die Sicherheit des Staates aufs Spiel zu setzen. Über Versöhnung spricht dagegen kaum noch jemand. So wird der Bruder zum Gegner.
Nicht weniger tief sind die Spannungen zwischen religiösen und säkularen Israelis. Der Streit...
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