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Exklusiv: Jerusalem-Experte über den Konflikt um den Tempelberg

„Ich würde gerne glauben, dass der dritte Tempel in der Endzeit mit dem Kommen des Messias gebaut wird“.

Konflikt um den Tempelberg
Foto: pixabay

Der bekannte Jerusalem-Experte Dr. Samuel Berkowitz hat Israel Heute-Chefredakteur Aviel Schneider daran erinnert, dass renommierte Wissenschaftler der Harvard-Universität vor 40 Jahren ein mögliches Szenario für einen dritten Weltkrieg entworfen haben. Dieser könnte durch einen Konflikt um den Tempelberg ausgelöst werden. „Ich nehme das sehr ernst“, warnt Berkowitz. „Die Muslime sind Experten im Anzetteln von Aufständen.“ Der Experte hat mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben, darunter „Wie schrecklich ist dieser Ort“ (Carta, 2006). Der Titel spielt auf 1. Mose 28:17 an – מה נורא המקום הזה – Mah norah ha-makom ha-seh! Eine andere Übersetzung lautet: „Wie großartig ist dieser Ort.“

 

Israel Heute: Ist Jerusalem als Israels Hauptstadt eigentlich vereint?

Berkowitz: Nein. Technisch gesehen mag es vereint sein, aber in der Praxis ist es das nicht. Das israelische Recht gilt auf beiden Seiten der Stadt, aber im täglichen Leben sind die Dinge nicht gleich. Auf der östlichen arabischen Seite der Stadt gibt es deutliche Anzeichen für eine Vernachlässigung, die sich auf die Infrastruktur, das Bildungswesen, die Wohlfahrt und die sozialen Dienste auswirkt.

 

Nehmen wir einmal an, Israel hätte in den vergangenen 50 Jahren anders gehandelt und diese Vernachlässigung wäre nicht eingetreten. Wären die Araber damit zufrieden gewesen?

Nein, es ist unmöglich, die nationalistische arabische Bewegung mit Geld zu erkaufen. Und doch ist die Gewalt in Jerusalem gedämpfter, weil die Araber hier etwas zu verlieren haben. Sie erhalten, wie alle Bürger Jerusalems, finanzielle Unterstützung vom Staat. Daher sind die Araber in Jerusalem vorsichtiger als ihre Brüder in anderen Gebieten. Aber sie haben das gleiche Ziel und streben einen palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt an.

 

Bleiben wir realistisch. Keine israelische Regierung wird je die Klagemauer aufgeben, und die islamische Welt wird niemals zulassen, dass ein palästinensischer Führer die Moscheen auf dem Tempelberg um des Friedens willen aufgibt.

Es ist möglich, dass wir hier ein Problem haben, das wir nicht lösen können. Was wir aber wissen, ist, dass dieser Konflikt um den Tempelberg auf beiden Seiten Tausende Opfer fordern wird. Und wir wollen nicht ewig mit einem Schwert in der Hand leben. Deshalb müssen wir die Araber ein für alle Mal auf die Probe stellen, um zu sehen, ob sie wirklich mit uns in Frieden leben wollen. Wir müssen heute umsichtig mit unserer Sicherheit umgehen und dürfen nicht alles über die Rechte unserer Vorfahren stellen. Was nützen uns diese Rechte, wenn wir keine Sicherheit haben? Wenn wir eine Vereinbarung treffen und die Araber sie nicht einhalten, kann Israel den palästinensischen Staat jederzeit zurückerobern. Mir ist klar, dass das nicht einfach ist. Wir haben keinen echten Partner für den Frieden. Aber man verhandelt doch mit seinen Feinden über den Frieden, nicht mit seinen Freunden, oder? Besteht eine echte Chance auf Frieden? Nein. Aber sollten wir es trotzdem versuchen? Ja!

 

Aber auch hier ist Jerusalem ein Knackpunkt. Wir müssen zunächst theoretisch eine Lösung für diese Stadt finden. Doch wie können wir das, wenn die Palästinenser die jüdische und biblische Geschichte leugnen und verfälschen, damit sie in ihre Agenda passt?

Das ist ein Problem. Jerusalem wird im Koran nicht ein einziges Mal erwähnt. Alle europäischen Nahostexperten wissen, dass Mohammed nie in Jerusalem war. Die gesamte Grundlage dafür, dass die Palästinenser den Tempelberg als heilig ansehen, basiert auf einer kleinen Geschichte, die selbst die Muslime ursprünglich für einen Mythos hielten. Nach dieser Geschichte soll Allah Mohammed auf einem fliegenden Pferd von Mekka zu einem Ort namens Al-Aqsa gebracht haben. Allerdings wurde der Koran im Jahr 652 geschrieben, Mohammad war zuvor im Jahr 632 gestorben. Das, was heute als Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem bezeichnet wird, entstand erst 55 Jahre später. Wir haben es hier mit reinen Glaubensfragen zu tun. Ich dagegen kann historisch und archäologisch beweisen, dass der jüdische Tempel in Jerusalem stand. Ich kann ihren Glauben akzeptieren, und meinetwegen sollten die Muslime weiterhin dort beten, aber den Juden muss es auch erlaubt sein, auf den Tempelberg zu gehen und zu beten.

 

Haben Sie konkrete Beispiele für diesen Beweis?

