Israels Staatspräsident Isaac Herzog wird am heutigen Donnerstag in Polen den diesjährigen „March of the Living“ („Marsch der Lebenden“) anführen. Der Gedenkmarsch im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erinnert an die sechs Millionen ermordeten Juden und markiert in diesem Jahr den 80. Jahrestag der Befreiung der nationalsozialistischen Todeslager und das Ende des Zweiten Weltkriegs.
Die Veranstaltung findet traditionell am israelischen Holocaust-Gedenktag Yom HaShoah statt. In diesem Jahr nehmen 80 Holocaust-Überlebende im Alter von 80 bis 97 Jahren teil – darunter Menschen, die mehrere Lager überlebt haben, sowie Kinder, die während des Krieges versteckt wurden. Begleitet werden sie von einer Delegation aus Israel, unter ihnen zehn Geiseln, die erst vor Kurzem aus der Gewalt der Hamas im Gazastreifen befreit wurden. Auch Angehörige von Terroropfern, Familien der noch immer festgehaltenen Geiseln und Vertreter der israelischen High-Tech-Branche werden vor Ort sein.
Zu den befreiten Geiseln gehören Agam Berger, Hagar Brodutch, Chen Goldstein-Almog, Ori Megidish, Almog Meir Jan, Gadi Moses, Raaya Rotem, Eli Sharabi, Keith Siegel und Moran Stella Yanai.
Mit ihnen marschieren Angehörige von ermordeten, noch immer festgehaltenen sowie befreiten Geiseln – darunter die Eltern von Omer Shem-Tov, der aus der Gefangenschaft der Hamas befreit wurde, die Eltern von Hanan Yablonka und Ofir Tzarfati, die ermordet und nach Gaza verschleppt worden waren, die Witwe von Ron Binyamin, sowie Verwandte von Shani Louk und Tomer Achimas, deren Leichen inzwischen geborgen werden konnten. Auch Daniel Weiss aus dem Kibbuz Be’eri, dessen Eltern entweder getötet oder als Geiseln verschleppt wurden, wird an dem Marsch teilnehmen. Einige Holocaust-Überlebende, die als Großeltern aktueller Geiseln betroffen sind, werden ebenfalls vor Ort sein.
Die Organisation der israelischen Delegation übernimmt die Abteilung für Geiseln und Vermisste im Büro des israelischen Ministerpräsidenten (offiziell: Hostages and Missing Persons Department).
Vor dem eigentlichen Marsch ist ein Treffen zwischen Präsident Herzog und dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Oświęcim geplant. Dabei sollen Fragen der bilateralen Zusammenarbeit, der Kampf gegen Antisemitismus sowie die laufenden Bemühungen um die Freilassung der Geiseln erörtert werden. Die beiden Staatsoberhäupter wollen zudem gemeinsam Kränze an der Schwarzen Wand in Auschwitz niederlegen und die israelische Holocaust-Ausstellung in Block 27 besuchen. Ein Austausch mit Jugenddelegationen aus Israel und Polen steht ebenfalls auf dem Programm.
Der Gedenkmarsch beginnt um 13 Uhr polnischer Zeit. Die zentrale Zeremonie in Birkenau, bei der Präsident Herzog eine Ansprache halten wird, ist für 15:30 Uhr angesetzt. Neben Herzog werden auch Präsident Duda und Holocaust-Überlebende das Wort ergreifen.
Unter den Teilnehmern befinden sich außerdem Aliza Wittis-Shomron, die im Warschauer Ghetto gekämpft hat, sowie Merrill Eisenhower Atwater, Urenkel von General Dwight D. Eisenhower. Atwater wird gemeinsam mit Überlebenden gehen, die vor 80 Jahren von den alliierten Streitkräften befreit wurden. Zu ihnen zählt auch Rabbiner Israel Meir Lau, ehemaliger Oberrabbiner Israels und Vorsitzender von Yad Vashem, der als Kind das Konzentrationslager Buchenwald überlebte.
Angesichts jüngster antisemitischer Demonstrationen in Warschau haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen für die Veranstaltung verstärkt. Die Organisatoren betonen jedoch, dass es wichtiger denn je sei, das Gedenken an die Opfer wachzuhalten und ein Zeichen der Einheit zu setzen.
Die Zeremonie wird per Livestream übertragen.




