Ultraorthodoxe protestieren gegen Militärdienst

Hunderte von Jerusalems ultraorthodoxen Juden protestierten gegen die Verhaftung von drei Frauen, die sich nicht zum Militärdienst gemeldet hatten.

Ultraorthodoxe protestieren gegen Militärdienst
Noam Revkin Fenton/Flash90

Die 18-jährigen Charedi-Mädchen wurden festgenommen, nachdem sie das Rekrutierungsbüro der israelischen Armee nicht darüber informiert hatten, dass sie religiös sind und daher von der Wehrpflicht befreit werden können. Israelische, religiöse oder weltliche Personen, die nicht zum Militärdienst erscheinen, können von der Militärpolizei festgenommen werden. Die drei Mädchen hatten die Behörden jedoch nicht kontaktiert, um die Ausnahme zu beantragen.

 

Als Reaktion darauf setzten sich die orthodoxen Demonstranten mitten auf die Bar Ilan Straße, ein belebter Straßenzug in Jerusalem rund um die Charedi-Viertel, und blockierten den Verkehr, was große Verkehrsbehinderungen verursachte. Die Polizei entfernte die Demonstranten schließlich von der Straße, nachdem schon sieben Personen festgenommen wurden, dabei soll es zu Gewalt gegenüber den Polizeibeamten gekommen sein.

 

Ultraorthodoxe Juden, die sich einem lebenslangen Tora-Studium verschreiben, sind nicht verpflichtet, beim israelischen Militär zu dienen. Obligatorisch werden sowohl Männer als auch Frauen dazu verpflichtet, drei bzw. zwei Jahre zu dienen. Die orthodoxe Gemeinde kann vom Dienst befreit werden, um ihr Leben ganz dem Studium der Tora in einer Jeschiwa oder einem jüdischen Seminar zu widmen. Auch ultraorthodoxe Mädchen sind befreit, müssen jedoch ihren religiösen Status der israelischen Armee vor dem Datum ihrer Einberufung melden. Die Richtlinien für die Befreiung der Ultraorthodoxen vom Militärdienst wurden bereits von Israels erstem Ministerpräsidenten David Ben Gurion aufgestellt, verursachen aber bis heute eine starke Verbitterung zwischen säkularen und orthodoxen Israelis.

 

Israel war nach den jüngsten Wahlen nicht in der Lage, eine Regierung zu bilden, nachdem Avigdor Liberman, Vorsitzender der Partei Israel Beteinu, sich weigerte, der Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beizutreten, da sich die Seiten bei der Auseinandersetzung über Vorschriften und Bedingungen für die Befreiung Ultraorthodoxer vom Militärdienst nicht einig werden konnten.

 

Liberman beschuldigte die Demonstranten, versucht zu haben, einen „Staat innerhalb des Staates Israel“ aufzubauen. Die anhaltende Weigerung der Ultraorthodoxen, im Militär zu dienen, „bedroht das Gefüge der gesamten israelischen Gesellschaft“, sagte Liberman in einer Erklärung. Es waren die sechs Koalitionssitze von Israel Beteinu, die sich als notwendig erwiesen, damit Netanjahu zusammen mit den ultraorthodoxen Parteien eine mehrheitlich rechtsgerichtete Regierung aufbauen konnte. Aber für die Charedi-Parteien waren die Forderungen Libermans ein Grund, nicht zu koalieren. Israel wurde dadurch zu Neuwahlen im September gezwungen.

 

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