Bis weit ins 11. Jahrhundert hinein nannten die Muslime Jerusalem die „Stadt des Tempels“. In den Jahren 1924 und 1929 veröffentlichte der Oberste Rat der Muslime im Nahen Osten einen Tourismus- und Reiseführer für die heiligen Stätten der Region. Darin heißt es schwarz auf weiß, dass an der Stelle der beiden Moscheen einst der Tempel Salomos stand. Der palästinensische Historiker Aref el-Aref, ein Mitarbeiter des Jerusalemer Muftis Mohammed Amin al Husseini, schrieb: „Die Klagemauer ist die Tempelmauer, die König Herodes errichten ließ. Die Juden beten an dieser Mauer, und an Tisha B’Av weinen sie wegen der Zerstörung des Tempels. Haram el Sharif liegt auf dem Berg Moria, der in der Bibel im 1. Buch Mose erwähnt wird; David kaufte diesen Berg für den Bau eines Tempels, der von König Salomo im Jahr 1007 [v.Chr.] errichtet wurde.“

Auch im Neuen Testament wird der Tempel in Jerusalem ausführlich beschrieben.

 

Dr. Samuel Berkowitz im Gespräch mit Aviel Schneider

Die Palästinenser bezeichnen sich selbst als Nachkommen der Kanaaniter, Philister und Jebusiter. Sie scheinen zu verstehen, dass sie mit einem der biblischen Völker, die vor Israel hier waren, verbunden sein müssen, um einen echten Anspruch auf das Land zu haben.

Zuallererst müssen die Palästinenser entscheiden, wessen Nachkommen sie sein wollen. Jeder vernünftige Mensch, der etwas von der Geschichte versteht, weiß, dass dies absoluter Unsinn ist. Die Muslime behaupten, Abraham sei ihr Vorfahre gewesen. Wie kann das historisch wahr sein, wenn der Islam erst Jahrhunderte später, im 7. Jahrhundert, durch Mohammad entstanden ist? Wo waren all die Muslime in der Zeit zwischen Abraham und Mohammad?

Meine Studenten an der Hebräischen Universität hören von mir immer wieder, dass die Palästinenser ein neues Volk sind. Vor dem 20. Jahrhundert gab es kein palästinensisches Volk! Genauso wie es vor 2.000 Jahren keine Muslime gab. Eine palästinensische Studentin sagte mir einmal, dass sie die Nachfahren der Jebusiter seien. Ich bat sie, einen Aufsatz mit historischen Fakten und Beweisen für ihre Behauptung zu schreiben. Das ist ihr nicht gelungen. Ich respektiere die Muslime, und ich will weder ihre Moscheen abreißen noch einen Tempel in Jerusalem bauen. Ich verlange lediglich, dass sie unsere jüdische Geschichte und den Tempel in Jerusalem respektieren. Ich bin nicht wirklich für den Bau eines dritten Tempels. Ich würde gerne glauben, dass dies in der Endzeit mit dem Kommen des Messias geschehen wird.

 

Welche Rolle spielt die christliche Welt in dem Konflikt um den Tempelberg?

Unter israelischer Herrschaft genießt die christliche Welt in Jerusalem Religionsfreiheit wie nie zuvor. Unter den Osmanen und den Jordaniern war das ganz anders. Aber es gibt zwei beunruhigende Aspekte. Das erste ist die klassische christliche Theologie, die uns Juden vorwirft, Jesus getötet zu haben, was zu Antisemitismus führt. Aus dieser Sichtweise heraus ist das jüdische Volk ein verfluchtes Volk, das nicht existieren darf. Die Kirche sieht sich selbst als das neue Israel. Sie sind das geistige Israel, und wir sind das fleischliche Israel. Diese Christen haben ein grundlegendes Problem mit der Rückkehr der Juden nach Eretz Israel (dem Land Israel) und der Gründung unseres Staates. Das zweite Problem besteht darin, dass viele Kirchenleiter sich um die Mitchristen in den palästinensischen Gebieten und in den arabischen Ländern des Nahen Ostens sorgen. Während der Intifada sagten palästinensische Muslime ihren christlichen Brüdern und Schwestern, dass nach dem Schabbat (Sabbat) der Sonntag kommt – wenn wir mit den Juden fertig sind, werden die Christen an der Reihe sein. Ich weiß von zahllosen Angriffen palästinensischer Muslime auf Christen, die sich weigerten, an palästinensischen Aufständen gegen Israel teilzunehmen. Die christlichen Leiter weltweit sind um die Sicherheit der Christen in der arabischen Welt besorgt und werden sich daher nicht auf die Seite Israels stellen.

 

Würde es diesen Konflikt ohne Jerusalem als Katalysator überhaupt geben?

Ja, natürlich. Unser Konflikt um den Tempelberg mit den Palästinensern hat mit dem gesamten Land Israel zu tun, nicht nur mit Jerusalem. Jerusalem ist wegen der Unantastbarkeit des Tempels zum Brennpunkt geworden. Zwischen uns und den Palästinensern tobt ein nationaler und religiöser Konflikt darüber, wer über dieses Land herrschen darf.

 

Es gibt also keine Chance auf eine Lösung?

Das mag sein, aber ich möchte trotzdem weiter an die Möglichkeit des Friedens glauben.

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Patrick Callahan

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