Trump über Netanjahu: “Er hat mich verraten!”

Ehemaliger US-Präsident deutet an, dass Israel ohne seine Hilfe bereits zerstört worden sein könnte

von Ryan Jones |
Foto: Flash 90

Wenn, wie ihre Anhänger glauben, sowohl Donald Trump als auch Benjamin Netanjahu zurückkehren, um ihre jeweiligen Länder zu führen, wird es wohl ein wenig unangenehm werden.

Trump und Netanjahu hielten zwischen 2017 und 2020 zusammen wie Pech und Schwefel. Bibi schwärmte wiederholt davon, dass Israel noch nie einen so großartigen Freund im Weißen Haus gehabt habe. Donald witzelte gern, er sei in Israel so beliebt, dass er Premierminister des jüdischen Staates werden könnte!

Am vergangenen Donnerstag hat Israels auflagenstärkste Zeitung Yediot Ahronot nun Auszüge aus einem Interview veröffentlicht, das Trump dem israelischen Journalisten Barak Ravid gegeben hatte. Seine Worte werden sicherlich die Meinung vieler Israelis (zumindest der Mehrheit, die Netanjahu unterstützt) über den ehemaligen Präsidenten trüben.

Die Äußerungen werden in Ravids neuem hebräischsprachigen Buch „Trump’s Peace“ erscheinen, das am Sonntag veröffentlicht werden soll. Ravid ist ein bekannter Journalist in Israel, und sein Buch wird von vielen gelesen werden und in den israelischen Mainstream-Medien noch einige Zeit lang für Diskussionen sorgen. Mit anderen Worten: Fast jeder Israeli wird wissen, was Trump zu ihm gesagt hat.

 

Und was Trump zu sagen hatte, war nicht im Geringsten schmeichelhaft.

“Niemand hat mehr für Bibi getan. Und ich mochte Bibi. Ich mag Bibi immer noch. Er ist der Mann, für den ich mehr getan habe als für jede andere Person, mit der ich zu tun hatte”, sagte Trump, er nannte Netanjahu dabei bei seinem Spitznamen. “Aber ich mag auch Loyalität. Die erste Person, die Biden gratulierte, war Bibi. …Ich war persönlich enttäuscht von ihm. Bibi hätte ruhig bleiben können. Er hat einen schrecklichen Fehler gemacht.”

Trump ficht das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen 2020 nach wie vor an. Doch entgegen seiner Behauptung gratulierte Netanjahu dem amtierenden US-Präsidenten Joe Biden auffallend spät zu seinem Sieg, viele Stunden nach anderen westlichen Staatsoberhäuptern. Es schien, als ob auch er die Hoffnung hegte, dass die späten Ergebnisse den Ausschlag zugunsten von Trump geben würden.

Tatsächlich wurde Bibi in Israel für seine Verspätung heftig kritisiert und ihm wurde vorgeworfen, seine persönliche Vorliebe für Trump über die diplomatische Stellung Israels gegenüber den Vereinigten Staaten zu stellen. Mehr dazu: Hat Israel Trump verraten?

Berichten zufolge wetterte Trump damals gegen den israelischen Staatschef und sagte den Anwesenden, er sei von Netanjahu “verkauft” worden.

Seine Äußerungen gegenüber Ravid waren sogar noch abfälliger.

“[Bibi] hat Biden sehr früh [gratuliert]. Früher als die meisten. Ich habe seitdem nicht mehr mit ihm gesprochen. Er kann mich mal”, so der Ex-Präsident.

Was den gefühlten Verrat in Trumps Augen noch schlimmer macht, ist der Glaube, dass sein Handeln als Präsident Israel möglicherweise vor der drohenden Zerstörung bewahrt hat.

“Ich glaube, Israel wäre jetzt vielleicht schon zerstört worden”, sagte Trump in Bezug auf seine Entscheidung, aus dem Atomabkommen mit dem Iran von 2015, das Israel so vehement ablehnte, auszusteigen.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Israel Today Newsletter

Daily news

FREE to your inbox

Israel Heute Newsletter

Tägliche Nachrichten

KOSTENLOS in Ihrer Inbox