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Interne Hamas-Dokumente vor dem 7. Oktober: „Israel ist schwächer als ein Spinnennetz“

Geleakte Hamas-Dokumente enthüllen: Der 7. Oktober war der jahrelang geplante Auftakt zur Vernichtung Israels.

Yahya Sinwar spricht am 4. November 2019 auf einer Konferenz in Gaza-Stadt. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90
Yahya Sinwar spricht am 4. November 2019 auf einer Konferenz in Gaza-Stadt. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Interne Hamas-Dokumente, die von israelischen Streitkräften erbeutet und nun ausgewertet wurden, zeigen: Der 7. Oktober war der geplante „Nullpunkt“ für einen multifrontalen regionalen Krieg. Yahya Sinwar beschrieb Israel intern als „schwächer als ein Spinnennetz“ und glaubte, die innenpolitischen Spaltungen in Israel – insbesondere die Proteste gegen die Justizreform 2022 und 2023 – würden das Land bei einem koordinierten Angriff rasch zum Kollabieren bringen.

Bereits 2019 formulierte Sinwars Büro in einem internen Arbeitspapier eine „gemeinsame Verteidigungsallianz“ mit dem IRGC-Quds-Korps und der Hisbollah – mit dem erklärten Ziel, „alle Fronten gleichzeitig gegen den gemeinsamen Feind Israel zu aktivieren“. Sinwar und Hamas-Militärchef Mohammed Deif forderten in dieser Zeit 20 Millionen Dollar pro Monat vom Quds-Korps – insgesamt 500 Millionen Dollar über zwei Jahre – um das Ziel der Eliminierung Israels zu finanzieren. Laut Verteidigungsminister Israel Katz wurde dieser Betrag tatsächlich bewilligt.

Saudi-Arabien als Auslöser – Sinwars Kalkül gegen die Normalisierung

Am 2. Oktober 2023 – nur fünf Tage vor dem Angriff – rief Sinwar die Hamas-Führung zusammen und erklärte, angesichts der drohenden Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien sei eine „außergewöhnliche Aktion“ unumgänglich. Hamas könne die Normalisierungspläne „zunichtemachen, wie wir schon bei Oslo eine Rolle gespielt haben“.

Sinwar entwarf drei Szenarien für den Krieg: Das erste sah einen koordinierten Überraschungsangriff von Hamas, Hisbollah und verbündeten Kräften aus dem Irak, Jemen, Syrien und Jordanien vor. Hassan Nasrallah soll das erste Szenario als realistisch und als möglichen Weg zur Vernichtung Israels bewertet haben.

Iran und Hisbollah zögerten – Sinwar zwang sie durch vollendete Tatsachen

Das vielleicht Aufschlussreichste an den geleakten Dokumenten ist Sinwars eigene Einschätzung seiner Verbündeten. In einem Telegramm vom Juni 2022 an Ismail Haniyeh schrieb Sinwar offen: „Ich glaube nicht, dass sie so schnell mitmachen werden.“ Er war sich bewusst, dass Irans und Hisbollah-Kalküle „völlig anders als unsere“ seien und primär darauf ausgerichtet, das iranische Atomprogramm zu schützen.

Die Forschung zeigt eine kritische Fehlkalkulation in Sinwars Strategie: Während Iran und Hisbollah dieselbe Ideologie teilten, teilten sie nicht unbedingt seine Dringlichkeit. Die Beweise deuten darauf hin, dass Iran und Hisbollah vom Zeitpunkt und Ausmaß des 7. Oktober „tief überrascht“ waren – Hamas hatte seine Verbündeten durch einen Fait accompli in einen existenziellen Krieg hineingezogen.

Der Brief an Nasrallah, der in den frühen Stunden des 7. Oktober versandt wurde, enthielt außerdem eine Anweisung zur politischen und medialen Strategie: Die Operation solle international als Akt der „Selbstverteidigung“ nach internationalem Recht dargestellt werden. Eine zynische PR-Strategie, die in westlichen Medien und UN-Gremien bis heute nachwirkt.

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Patrick Callahan

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