Und wieder Raketenalarm

Raketen aus dem Gazastreifen nach Netanjahus Erklärung, das Jordan-Tal unter israelische Souveränität stellen zu wollen. Danach gab es als Reaktion israelische Angriffe auf Terrorziele. Das war es dann auch schon wieder.

 

Wieder einmal wurde gestern Abend zur Hauptsendezeit die Warnmeldung bezüglich eines Raketenangriffs auf dem Bildschirm eingeblendet, so wie wir es schon aus der Zeit des Gazakrieges im Sommer 2014 gewohnt sind.  Während das normale Fernsehprogramm lief, blinkte plötzlich oben links die Meldung von Raketenalarm in Ashkelon. Im selben Moment begann dann auch mein Handy wieder auf dem Tisch zu tanzen. Etliche Meldungen warnten vor Raketenalarmen in Ashkelon und Ashdod.

Raketenalarm

Einblendung ins laufende Programm

„Wieder mal Raketen aus dem Gazastreifen“, sagte ich zu meiner Frau, ohne weiter überrascht zu sein. Wir wissen ja, was danach kommt. Das ist jedenfalls, was mir in dem Moment durch den Kopf ging. Eigentlich ist es erschreckend, dass man sich an diese Situation, wo Raketen auf das eigene Land geschossen werden, nur gerade mal 40 Kilometer von der eigenen Wohnung entfernt. In Deutschland würde das sicher eine Panik auslösen, oder?

Als im Süden die Sirenen zu heulen begannen, befand sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gerade auf einer Veranstaltung seiner Likud-Partei in Ashdod. Der Alarm unterbrach seine Rede, Sicherheitsleute stiegen auf die Bühne und begleiteten Netanjahu in den Sicherheitsraum, wie es sich bei Raketenalarmen eben gehört. Kurze Zeit später kehrte er und lauten Applaus seiner Anhänger auf die Bühne zurück.

Ein paar Stunden zuvor hatte er in einer zuvor als „dramatisch“ angekündigten Erklärung bekannt gegeben, dass er im Falle einer Wiederwahl, das Jordan-Tal unter israelischer Souveränität stellen werde. Ursprünglich wollte er dies schon jetzt, noch vor den Wahlen, durchführen, doch Generalstaatsanwalt Mandelblit erinnerte ihn daran, dass es sich bei der momentanen Regierung nur um eine provisorische Regierung handele, die wichtige Entscheidungen wie diese nicht machen könne. Daher musste sich Netanjahu mit der Ankündigung begnügen, diesen Schritt nach seiner Wiederwahl zu unternehmen.

Netanjahu

Netanjahu während seiner Erklärung

Seine Kritiker bezeichneten die „dramatische Erklärung“ Netanjahus als pure Wahlkampfwerbung, nachdem Netanjahu bei seinem Versuch, ein Gesetz durchzusetzen, dass das Aufstellen von Überwachungskameras in den Wahllokalen ermöglicht, gescheitert war. Bei Blau-Weiß versuchte man auch, sich über Netanjahu lustig zu machen, nachdem dieser während des Raketenalarms von der Bohne in den Sicherheitsraum geführt wurde, wie es die Vorschriften des Zivilschutzes nun mal vorschreiben. „Während Netanjahu in irgendeinen Bunker gebracht wurde, setzte bei uns Gabi Ashkenazi seine Rede in Ashkelon ungestört fort“, sagte Benny Ganz in einer Rede während einer Wahlveranstaltung seiner Partei im Norden in Bezug auf den Auftritt seines Parteikollegen Gabi Ashenazi, der bei einer Veranstaltung in Ashkelon seine Rede auch während der Sirene fortführte.

Sicher, das Video (siehe oben), wo der israelische Ministerpräsident wegen der Raketen aus dem Gazastreifen von der Bühne gebracht wird, mag etwas „peinlich“ oder unangenehm erscheinen und für die Hamas in Gaza als Sieg angesehen werden (das Video wurde sogar von der Facebookseite Netanjahus kurz nach der Veröffentlichung wieder gelöscht), aber auch Gabi Ashekanzi wäre vom Rednerpult in den Sicherheitsraum geführt worden, wenn er ein offizielles Amt belegen würde. Aber im Wahlkampf ist eben fast alles erlaubt, da muss man wohl nicht alles so genau nehmen.

Zwei Raketen wurden über dem Himmel von Ashdod vom Iron Dome abgewehrt, insgesamt fünf Raketen sollen vom Gazastreifen aus abgefeuert worden sein. So richtig Angst scheint die Hamas vor Israel nicht mehr zu haben.

In der Nacht kam dann, wie von allen Erwartet, die israelische Reaktion auf den Raketenbeschuss. Die israelische Luftwaffe soll Meldungen zufolge um die 15 Terrorziele im Norden und im Zentrum des Gazatreifens angegriffen haben, darunter auch eine Waffenproduktionsstätte und einen Terrortunnel. Damit scheint diese kleine „Runde“ erstmal wieder beendet zu sein und die ausländischen Medien können endlich wieder über israelische Luftangriffe auf den Gazastreifen berichten.

Und bei uns? Hier geht der Wahlkampf in die letzte Runde, in sechs Tagen wird wieder gewählt. Die Raketen haben wir schon längst wieder vergessen.

 

Raketenabwehr über Ashdod

Kommentare: