Werden auf Facebook jüdische Kinder missioniert?

Der messianische Dienst in Israel, der hinter den Anzeigen auf Facebook steckt, beteuert gegenüber Israel Heute, man verbreite nichts Illegales.

Werden auf Facebook jüdische Kinder missioniert?
Sophie Gordon / Flash 90

Gegen Facebook ist Klage eingereicht worden, der Streitwert: 250 Millionen Schekel (ca. 63 Mio. Euro). Es geht darum, dass Facebook es messianischen Organisationen erlaube, jüdische Kinder ins Visier zu nehmen, um sie zum Christentum zu konvertieren.

Guy Ofir, der Rechtsanwalt, der die Sammelklage eingereicht hat, gibt zu, dass es Jahre dauern könne, bevor dieser Fall in den Gerichten geklärt werden würde – sollte die Klage zugelassen werden. Gegenüber dem israelischen Nachrichtensender Channel 12 monierte er, dass messianische Organisationen Facebook ausnutzen würden, um jüdische Minderjährige zu bekehren. „Facebook erlaubt es den Messianischen, ihre Zielgruppe anhand von Alter, Geschlecht und anderen persönlichen Informationen, die die Benutzer dieser Platform dort posten, zu erreichen“, so Ofir.

Facebook selbst postet folgende Notiz an alle, die die messianische Werbung erhalten und wissen wollen, warum sie bei ihnen angezeigt wird: „Sie bekommen diese Werbung angezeigt, weil „Yeshua“ (der Name der messianischen Webseite) Menschen erreichen will, die 13 Jahre und älter sind und in Israel leben. Diese Information wird aus Ihrem Facebook Profil und den Orten, von denen Sie sich ins Internet eingewählt haben, abgeleitet.“

Ofir beanstandet, dass „Facebook es Missionaren erlaubt, Kinder zu erreichen, die dazu neigen, eine mystische Weltanschauung zu haben“. Die messianischen Juden könnten nun „die Eltern übergehen und Kinder an deren privatesten Rückzugsorten erreichen, wie in ihren Zimmern, wo die Eltern nicht anwesend sind. Jeder kann durch Facebook, Instagram oder Snapchat in ihre Welt eindringen und um des finanziellen Gewinns wegen ihnen einen Floh ins Ohr setzen. Diese Systeme wissen darüber hinaus, wann unsere Kinder am sensibelsten sind, wann sie wütend oder besonders verletzlich sind und offener (für eine Bekehrung zum Christentum)“, klagt Ofir.

Die Sammelklage macht geltend, dass die messianischen „Missionare“ in trügerischer Absicht handeln. „Die Werbung der Organisation ist in solcher Art gestaltet, dass christliche Symbole völlig vermieden werden. Ein orthodoxes jüdisches Kind kann eine Werbung sehen und denken, dass es sich hier um jüdisches religiöses Material handelt, mit dem es bereits vertraut ist. Wir alle erziehen unsere Kinder gemäß unserer Weltansicht und vermitteln ihnen unsere Werte. Doch diejenigen, die in den privatesten Momenten bei ihnen sind, sind nicht die Eltern, sondern Facebook, Instagram und Snapchat“, so der Anwalt.

Eitan Barr, der Vorsitzende von „One for Israel“, eines messianischen Dienstes im Land, der evangelistische Werbung auf Facebook schaltet, gibt zu, dass man auch die sozialen Netzwerke nutzt, um die israelische Jugend mit dem Evangelium zu erreichen. Gegenüber Israel Heute betonte er jedoch: „Die Inhalte, die wir auf Facebook bewerben, werden niemals für Jugendliche illegal sein“.

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