Was mit einem iranischen Bruch des Waffenstillstands begann, wurde binnen Stunden zu einer politischen und militärischen Zerreißprobe für Israel, ausgelöst nicht durch Teheran, sondern durch Washington. US-Präsident Donald Trump, in Teilen Israels als „Gesandter Gottes“ gefeiert, stoppte in letzter Minute einen umfassenden Luftangriff auf Teheran. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu musste seine Piloten zurückrufen, Verteidigungsminister und Generalstab standen konsterniert im Regen. Und der ultraorthodoxe Minister Arie Deri, der Trump eben noch als göttliches Wunder pries, musste erleben, wie der „Gesandte“ Israel öffentlich beschimpfte. Es war ein Tag zwischen göttlicher Fügung, geopolitischer Macht und militärischer Ernüchterung. Ich habe wirklich hin- und herüberlegt, welchen Titel ich diesem Artikel geben sollte. Vielleicht: „Der Gesandte Gottes verliert die Nerven“, oder „Der Gesandte Gottes flucht Israel“ oder „Israel verärgert den Gesandten Gottes“. Denn Donald Trump wird hierzulande von nicht wenigen tatsächlich als göttlicher Gesandter betrachtet, ein moderner Kyros in roter Krawatte. Und gestern, vor laufender Kamera, hatte dieser Gesandte Gottes einen eher irdischen Moment: Er fluchte, schimpfte und verpasste Israel eine himmlische Standpauke.
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So viel Lob und Verehrung kann einem Narzissten ungebührlich zu Kopfe steigen. Wenn man einen Menschen zum Messias macht, bleibt die Enttäuschung nicht aus.