Weißsein: Ein Segen im Verborgenen

Die fortschrittliche Besessenheit vom “Weißsein” gibt Juden die Möglichkeit, ihre einzigartige nicht-weiße ethnische Identität zu bekräftigen

Weißsein: Ein Segen im Verborgenen
David Cohen/Flash90

Die relativ neuen pseudoakademischen Studien über das Weißsein führen in den USA zu Chaos. Dort werden die Weißen, wer auch immer sie sind, als jene Menschen wahrgenommen, die für jede denkbare soziale Ungerechtigkeit verantwortlich sind. Und als solche ist sie quasi zu einer rassischen Ungerechtigkeit geworden.

Das Weißsein ist in Amerika mittlerweile so anstößig geworden, dass die koloniale Firma Coca-Cola mit Seminaren aufwartet, in denen sie ihren Mitarbeitern nahelegt, “weniger weiß zu sein“.

Ich möchte Ihnen hier ein Beispiel dafür geben, wie weit diese rassische Degradierung geht. Aktivisten für Rassengerechtigkeit sprechen von einem “weißen Veganismus“, der eine bestimmte Art von strenger veganer Ernährung auf der ganzen Welt vorschreibe. Weißer Veganismus übertragen auf Gesetze und Vorschriften, sagen nicht-weiße Veganer, verlagere nur die weiße “unethische Nahrungsmittelproduktion von Fleisch auf Pflanzen.” Darüber hinaus erzwinge der weiße Veganismus, der auch hinter der Umweltrechtsagenda stehe, einen “kulturellen Kolonialismus” gegenüber indigenen Völkern wie den Inuit, deren Überleben als eigenständige Gemeinschaft vom Verzehr von Robben abhängt, die nun gesetzlich geschützt sind. Strenge vegane Ernährung sei daher nur ein weiterer Aspekt des Weißseins, der die Vorherrschaft der Weißen schütze.

Veganismus ist auch ein gutes Beispiel, um einen der Ableger der Whiteness-Studies (Weißsein-Studien) zu zeigen, die “Intersektionalität”. Diese verstärke die Identität von Menschen, die zwischen die Kategorien Schwarz/Weiß fallen.

Intersektionalität bricht die Rassen-Identität auf Untergruppen wie schwarze vegane Frauen oder bräunliche Schwarze oder homosexuelle Latinos herunter, die ihren eigenen Anteil an rassischer Gerechtigkeit verdienen, was schließlich zur Schaffung von Nationen innerhalb einer Nation führen könnte. Dieser Gedanke ist bereits in der Vorstellung der amerikanischen indianischen Nationen oder der amerikanischen schwarzen Muslime, die nach der Nation des Islam streben, enthalten.

Wenn man das Selbstverständnis der rassischen Untergruppen anerkennt, müssen bestimmte Überlegungen folgen, die es ihnen ermöglichen würden, ihren gerechten Anteil an der Macht zu bekommen. Mit der Annahme, dass das gegenwärtige System der Stimmenauszählung eingerichtet wurde, um die weiße Vorherrschaft zu sichern, schlagen nicht-weiße Amerikaner nun vor, eine kumulative Stimmabgabe einzuführen oder eine kollektive Stimme für einen Kandidaten, als eine Möglichkeit, die sicherstellen soll, dass mehr nicht-weiße Kandidaten gewählt werden.

Obwohl Weißsein an und für sich ein durch und durch rassistisches Konzept ist, wirft es dennoch legitime Fragen auf, was man besser als den überwältigenden Einfluss westlicher Kulturen auf nicht-westliche Menschen, Stämme und Nationen bezeichnen sollte. Die “Whiteness”-Studien, die darauf abzielen, das Monopol dessen zu brechen, was als “Westlichkeit” bezeichnet werden sollte, könnten sich als ein verdeckter Segen für Israel erweisen. Israel wird als ein Staat angesehen, der all die Gebrechen verkörpert, die dem “Weißsein” zugeschrieben werden, zu denen Kolonialismus, Rassismus, Privilegien und so weiter gehören.

Dass Juden ethnisch nicht-weiß sind, macht keinen Unterschied, weil kritische Rassentheoretiker wie Richard Delgado uns glauben machen wollen, dass “Rassen Produkte des sozialen Denkens und der sozialen Beziehungen sind … sie entsprechen keiner biologischen oder genetischen Realität; vielmehr sind Rassen Kategorien, die die Gesellschaft erfindet.” Wenn das der Fall wäre, warum gibt es dann überhaupt Schwarze und Weiße, und warum gibt es nur Bücher darüber, wer die weiße Rasse erfunden hat, und keine Bücher darüber, wer die schwarzen, braunen oder nichtweißen Rassen erfunden hat?

Mein Artikel soll keine Kritik an der kritischen Rassentheorie (critical race theory) werden, daher genügt es zu sagen, dass Rasse, genau wie das von der Biologie losgelöste Geschlecht, eine künstliche Kategorie ist. Sie dient einer Ideologie, die für ihre eigenen Ziele die Möglichkeit zulässt, dass jeder weiß werden kann, auch Juden. Um diese Kategorie schmackhafter zu machen, kann man sagen, dass weiß werden bedeutet, verwestlicht zu werden.

Die gegenwärtige Diffamierung des Weißseins bietet Israel daher eine Chance, die man klugerweise ergreifen sollte. So gestört die kritische Rassentheorie auch ist, sie gibt Juden, die sie brauchen, die moralische Rechtfertigung, ihre einzigartige Identität als Nicht-Weiße wiederherzustellen. Juden sind von der weißen Rasse viel länger und viel härter als jede andere Rasse, Afroamerikaner eingeschlossen, zum Opfer gemacht worden. Als Nicht-Weiße können Juden nun ohne Skrupel behaupten, dass sie die Ureinwohner des Landes sind, die von den weißen Kolonialisten, zu denen auch die Araber gehören, aus diesem Land vertrieben wurden, und die deshalb weiß sind, weil sie das Land der Juden kolonisiert haben.

Whiteness Studies können all jenen Juden, die seit mehr als einem Jahrhundert weiß wie eine Schneeflocke geworden sind, helfen, stolz auf ihre einzigartige Rasse zu sein, die ihre eigene Religion, Geschichte, Sprache und Kultur hat. Eine Rasse, die nun von den kritischen Rassentheoretikern selbst als Nation definiert wird.

Obwohl dies natürlich ein krummer Weg ist, sich von seinem weißen Erbe zu lösen und dem treu zu werden, was Israel wirklich ist, können Juden immer noch an dem Prinzip festhalten, das besagt, dass eine Mitzwa, die durch die Begehung einer Übertretung ausgeführt wird, immer noch eine Mitzwa ist, die zu einer anderen Mitzwa führen wird.

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