Mehr als 200 Raketen und Mörsergranaten sind am gestrigen Shabbat vom Gazastreifen aus auf israelische Ortschaften im Grenzgebiet abgeschossen worden. Pausenlos ertönten die Sirenen und ließen den Bürgern nicht einen einzigen Moment der Ruhe. Als Reaktion flog die israelische Luftwaffe Angriffe auf Ziele der Hamas. Seit 2014 hatte es einen Tag wie gestern nicht mehr gegeben.
Alles andere als einen ruhigen Shabbat hatten die Bewohner der Ortschaften im Grenzgebiet zum Gazastreifen. Bereits um 1:36 Uhr in der Nacht zum Samstag gab es den ersten Raketenalarm. Dies war nur der Anfang. Von den über 200 Raketen und Mörsergranaten wurden 27 vom Abwehrsystem Iron Dome abgefangen. Die israelische Luftwaffe reagierte auf die Raketenangriffe mit Angriffen auf Ziele der Hamas im Gazastreifen, die dann wieder von der Hamas mit weiteren Raketen beantwortet wurden. So ging der Schlagabtausch immer weiter.
Je stärker die israelische Reaktion auf die Raketen war, desto intensiver wurden die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen. Am Nachmittag schlugen zwei Raketen in der Stadt Sderot ein. Eine der Raketen explodierte in der Nähe einer Synagoge, die zweite im Hof eines Hauses. Vier Familienmitglieder wurden dabei durch Splitter leicht verletzt, zwei 14 und 15 Jahre alte Schwestern und ihre Eltern. Sie wurden zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht.
Ein Video einer Sicherheitskamera zeigt den Einschlag einer der Raketen in Sderot, in gefährlicher Nähe zu einem Fußgänger.
Die israelische Luftwaffe griff gestern mehr als 40 Ziele im Gazastreifen an. Darunter auch die Zentrale einer Bataillon der Hamas in Beit Lahia, die aus Büros, Waffenlager und einem Übungsgelände für den Kampf auf bebautem Gebiet bestand. Von diesen Anlagen seien nur noch Löcher übriggeblieben, erklärte später ein israelische Armeesprecher.
Bei einem Angriff auf ein vierstöckiges Haus im Al-Shati Lager in der Nähe eines Polizei-Komplexes der Hamas, kamen palästinensischen Berichten zufolge zwei 15 und 16 jährige Jugendliche ums Leben. Das noch nicht ganz fertiggestellte Gebäude wurde von der Hamas als ein Übungszentrum für den Städtekampf benutzt. Die beiden Jugendlichen sollen sich auf der Straße außerhalb des Gebäudes aufgehalten haben. Das Gebäude selbst war leer.
Angriff der israelischen Luftwaffe auf des vierstöckige Gebäude
Unter dem von der Hamas eingenommenen Gebäude, das ursprünglich eine Bücherei und andere öffentliche Dienste und Wohnungen für die Bürger beherbergen sollte, befand sich ein Tunnel, der Teil des Tunnel-Netztes der Hamas gewesen sein soll, erklärte die israelische Armee. Vor dem Bombenangriff auf das Gebäude wurden die Bewohner angerufen und vor dem bevorstehenden Angriff gewarnt, so dass sie rechtzeitig das Gebäude verlassen konnten.
Am Abend wurde dann von der Hamas gemeldet, das man sich auf einen Waffenstillstand geeinigt habe. Dennoch kam es kurz danach in der Nacht zu zwei weiteren Raketenalarmen. Doch seitdem ist es still.
In Sderot und auch in den anderen Orten um den Gazastreifen herum ist man trotz des angeblichen Waffenstillstands besorgt. Auch fragt man sich, was man jetzt nach dem 24 stündigen Schlagabtausch gewonnen habe. Viele hätten eine neue Operation innerhalb des Gazastreifens begrüßt, um den Raketen und Feuerdrachen ein Ende zu machen. Man wprde lieber noch ein paar Tage länger in den Sicherhitsräumen verbringen, wenn man dadurch endlich Ruhe bekommen würde, sagten einige Bürger.
Besorgte Bürger in Sderot vor einem von einer Rakete getroffenen Wohnhaus, gestern (Foto: Hadas Parush/Flash90)
Aus dem Gazastreifen kamen heute früh bereits Stimmen, die sagten, dass der vereinbarte Waffenstillstand die Feuerdrachen und Ballons nicht einbeziehe. Eine weiteren Meldung zufolge würden diese nur langsam und stufenweise aufhören. Ob man sich damit auf israelischer Seite zufrieden geben wird, ist nicht sicher. Jeder Angroff, ob Rakete oder Feuerballon soll weiterhin mit einem Gegenangriff auf Hamas-Ziele beantwortet werden. Und diese hätten dann wiederum, wie von der Hamas angekündigt, einen weiteren Raketenangriff zur Folge.
Trotz der angespannten Lage im Süden wurden die gestern von der israelischen Armee angeordneten Einschränkungen, wie ein Verbot von Versammlungen von ehr als 100 Menschen, heute früh wieder zurückgenommen. Auch die Sommerkurse in den Schulen finden wie normal statt. Man solle mit dem Alltag fortfahren, hieß es in der Erklärung der Armee.
Bild: Überreste einer Rakete in der Nähe des Kibbutz Nahal Oz, gestern (Foto: Hadas Parush/Flash90)





