Tacheles mit Aviel – Das Problem mit Barbie im Nahen Osten  

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Die arabische Welt rund um Israel hat ein Problem mit dem neuen Barbie-Film.

von Aviel Schneider | | Themen: Barbie, Kultur
Barbie
Bild: Shutterstock

Gestern war es zunächst der libanesische Kulturminister Mohammad Mortada, der die libanesischen Sicherheitsbehörden anwies, die Vorführung des Barbie-Films im Land zu verhindern. Nach Ansicht des Ministers fördere der Barbie-Film Homosexualität und Transgenderismus, schade der Rolle des Vaters und untergrabe die Rolle der Mutter in der Familie. Der Film werfe Fragen über die Notwendigkeit der Institution Ehe und die Struktur der Familie auf.

In Israel gab es bisher keine Kritik an dem Film, auch nicht von religiösen Juden. Die Kinos im Land sind voll. Was sagt das über die jüdischen Werte im Vergleich zu den islamischen, die ein Problem mit dem Film haben? Oder verärgert die jüdische Herkunft der beliebten Barbie-Puppe die arabischen Regierungen? Nicht nur das: Hinter dem Filmstar Barbie steht ein Jude, der Israeli Ynon Kreiz, CEO des Spielzeuggiganten Mattel. Wer Juden für alles verantwortlich machen will, hat wieder einmal die passende Ausrede parat: „Die Medienwelt wird von Juden beherrscht“.

Auch in Kuwait wurde der Film wegen „Förderung von Homosexualität und Transsexualität“ verboten bzw. zunächst zensiert. Kuwait verbietet den Film Barbie, um die „öffentliche Ethik und soziale Traditionen“ zu schützen, kurz nachdem der Film im Libanon wegen Werbung für Homosexualität aus den Kinos verbannt wurde. Ein Sprecher des kuwaitischen Informationsministeriums erklärte gestern Abend gegenüber der Nachrichtenagentur KUNA, der Warner Brothers-Film, der seit seiner Premiere weltweit mehr als eine Milliarde Dollar in die Kinokassen eingespielt hat, verbreite „Ideen und Überzeugungen, die der arabischen Gesellschaft und der öffentlichen Ordnung fremd sind“.

Ein Junge fotografiert seinen Freund vor einem Barbie-Filmplakat vor der Vorführung des Films „Barbie“ auf der größten Kinoleinwand im Nahen Osten in der „Dubai Hills Mall“ im Golfemirat Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, 10. August 2023. EPA-EFE/ALI HAIDER

Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten gab es anfänglich Probleme mit dem Barbie-Film, sodass die Vorführung des Films erst nach einer dreiwöchigen Verzögerung wegen möglicher inhaltlicher Probleme genehmigt wurde. Beamte der VAE gaben keine Erklärung für die Verzögerung der Vorführung, die es auch in anderen arabischen Ländern gab. Der Film soll heute in die Kinos kommen, so Vox Cinemas, ein regionales Kinounternehmen. „Der Medienrat der VAE hat dem Barbie-Film die Genehmigung erteilt, in den lizenzierten Kinos der VAE gezeigt zu werden, nachdem die erforderlichen Verfahren in Übereinstimmung mit den Standards für Medieninhalte und der Altersfreigabe der VAE abgeschlossen wurden“, teilte der Rat letzte Woche mit.

Der Israeli Ynon Kreiz begann seine Karriere in Los Angeles bei Haim Saban, Milliardär und einer der größten Medienunternehmer der Welt. Im August 2003 gehörte Saban auch zu den einflussreichsten Personen in der deutschen Medienlandschaft, unter anderem war er Hauptaktionär der ProSiebenSat.1 Media AG. Im Dezember 2006 verkauften Saban und die Investoren ihre Anteile an der ProSiebenSat.1 Media AG mit hohem Gewinn. Der in Israel geborene Mattel-Chef Kreiz hat führte das Unternehmen zum Barbie-Film und erscheint sogar selbst im Film, gespielt von Will Ferrel. „Es gibt so viele humorvolle und selbstironische Elemente in dem Film“, sagte Ynon Kreiz gegenüber Variety. „Und das gefällt uns. Wir nehmen unsere Marken sehr ernst. Wir nehmen sehr ernst, was wir tun. Aber uns selbst nehmen wir nicht zu ernst.

