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„Für uns ist jeder Tag ein Gedenktag“

OneFamily organisiert ein Erholungswochenende am See Genezareth für 400 Eltern gefallener Soldaten und Terroropfer.

Gedenktag
Trauernde Familien finden Trost bei einem Gedenk-Wochenende von OneFamily am Kinneret. Foto: Meir Pavlovsky

Am diesjährigen Jom HaZikaron, dem Gedenktag für Israels gefallene Soldaten und Terroropfer, herrscht angesichts der weiter steigenden Zahl an Gefallenen im anhaltenden Krieg „Schwerter aus Eisen“ landesweite Trauerstimmung.

Marc Belzberg, Gründer und Vorsitzender der Hilfsorganisation OneFamily, die sich seit Jahren für Terroropfer und ihre Angehörigen einsetzt, erklärt:

„Der Jom HaZikaron im vergangenen Jahr war schon anders als alles, was wir kannten. Und dieses Jahr ist es noch intensiver. Fast jeder Israeli – und unzählige Juden weltweit – hat heute eine persönliche Verbindung zu einem Menschen, der im Krieg oder durch Terror ums Leben kam. Wir alle tragen ein Stück des Schmerzes, den trauernde Familien jeden Tag spüren.“

Am Wochenende vor Jom HaZikaron veranstaltete OneFamily wie jedes Jahr ein dreitägiges Erholungswochenende am See Genezareth (Kinneret) – für 400 Eltern gefallener Soldaten und Terroropfer. Es ging dabei um Ruhe, Unterstützung, praktische Hilfe und die Stärkung neuer Energie.

Im Mittelpunkt standen heilende Aktivitäten, aber vor allem auch die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, die das gleiche Leid tragen.

„Jeder in diesem Raum hat eine Tochter oder einen Sohn verloren, die für dieses Land gefallen sind“, sagte ein Teilnehmer nach dem Schabbatgottesdienst und mehreren Gesprächsrunden. „Alle 400 Menschen hier. Jeder Einzelne muss an Jom HaZikaron einem gefallenen Kind gedenken.“

Die Veranstaltung spiegelte das breite Bild kollektiver Trauer in der israelischen Gesellschaft. Die Eltern kamen aus allen Landesteilen, aus verschiedenen religiösen, ethnischen und kulturellen Hintergründen – Inder, Äthiopier, Russen, Franzosen, Amerikaner, Sefarden und Aschkenasen. Sie repräsentierten Linke wie Rechte, Menschen aus Großstädten wie aus kleinen Gemeinden.

Manche von ihnen erleben diesen Gedenktag zum ersten Mal ohne ihr Kind, für andere ist es Jahre her – doch viele kommen jedes Jahr wieder, um nicht nur Trost zu empfangen, sondern auch weiterzugeben.

„An Jom HaZikaron gibt es keine Ablenkung vom Schmerz“, sagte ein Vater. „Wir bereiten uns innerlich die ganze Woche darauf vor. Dieses Wochenende mit anderen Betroffenen hilft uns, besser damit umzugehen.“

Yaron und Ayelet Fisher aus Bruchin in Samaria trauern um ihren Sohn Nevo, der am 8. Januar 2025 im Alter von 20 Jahren als Panzerkommandant des 46. Panzerbataillons im nördlichen Gazastreifen gefallen ist.
„Für uns ist jeder Tag Jom HaZikaron“, sagt Yaron. „Wir leben ständig mit dem Verlust. Jom HaZikaron ist der eine Tag, an dem alle anderen mit uns stehen bleiben. Wir begrüßen diesen Tag, denn wir dürfen die Geschichte unseres Sohnes erzählen – gemeinsam mit der Gemeinschaft trauern.“

Lisa Weinsof Zenilman aus Ma’ale Adumim verlor ihren Sohn Ari am dritten Chanukkah-Tag, dem 10. Dezember 2023. Hauptfeldwebel Ari Zenilman fiel im Einsatz in Khan Yunis – einen Monat vor seinem 33. Geburtstag. Er war der Älteste von fünf Geschwistern, hinterließ seine Frau Chava und drei kleine Kinder: Achiya, Tali und Maayan.

Ari besuchte die Hesder-Jeschiwa Har Etzion und diente in der Nachal-Brigade. Auch nach dem regulären Dienst engagierte er sich in der Reserve – überzeugt davon, dass „seine Zeit noch nicht vorbei sei“.

In einem Brief an einen jungen Freund, der sich auf den Wehrdienst vorbereitete, schrieb er:
„Denke immer an das große Ganze … Du magst dich wie ein kleines Rädchen in einer fehlerhaften Maschine fühlen – aber was für eine Maschine das ist! Jeder Soldat muss verstehen: Es ist seine Zeit, es ist seine Aufgabe.“

Am 3. Dezember meldete sich Ari ein letztes Mal bei seiner Familie, um mitzuteilen, dass er sein Handy abgibt – ein stilles Zeichen, dass er in den Gazastreifen einrücken wird. Es war das letzte Lebenszeichen.

„Ari zu verlieren, hat eine riesige Lücke in unser Leben gerissen“, sagt seine Mutter. „Diese Lücke wird nie gefüllt – aber sie verändert sich. Nicht kleiner, nicht gefüllt, aber anders.“

Die Begegnung mit anderen Betroffenen habe ihr sehr geholfen, sagt Lisa:
„Mit Menschen zu sprechen, die Ähnliches erleben, hilft. Die Zeit vergeht, und wir gehen weiter – immer noch gebrochen, aber nicht wie am Anfang. Wir lernen, die Scherben zusammenzuhalten und weiterzugehen.“

„Wir gehen auf unseren zweiten Jom HaZikaron zu“, sagt sie. „Dieser Tag ist eine sehr kraftvolle Erfahrung. Es ist der eine Tag, an dem wir unseren Sohn als Soldaten betrauern – nicht nur unseren Ari.“

Marcy Oster aus Karnei Shomron verlor ihren Sohn Amichai, 24 Jahre alt, am 1. Januar 2024 in Gaza.
„Es ist mein zweiter Jom HaZikaron als trauernde Mutter und das zweite Mal, dass ich an einem OneFamily-Wochenende teilnehme“, berichtet sie.
„Letztes Jahr war der Schmerz noch ganz frisch. Ich war dankbar für die Gespräche mit Eltern, deren Kinder in früheren Kriegen gefallen sind. Sie sagten: Es wird immer wehtun – aber ihr werdet wieder lernen, Glück zu empfinden.“

„Es sind jetzt ein Jahr und vier Monate seit Amichais Tod. Es fühlt sich immer noch frisch an. Es hat mich traurig gemacht, so viele neue Eltern zu sehen, die erst seit wenigen Wochen oder Monaten trauern.“

„Ich wünschte, ich könnte ihnen den Schmerz nehmen – aber allein das Zusammensein, das Erzählen über unsere Kinder und wie wir seit diesem Klopfen an der Tür weiterleben, ist heilsam.“

OneFamily unterstützt seit 23 Jahren Opfer von Terror und Krieg – mit vier regionalen Zentren, einem Netzwerk aus Personal und Ehrenamtlichen, Kleingruppen, Freizeitangeboten und maßgeschneiderten Programmen für jede Lebensphase. Höhepunkt sind jährlich mehrere zentrale Wochenenden wie dieses.

Hier die Aufzeichnung der Jom-HaZikaron-Gedenkveranstaltung von OneFamily vom Abend des 29. April 2025 in Jerusalem:

 

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Patrick Callahan

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