Winteranfang in Jerusalem

Unsere Praktikantin Eliane schreibt über ihre persönlichen Eindrücke vom Jerusalemer „Winterwetter” und dem ersten Weihnachtsbaum in der Stadt.

Winteranfang in Jerusalem
Eliane Müller

Nun wird es auch in Jerusalem langsam kälter. Wir haben hier „nur noch“ höchstens 20°C. Der Winter hat begonnen.

Wer sich jetzt, wie mein Bruder Karl, beschweren will, dass ich hier auf hohem Niveau jammere und dass unsere Temperaturen hier im Gegensatz zu den deutschen Luxus sind, liegt nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig, und sollte jetzt aufpassen.

Das ist nämlich nicht wirklich zu vergleichen. Nachts kühlt es hier auch sehr ab und die israelischen Gebäude, vor allem die alten, sind überhaupt nicht für kaltes Wetter ausgelegt. Mein lieber Karl, ich freue mich schon wieder auf unser warmes Zuhause. In unserem isolierten Haus mit nicht nur Zentral-, sondern auch Fußbodenheizung in einigen Zimmern. An so etwas ist hier in Israel gar nicht zu denken. Hier haben höchstens ein paar modernere Häuser eine Zentralheizung und das war’s.

Hier gibt es überall kalten Steinfußboden, kaum Isolierung, und die Fenster sind undicht. So undicht, dass wenn ich in meinem Zimmer saß, mit geschlossenen Fenstern saß, mein Freund dachte, ich stünde direkt an der Straße. Zum Glück wurde vor meine Fenster noch eine zweite Schicht Schiebefenster angebaut. Doch so gut geht es nicht allen hier. Eine Kollegin erzählte mir letztens, dass sich die Vorhänge vor ihren geschlossenen Fenstern durch den Zug richtig bewegen.

Das Problem und der große Unterschied ist also, dass es in Deutschland zwar draußen kalt ist, dafür ist es aber drinnen warm. Hier in Israel ist es meistens draußen und drinnen kalt und man wird mitunter gar nicht mehr richtig warm.

Ich hatte bis diese Woche keine Heizmöglichkeit. Ich war sehr froh, als am Sonntag die Eltern des Mädchens, dem das Zimmer eigentlich gehört, vorbeikamen und mir netterweise einen Heizkörper vorbeibrachten. So lässt es sich dann doch etwas besser aushalten.

Auf meinem Arbeitsweg ist mir neben dem kalten Wind letztens noch etwas anderes aufgefallen: ein großer Weihnachtsbaum vor dem YMCA-Gebäude. Ich konnte jeden Tag sehen, die dieser geschmückte und beleuchtete Baum Hintergrund so vieler Bilder von Touristen wurde. Selbst in Jerusalem kommt man also erstaunlicherweise nicht um Weihnachten herum.

Zugegeben, mit Deutschland ist das nicht zu vergleichen, und dieser Weihnachtsbaum fällt schon auf. Als etwas anderes. Weihnachten ist noch lange nicht so präsent hier in Israel. So fragte mich letztens sogar eine Frau aus meiner Gemeinde: „Weihnachten wird in Deutschland richtig groß gefeiert, oder? Ich habe gehört, dort gibt es sogar diesen extra Kalender dafür.“

Noch etwas sehr Interessantes ist im Moment auf den Straßen zu beobachten. Es herrscht nämlich totale Uneinigkeit über das Wetter und vor allem die Temperaturen. Man sieht zeitgleich Menschen auf der Straße, die in kurzer Hose, T-Shirt und mit Sonnenbrille herumlaufen, und es gibt welche, die wie im tiefsten Winter eingepackt sind — mit Daunenjacke, Schal Mütze, und eventuell sogar Handschuhen.

Jerusalem

Es wird kühler

Ich selbst musste immerhin meine Softshelljacke wieder herausholen, die bisher in Israel noch gar nicht zum Einsatz kam, und gerade bei dem Wind ist manchmal eine Mütze gar nicht schlecht, habe ich festgestellt. Natürlich fällt der Winter hier in Israel allerdings vergleichsweise schon mild und kurz aus, ich lerne aber wieder neu zu schätzen, wie schön warm und kuschelig es doch zu Hause in Deutschland ist.

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