Aber das ist noch nicht alles. Auch Barbie hat jüdische Wurzeln. Der Barbie-Film spielt auf die jüdische Herkunft der Puppe an. Barbies Erfinderin Ruth Handler wird von der jüdischen Schauspielerin Rhea Pearlman gespielt. Barbies feministisch-jüdischer Hintergrund wird im Film über die Puppe explizit dargestellt. Die Figur der Ruth Handler, der Geschäftsfrau, die die Puppe erfand, spielt eine Schlüsselrolle in dem Film, in dem Barbie, gespielt von Margot Robbie, das „wahre Leben“ kennenlernt und lernt, damit umzugehen. In dem zutiefst satirischen Barbie-Film von Greta Gerwig und ihrem jüdischen Partner Noah Baumbach wird die stereotype Barbie gezwungen, das idyllische, von Frauen geführte Barbie-Land zu verlassen.

Siehe: Ruth & Elliot Handler: Barbies Eltern

Vieles, was im Kino gezeigt wird, ist nicht schön, unangemessen, unmoralisch und gegen Gott, und trotzdem gehen wir ins Kino. Ich erinnere mich an die Kritik an der britischen Teletubbies-Serie und an die Harry-Potter-Filme. Diese Filme wurden in der christlichen Welt heftig kritisiert und verteufelt. In Israel hatten religiöse und sogar messianische Juden damals keine Probleme mit beiden Filmen.

Unsere Augen werden sehr leicht abgelenkt durch Filme und Videos auf unseren Handys, wo wir alle unzensiert sehen können, was wir wollen. Ich bin überhaupt nicht überrascht, dass ausgerechnet im Nahen Osten eine regionale Kritik gegen die beliebte Barbie-Puppe und den neuen Spielfilm ausgebrochen ist. Ich glaube nicht, dass die arabische Welt für uns ein biblisches Vorbild ist. Auch wenn arabische Regierungen den amerikanischen Barbie-Film in ihren Ländern verbieten oder heftig kritisieren, glaube ich nicht, dass man daraus bessere Familienwerte für die jüdische Bevölkerung ableiten kann. Alles um Barbie herum ist jüdisch, und ich glaube, das ist es, was die arabischen Regierungen stört. Ich kenne Barbie und Ken noch aus meiner Kindheit, als alles noch viel einfacher war. Die Puppen waren auch bei uns zu Hause, ohne Theater in der Familie. Heute sorgt Barbie im Nahen Osten für Aufregung, vielleicht weil die Kinder damals nicht mit Barbie gespielt haben.

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2 Antworten zu “Tacheles mit Aviel – Das Problem mit Barbie im Nahen Osten  ”

  1. Andrew Manner sagt:

    Sehr schöner Artikel, der das Dilemma der arabisch islamischen Welt zeigt:
    Die arabische Welt versucht mit Gewalt ihre religiösen Festungen und von Menschen gemachten Traditionen zu verteidigen.
    Wir Europäer kennen dies aus dem Mittelalter, als die katholische Kirsche und Rom vorgab das non plus Ultra zu sein.
    Was schließen wir darauf in Bezug auf Barbie und LBTQ-Uhren von Swatch?
    Die islamisch-arabische Welt befindet sich im Vergleich zur westlichen Welt geistig und gesellschaftlich ca. 600 Jahre zurück, im sog. finsteren Mittelalter. Das Vorgehen der besessenen patriarchalischen Männergesellschaften in Afghanistan und Iran gegen Frauen und Mädchen erinnert an die Hexenprozesse durch die „heilige römische“ Inquisition im mittelalterlichen Europa, welche sich auch vornehmlich gegen Frauen richtete !

    „Petrus aber antwortete und die Apostel und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen.“
    Solus Christus

  2. Tilo Heller sagt:

    Hallo Andrew Manner: Schnell schüttet man das Kind mit dem Bade aus. In den islamischen Ländern hat man trotz „Das Vorgehen der besessenen patriarchalischen Männergesellschaften…“ begriffen, dass solche Arten von Filmen die Menschen in ihrem Wesen zerstören können. Diese spaltende Ideologie und Förderung von LGBT bringt nur eine unübersehbare Fülle von irre geleitenden jungen Menschen – in der Zeit von 12-16 Jahren werden hier Kinder dem Wahn einer geschlechtl. Umwandlung regelrecht geopfert. LGBTQ- Beweg. sind im Kern „leider besonders auch in Israel“ wie überall in der Welt zu tiefst Sünde!! Eine Abgrenzung in den isl. Ländern hat nichts mit Hexenverbrennung zu tun. Die haben wenigsten in diesem Bereich ihr Hirn benutzt.

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