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Warum ein freier Iran möglicherweise nicht im Interesse aller liegt

Dank seiner riesigen Energieressourcen und seiner strategisch günstigen geografischen Lage könnte er sich zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht entwickeln.

Iran
Junge Iranerinnen gehen in Teheran an einem großflächigen staatlichen Propagandaplakat mit der Aufschrift „Iran ist unsere Heimat“ vorbei. Januar 2026. Foto: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

(JNS) Da die Verhandlungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten offenbar erneut ins Stocken geraten sind und Teile des Iran wieder Ziel von US-Luftangriffen geworden sind, rufen westliche Regierungen und Länder im gesamten Nahen Osten zu Deeskalation und Diplomatie auf. Die eigentliche Frage ist jedoch nicht, ob die Kämpfe beendet werden sollten, sondern ob der Westen wirklich bereit ist für einen starken, modernen und unabhängigen Iran.

Ein starker, moderner und unabhängiger Iran würde das geopolitische Gleichgewicht im Nahen Osten grundlegend verändern – nicht nur für den Westen, sondern auch für viele Länder in der Region. Was oft übersehen wird, ist, dass das iranische Volk nicht nur gegen das derzeitige Regime kämpft, sondern auch gegen die radikalislamistische Ideologie, für die dieses seit mehr als vier Jahrzehnten steht. Aus diesem Grund würde ein freier Iran weit mehr bedeuten als nur einen einfachen Machtwechsel; er könnte auch das Ende eines der einflussreichsten islamistischen Regime im Nahen Osten markieren.

Die Geschichte zeigt, dass ausländische Mächte oft besser an einem abhängigen und unterentwickelten Iran interessiert waren. Während der Regierungszeit von Mohammad Reza Pahlavi driften die iranischen und die westlichen Interessen zunehmend auseinander. Der Schah strebte danach, den Iran wirtschaftlich unabhängiger zu machen und seinen Einfluss auf die internationalen Ölpreise auszuweiten. Ein zunehmend moderner und selbstständiger Iran geriet in wachsenden Konflikt mit den geopolitischen Interessen mehrerer westlicher Mächte.

Die Vorstellung, dass ausländische Regierungen versucht haben, die politische Zukunft des Iran zu gestalten, ist daher keineswegs neu.

Nach Angaben des verstorbenen iranisch-amerikanischen Politologen Manook Khodabakhshian (1945–2019) riet die britische Iran-Expertin Ann Lambton (1912–2008) Winston Churchill dazu, die Errichtung einer schiitischen religiösen Regierung im Iran anstelle einer nationalistischen zu unterstützen. Ob diese Behauptung einer historischen Überprüfung standhält, bleibt umstritten. Dennoch verdeutlicht sie, in welchem Maße insbesondere das britische Engagement nach Ansicht einiger Beobachter die politische Entwicklung des Iran beeinflusst haben soll.

Ein freier Iran könnte sich dank seiner riesigen Energieressourcen und seiner strategisch günstigen geografischen Lage zu einer bedeutenden Wirtschaftsmacht entwickeln. Darüber hinaus könnte ein demokratischer Iran, wie Kronprinz Reza Pahlavi wiederholt argumentiert hat, die Beziehungen zum Staat Israel normalisieren. Ein solcher Kurs würde nicht nur das geopolitische Gleichgewicht im Nahen Osten, sondern auch dessen ideologische Landschaft grundlegend verändern. Es stellt sich daher die Frage, ob wirklich jeder regionale Akteur von einem solchen Iran profitieren würde.

Die Forderung des iranischen Volkes nach Freiheit kann nicht länger ignoriert werden. Die Frage ist nicht mehr, ob ein Wandel bevorsteht, sondern ob diejenigen, die jahrzehntelang von der bestehenden geopolitischen Ordnung profitiert haben, bereit sind, die Konsequenzen dieses Wandels zu akzeptieren.

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Patrick Callahan

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