„Das werden die wichtigsten Wahlen seit der Staatsgründung Israels.“
Diesen Satz höre ich in den vergangenen Wochen immer häufiger. Politiker sagen ihn, Kommentatoren wiederholen ihn, und in vielen Medien wird kaum noch daran gezweifelt, dass die Knessetwahl am 27. Oktober zu den wichtigsten in der Geschichte Israels gehören wird. Je öfter ich diese Aussage höre, desto mehr frage ich mich allerdings, ob sie tatsächlich stimmt – oder ob sie vielmehr etwas anderes widerspiegelt: die tiefe politische Spaltung, die Israel heute prägt.
SCHICKSALSWAHLEN
Seit genau 38 Jahren lebe ich in Israel. Anfang September 1988 kam ich hierher. Damals hätte ich mir niemals vorstellen können, dass dieses Land einmal zu meiner Heimat werden würde. In diesen fast vier Jahrzehnten habe ich Kriege erlebt, Friedensverhandlungen, Terroranschläge, Intifadas, Raketenangriffe und politische Krisen. Ich habe erlebt, wie Ministerpräsidenten kamen und gingen, Parteien gegründet wurden und wieder von der politischen Bühne verschwanden. Und ich habe viele Wahlen miterlebt. Fast jede wurde von irgendjemandem als Schicksalswahl bezeichnet. Deshalb bin ich vorsichtig geworden, wenn wieder einmal von den „wichtigsten Wahlen seit...
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