Ein Hauch von Antike liegt in der trockenen Luft der Negevwüste. Am Samstagmorgen wurde in der antiken Stadt Avdat ein kleines, aber bedeutendes Kapitel Weingeschichte geschrieben: Erstmals seit über einem Jahrtausend wurden hier Trauben geerntet, deren genetisches Erbe auf die Blütezeit des byzantinischen Weinanbaus zurückgeht.
Der Negev war im 5. und 6. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der Weinproduktion – eine Tatsache, die heute kaum vorstellbar ist. Historische Quellen berichten ehrfürchtig von blühenden Weinbergen mitten in der Wüste. Dieser Ruhm soll nun zurückkehren.
Vor zwei Jahren hatten Forscher der Universität Haifa gemeinsam mit der israelischen Natur- und Parkbehörde in Avdat einen historischen Weinberg angelegt. Grundlage dafür waren Traubenkerne, die man in einer versiegelten Höhle der Ausgrabungsstätte gefunden hatte. Ihre DNA wurde analysiert, rekonstruiert – und nun erstmals erfolgreich angebaut.
Der erste kleine Jahrgang der Sorte Dabouki, einer alten lokalen Rebe, wurde per Hand gelesen. Lediglich rund 20 Kilogramm Trauben kamen dabei zusammen – genug für vielleicht ein Dutzend Flaschen Wein. Aber es geht um mehr als Menge: Es geht um die Wiederbelebung einer vergessenen Kunst.
„Damals war die Region wirtschaftlich und technologisch ein Vorreiter“, sagt Dr. Lior Schwimmer, Archäologe und Leiter des Projekts in Südisrael. „Im Negev war bis dahin kaum etwas angebaut worden – Ziegen, vielleicht Kupfer. Und plötzlich produzierte man hier Wein in großem Stil und exportierte ihn nach Europa.“
في إنجاز علمي وتاريخي مميز، قام باحثون من جامعة حيفا، بالتعاون مع سلطة الطبيعة والحدائق العامة، بحصد أول محصول من كرمة عنب في موقع „عُوفَدة“ في النقب، زرعت قبل عامين باستخدام بذور مأخوذة من نوى عنب تعود للعصر البيزنطي، أي قبل نحو 1500 عام.
الهدف من المشروع هو إعادة إحياء صناعة… pic.twitter.com/mzmDGveP5k— إسرائيل بالعربية (@IsraelArabic) July 27, 2025
Dr. Lior Schwimmer mit den geernteten Trauben
Wie der antike Wein geschmeckt hat, ist heute ungewiss. Schwefel und moderne Hefezusätze gab es damals nicht. Auch Holzfässer waren nicht in Gebrauch – stattdessen wurde der Wein in Tonkrügen gelagert. „Vielleicht würden wir ihn heute als ungenießbar empfinden, vielleicht aber auch nicht“, meint Schwimmer. Ziel sei es, mit antiken Methoden so nah wie möglich an das Original heranzukommen.
Die Vinifikation übernimmt Gidi Talmor, ein IT-Spezialist aus dem Ort Lachish, der in seiner Freizeit Wein herstellt – ganz ohne industrielle Zusatzstoffe. „Ich arbeite nur mit der Natur“, sagt er. „Keine Filter, keine Sulfite, keine Zusätze. Der Wein soll das erzählen, was die Traube erzählt.“
Die Mengen bleiben vorerst gering. Neben dem Dabouki gedeihen auf sieben Terrassen auch die antiken Sorten Baer und Soreqi, die in den nächsten Wochen ebenfalls geerntet werden sollen. Der richtige Testlauf beginnt allerdings erst im kommenden Jahr, wenn die gesetzliche Wartezeit für junge Reben („Orla“) abgelaufen ist. Dann wird auch das Weingut Pinto aus Yerucham in die Produktion einsteigen.
Die Vision geht noch weiter: In der Region werden auch alte Sorten von Feigen-, Oliven- und Granatapfelbäumen gesammelt und gepflanzt – ein lebendiger Obstgarten wie in biblischen Zeiten entsteht.
Schwimmer ist voller Hoffnung: „Wir stehen erst am Anfang. Wenn alles klappt, könnten wir nächstes Jahr bis zu 800 Flaschen herstellen. Und irgendwann, eines Tages, sitzen wir mit einem Tonkrug in der Hand, trinken den Wein unserer Vorfahren – und sagen einfach: Wow, das ist wirklich gut.“




