Situation der Kirche im Irak Rami Dabbas
Religion

Situation der Kirche im Irak

Ein Live-Bericht über den Kampf für das Christentum im Irak vom Israel Heute Nahost-Korrespondenten.

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Dieses Jahr wird Weihnachten für die Christen im Irak nicht fröhlich sein. Die irakische Kirche, die einst eine blühende Gemeinde war, die auf den Apostel Paulus zurückgeht, ist dezimiert worden und hängt am seidenen Faden.

Eine Rekordzahl von Christen verlässt den Irak, und diese einst wichtige Kirche, die Missionare in die ganze Welt schickte, ist dem Aussterben nahe. “Ein weiterer christlicher Exodus nach dem, der stattfand, als der IS in den Irak eingedrungen war, wird das Ende des Christentums im Irak nach 2000 Jahren seiner Existenz einläuten”, sagte der irakische Pastor Bashar Haddad, der jetzt im Exil in den USA lebt, gegenüber Israel Heute.

Das Gemetzel am Christentum begann lange bevor der IS die Kontrolle über die stark bevölkerten christlichen Regionen im Nordirak im Jahr 2014 übernahm. Eine Serie von Autobombenanschlägen im Jahr 2004 während der Sonntagabendgottesdienste in Kirchen in Bagdad und Mosul läutete die tragische Zukunft dessen ein, was einst die größte Kirche des Nahen Ostens war. Die sechs Anschläge, bei denen 12 Menschen getötet und mindestens 71 verwundet wurden, waren der erste größere Angriff auf die christliche Gemeinschaft seit der Invasion des Irak 2003. Im Jahr 2010 wurden 52 Geiseln und Polizisten getötet, als ein Versuch der irakischen Sicherheitskräfte, mehr als 100 Katholiken zu befreien, die in einer Kirche in Bagdad von Al-Qaida-verbundenen Bewaffneten festgehalten wurden, zu einem Blutbad wurde. Seitdem gehen die Drohungen, Entführungen und kaltblütigen Morde an Christen weiter und immer mehr Christen fliehen aus dem Land.

“Seit mehr als einem Jahrzehnt hat der islamische Extremismus zu einer Massenvertreibung von Christen im Irak geführt”, sagte Pastor Bassam Haddad, der aus dem Irak in die Türkei in Sicherheit geflohen ist, gegenüber Israel Heute. “Nach der amerikanischen Invasion im Jahr 2003 sank die Zahl der Christen im Irak von 1,5 Millionen auf etwa eine Viertelmillion, ein Rückgang von 85 Prozent”, sagte er. Pastor Bassam, der Bruder von Pastor Bashar, fügte hinzu, dass in diesen Jahren “Christen abgeschlachtet, entführt und ermordet und manchmal sogar versklavt und inhaftiert wurden.”

Pastor Bassam Haddad

 

IS ist nur ein Teil des Problems

Es wird oft angenommen, dass der Islamische Staat für diese Ereignisse verantwortlich ist, aber die Situation für Christen hat sich auch nach dem Rückzug der IS-Kämpfer aus dem Irak nicht verbessert. Wie der Pastor feststellte, “leiden die Christen weiterhin unter Gewalt und Diskriminierung, die darauf abzielen, ihre Kultur zu zerstören und sie zum Verlassen des Irak zu zwingen.”

Unsere Freunde im Irak berichten uns, dass nicht nur wenige zum Gottesdienst in die verbliebenen Kirchen kommen, sondern dass viele Kirchen ganz geschlossen werden, wie die bekannte Dreifaltigkeitskirche in der Gegend von Baladiyat östlich von Bagdad.

Pastor Bassam Haddad, Leiter der Yelova-Kirche in der Türkei, der nach zahlreichen Bedrohungen durch islamische Terroristen aus dem Irak geflohen ist, wies darauf hin, dass es verständlich ist, dass die Christen den Irak verlassen. “Muslime hassen diejenigen, die anders sind als sie, und ihre Haltung gegenüber Christen war schon immer feindselig”, sagte der Pastor. “Obwohl wir früher mit den Muslimen zusammenlebten, brachen sie immer noch in christliche Häuser ein, raubten und griffen uns an. Die Geschichte der Muslime ist blutig und seit den Tagen des Osmanischen Reiches haben sie uns getötet”, betont er.

Faris Jjo ist ein irakischer christlicher Missionar, der im Nordirak in der Region Kurdistan lebt sagt gegenüber Israel Heute, “In den Geschichtsbüchern im Irak steht fast nichts über Christen. Der Lehrplan erwähnt nichts über uns oder wer wir sind, bevor der Islam in unser Land kam. Sie erwähnen nur westliche Christen. Die meisten Iraker sehen uns als fremde Eindringlinge und Einwanderer in den Staat Irak.”

Genaue Zahlen sind schwer zu bekommen, aber Nichtregierungsorganisationen, von denen einige sich für die Rechte der christlichen Minderheiten im Irak einsetzen, bestätigen, dass die Zahl der heute im Irak verbliebenen Christen nur zwischen 300.000 und 400.000 liegt. In Bagdad, das im Jahr 2003 etwa 750.000 Christen zählte, gibt es derzeit nicht mehr als 75.000.

In der Gegend von Dora, südlich von Bagdad, die früher viele christliche Ärzte, beliebte Märkte und Café-Besitzer mit etwa 150.000 Christen beherbergte, leben heute nur noch tausend, wie mehrere Quellen berichten.

 

Die irakischen Christen verlassen das Land auch aus anderen Gründen

Das Land leidet unter einer noch nie dagewesenen Wirtschaftskrise. Es gab Wellen von Protesten junger Menschen, die mit der Korruption der Regierung, der hohen Arbeitslosigkeit und den sich verschlechternden politischen und wirtschaftlichen Bedingungen unzufrieden waren.

Viele junge christliche Männer wollen auswandern, da sie keine Zukunft in ihrer Heimat sehen.

Hinzu kommt, dass sich der Irak rasch in einen religiös-muslimischen Staat verwandelt, in dem die Christen befürchten, nicht überleben zu können. Auch für säkulare Muslime wird es immer schwieriger, dort zu leben.

Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die alle Iraker betreffen, sind die Christen besonders beunruhigt, weil sie diskriminiert, ausgegrenzt und ihrer grundlegenden Bürgerrechte beraubt werden.

Als Christ kann man in vielen Stellen nicht arbeiten, z.B. in staatlichen Einrichtungen, und das treibt viele dazu, das Land zu verlassen. Viele junge Christen im Irak haben ihre Universitätsausbildung in Erwartung eines Jobs in der Regierung des Landes abgeschlossen, was eines ihrer Rechte als Minderheit ist, nur um festzustellen, dass sie von korrupten muslimischen Beamten abgelehnt und zu niederen Arbeiten gezwungen werden.

Diese Christen lieben ihre alte Heimat, aber ohne Hoffnung auf eine Zukunft entscheiden sie sich, sie zu verlassen.

 

 

Anmerkung der Redaktion: Ich (David Lazarus) hatte das Privileg, viele irakische Christen zu treffen, darunter Pastoren und treue Diener, die ihrem Volk unter diesen schwierigen Umständen weiter dienen. Einige von ihnen haben mich in Jerusalem besucht und wir sind Freunde geworden. Wir hier bei Israel Heute bitten Sie, diese tapferen Männer und Frauen in Ihren Gebeten während dieser freudigen Jahreszeit zur Feier unseres Messias zu bedenken.

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