Für Israelhasser ist die neue Regierung unter Benjamin Netanjahu wie eine neue Bestätigung für ihren Verdacht. Schon seit jeher wird Israel im Ausland vorgeworfen, ein faschistisches Land zu sein, aber mit den jüngsten Äußerungen seiner Koalitionspartner wird nur noch mehr Öl ins Feuer gegen Israel gegossen.
Israel zu hassen, dafür gibt es genügend Gründe – und das hat nichts mit der Rückkehr von Benjamin Netanjahu an die Macht zu tun. Die jüdische Siedlungspolitik in den so genannten besetzten Gebieten, die Trennungsmauer, die israelische Besatzungsmacht, Diskriminierung der Palästinenser und vieles mehr haben bisher ausreichend Hass geschürt.
Als nun seine religiösen Koalitionspartner Simcha Rothmann und Orit Strock vorschlugen, dass das israelische Recht aufgrund jüdischer Gefühle geändert werden darf, sah sich der designierte Premierminister Benjamin Netanjahu gezwungen, öffentlich das Feuer zu löschen. „Nein ich werde so etwas nicht zulassen“, unterstrich Netanjahu.
Zum Hintergrund: Rothmann ist Rechtsexperte und hat erklärt, dass ein Hotel nicht gezwungen werden dürfe, Gäste mit unterschiedlichen sexuellen Orientierung zu beherbergen. Diese Ansicht rief natürlich Empörung hervor, woraufhin er reagierte: „Das ist Berufsfreiheit, und eine Person darf gegenüber seinem Kunden unhöflich sein, egal ob er ihn verbannt oder nicht. Das ist die Bedeutung von Freiheit“.
Nach seiner Logik kann auch einem Hotelbesitzer, der Siedler hasst, erlaubt sein, Siedler nicht in seinem Hotel übernachten zu lassen. In diesem Fall kann sich jeder eine Rasse aussuchen, die er nicht beherbergen möchte. Es könnte so weit kommen, dass arabische Hotels in Jerusalem, Jaffo und Galiläa ein Schild an die Tür ihres Hotels hängen: „Juden nicht willkommen“. Könnte solch ein Rassismus gesetzlich geschützt werden? Der Punkt ist, gemäß Bibel ist Homosexualität strikt verboten, daher sieht der religiöse Rechtsanwalt hierin kein Problem, denn Gottes Gebote stehen über menschlichen Geboten. Du sollst bei keinem Mann liegen, wie man bei einer Frau liegt, denn das ist ein Greuel. (3. Mose 18,22)
Jude, Siedler und Araber stellen biblisch gesehen als solche kein Verbot dar.
In derselben Denkweise machte auch seine Parteikollegin Orit Strock dramatische Schlagzeilen im Land, als sie vorschlug, dass ein religiöser jüdischer Arzt sich weigern dürfen sollte, einen Nichtjuden am heiligen Schabbat zu behandeln. Eine Behandlung verstoße laut Strock gegen die religiöse Überzeugung eines religiösen Arztes. Demnach könne sich aber auch ein arabischer Arzt die Freiheit nehmen, Zionisten nicht zu behandeln, nur weil diese das Land „seiner Vorväter erobert haben“. Heute sind knapp 50 Prozent der Ärzte in den israelischen Krankenhäusern Araber. Was passiert, wenn jeder die freie Wahl, nur die zu behandeln, die ihm gefallen?
Strock fundiert ihre Idee auf biblische Grundsätze, nach denen jüdische Ärzte am Schabbat Heiden nicht behandeln dürfen, Juden dagegen schon. In dritte Mose 18,5 heißt es: „Und ihr sollt meine Satzungen und meine Rechte halten, weil der Mensch, der sie tut, dadurch leben wird. Ich bin der HERR!“ Diese Gebote und Rechte hat Gott dem Volk Israel vorgeschrieben, daher gilt aus orthodoxer Sicht „dadurch leben wird“ für jüdische Seelen und nicht für heidnischen Seelen.
Wenn das nicht einmal Sinn für die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung im Land macht, wie können wir dann erwarten, dass Menschen im Ausland solche Meinungen verstehen?
Aber der Knackpunkt in der neuen Situation mit der bevorstehenden Regierungskoalition ist der von Benjamin Netanjahu ausgewählte Knessetsprecher Amir Ohana (46). Er wird der erste homosexuelle Knessetsprecher im israelischen Parlament sein und muss mit seinen orthodoxen Verbündeten in der Koalition zurechtkommen. Wie, werden wir sehen. Bis jetzt hat keiner der religiösen Koalitionspartner irgendwelche Kritik gegen Ohana ausgesprochen, der mit seinem Ehepartner Alon zusammenlebt. Gemeinsam haben sie einen Sohn und eine Tochter.

Auch Ohana hat bisher keinen Ton gegenüber seinen frommen Kollegen eingeworfen, die tüchtig den israelischen Liberalismus kritisieren, den Ohana mehr als alle anderen in der rechtsreligiösen bis ultraorthodoxen Koalition repräsentiert. Auch nicht, als die geheime Liste von LGBTQ-Mitgliedern in Israels Medien veröffentlicht wurde, die der religiöse Parteichef Avi Maoz zusammensetzte. Nun wird er in der Knesset unter einem Homosexuellen dienen müssen. Benjamin Netanjahu weiß Amir Ohana mehr als andere zu schätzen und deswegen setzte er ihn in das Amt ein.
Die neue Regierungskoalition, die morgen eingeweiht werden soll, wird eine gesellschaftliche und geistliche Herausforderung für die Knesset und das Volk in Zion sein. Biblische und liberale Werte werden in der bevorstehenden Knesset und in etlichen Bereichen im Volk mehr als üblich zusammenprallen. Die Israelhasser werden nun einen Grund mehr haben, Israel zu hassen. Das ist alles. Zurechtkommen mit der neuen Situation müssen wir und das wird nicht leicht sein.





Wer Israel HASST sollte sich bewusst sein, dass der-die-jenige sich mit dem Allmächtigen höchst persönlich anlegt