Tempelberg: Hat Netanjahu einen geheimen Deal abgeschlossen?

Oberster Gerichtshof weist Netanjahu an, bis nächste Woche auf Klage zu reagieren

Tempelberg: Hat Netanjahu einen geheimen Deal abgeschlossen?
Olivier Fitoussi/Flash90

Zwischen all den Nachrichten über die neue israelische Regierung und die anhaltende Coronavirus-Pandemie scheint eine wichtige Nachricht schlichtweg untergegangen zu sein: Premierminister Benjamin Netanjahu ist von Rechtsaktivisten beschuldigt worden, still und leise mit Jordanien eine geheime Abmachung bezüglich des Tempelbergs geschlossen zu haben.

Netanjahu und Jordanien, das religiöse Angelegenheiten auf dem Tempelberg beaufsichtigt, hatten zunächst offiziell übereinstimmend beschlossen, sowohl Juden als auch Arabern für die Dauer der Coronavirus-Pandemie den Zutritt zu verbieten. Jeden Freitag drängen Zehntausende arabischer Muslime auf die Vorhöfe und Moscheen des Tempelbergs, was eine sehr reale Ansteckungsgefahr darstellt. In den letzten Wochen wurde den Arabern jedoch aus irgendeinem Grund wieder gestattet, den Tempelberg zu besteigen, während das Zutrittsverbot für Juden aufrechterhalten wurde.

Der Oberste Gerichtshof Israels gab der Regierung Netanjahu am vergangenen Mittwoch bis nächsten Montag Zeit, um auf die Petition zu antworten, in der behauptet wird, dass Juden der Zutritt zum heiligsten Ort des Judentums verwehrt bleibt, weil dies im Rahmen des Abkommens mit den jordanischen muslimischen Behörden so festgelegt worden ist.

Die muslimischen Behörden versuchen derweil, die Situation auszunutzen, um einen neuen Status quo zu schaffen, unter dem Juden dauerhaft vom Tempelberg ausgeschlossen werden.

In einem Interview mit dem Palästinensischen Informationszentrum am 26. März, nur wenige Tage nach dem geheimen Abschluss des Tempelbergvertrags, äußerte sich Scheich Abdul Azim Salhab, der Vorsitzende des Jerusalemer Rates der islamischen Stiftungen, so:Die zeitweilige Einstellung der Gebete in Al-Aqsa sollte vor der Ausbreitung des Coronavirus schützen. Die Schließung verwehrt Gläubigen den Zutritt zur Al-Aqsa Moschee. Und trotzdem wimmelt es dort nur so von Sicherheitsleuten, Angestellten und Torwächtern, die dort in den Gotteshäusern beten. Heute dringen keine Gruppen [jüdischer] Siedler und Extremisten bei uns gewaltsam ein, doch wenn die Besatzung ihre Politik bezüglich der gegenwärtigen Situation in Al-Aqsa ändert, dann werden wir sicherlich auf jeden Vorfall entsprechend reagieren.

 

Religiöse Diskriminierung

Israel klopft sich gern auf die Schulter, weil es die Religionsfreiheit für alle Glaubensrichtungen innerhalb seiner Grenzen bewahrt. Und das ist im Allgemeinen richtig, außer an einem Ort: dem Tempelberg.

Es ist nun mal eine Tatsache, dass der Tempelberg für Juden und bibelgläubige Christen der heiligste Ort der Welt ist, zudem hat das jüdische Volk nach 2000 Jahren wieder die Kontrolle über das Areal übernommen. Trotzdem hat Israel Angst davor, auf der heiligen Hochebene wahre Souveränität auszuüben.

Tantrum-ähnliche Ausbrüche muslimischer Gewalt gegen Juden, die auch nur im Geringsten an diesem Ort ihrer Religiösität Ausdruck verleihen, haben zu einer institutionalisierten religiösen Diskriminierung von Juden (und im weiteren Sinne damit auch von Christen) geführt.