Wenige Tage vor Rosch Haschana, dem jüdischen Neujahrsfest, fand am Dienstagmorgen die traditionelle Räumung der Gebetszettel an der Klagemauer statt. Wie jedes Jahr werden dabei die tausenden kleinen Zettel, die Gläubige und Besucher in den vergangenen Monaten zwischen die uralten Steine gesteckt haben, behutsam entfernt und anschließend in einer Geniza, einem besonderen Aufbewahrungs- und Bestattungsort für heilige Schriften, beigesetzt.
Der Rabbiner der Klagemauer und der Heiligen Stätten, Rabbi Schmuel Rabinowitz, begleitete die Zeremonie persönlich. Er sprach ein Gebet für die Einheit des Volkes Israel und für die Erfüllung all jener Bitten, die in den vielen tausend Zetteln formuliert wurden.
Die Entfernung erfolgt streng nach halachischen Vorgaben: Nur mit Handschuhen und speziellen Holzwerkzeugen, damit sowohl die Heiligkeit des Ortes als auch die Vertraulichkeit der persönlichen Gebete gewahrt bleiben. Die Zettel werden anschließend in besonderen Säcken gesammelt und gemeinsam mit abgenutzten heiligen Schriften dauerhaft beigesetzt.
Besonders bemerkenswert in diesem Jahr: Unter den Botschaften befanden sich auch zahlreiche Zettel, die online von Menschen aus Ländern übermittelt wurden, die offiziell in Feindschaft zu Israel stehen – darunter Iran, Jemen, Irak, Katar, Libanon, Pakistan, Sudan, Jordanien, Ägypten und Kasachstan. Viele dieser Bittschriften enthielten ergreifende Gebete für Frieden, Versöhnung und den Aufbau von Beziehungen zwischen den Völkern.
Auch Staats- und Regierungschefs, die Israel offiziell besuchten, ließen in den vergangenen Monaten persönliche Zettel in die Mauerritzen legen. Darunter befand sich auch ein Gebet von US-Präsident Donald Trump, das er zu Beginn seiner Amtszeit über den damaligen US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, übermitteln ließ. Seine schlichte Botschaft: „Für Frieden in Israel!“

Neben diesen prominenten Beiträgen fanden sich auch die Bitten unzähliger israelischer Soldaten, Familien von Geiseln, trauernde Angehörige Gefallener, Verwundete und Pilger aus aller Welt.
Um den Zugang zu erleichtern, hat die Kotel-Stiftung jüngst sogar einen WhatsApp-Bot eingerichtet, über den Namen und Gebetsanliegen eingereicht werden können. Diese werden täglich von den Mitarbeitern in die Ritzen der Klagemauer eingefügt – ein moderner Weg, um uralte Tradition mit der digitalen Welt zu verbinden.
So zeigt sich jedes Jahr aufs Neue: Die Klagemauer in Jerusalem ist weit mehr als nur ein heiliger Ort für Juden. Sie ist ein weltweites Symbol für Hoffnung, Gebet und die Sehnsucht nach Frieden zwischen den Völkern.
Gebetsanliegen können über WhatsApp an die Kotel-Stiftung geschickt werden: +972-52-4288732




