Naim und Samuel

Jeder Mensch hat einen Namen, jeder Mensch hat eine Lebensgeschichte und jeder Mensch ist Mittelpunkt der Welt.

von Aviel Schneider |

Jeder Mensch ist unverwechselbar, mit seinem Namen und seiner Lebensgeschichte. Jeder Mensch ist wie ein Mittelpunkt der Welt. Es gibt viele Gesichter, die wir täglich sehen. Manchmal nehmen wir sie kaum wahr, als wären sie Standbilder. Wir wissen eigentlich gar nichts über sie. Aber machmal kommen wir einem Zeitgenossen näher.

Schon seit längerer Zeit beobachte ich in der Nähe unserer Redaktion zwei Männer, der eine von ihnen ein hochbetagter Greis. Sie tauchen jeden Morgen auf, Hand in Hand. Sie bringen die Tageszeitungen zu den Kiosks und Cafés. Die beiden machten mich neugierig.

Naim und Samuel

Der Ältere von ihnen, Naim Schmueli, ist schon 104 Jahre alt. Er lässt sich von dem 31-jährigen Samuel führen, um weiterhin arbeiten zu können. Bis vor zwei Jahren arbeitete Naim im alten Jerusalemer Hotel Palatin. Jetzt ist er Rentner, suchte sich aber den neuen Job, denn ohne Arbeit kann er nicht sein. Damit das für ihn möglich ist, hat die israelische Nationalversicherung ihm Samuel zugeteilt. Der Orthodoxe begleitet Naim nun jeden Morgen für zwei Stunden, damit er im Jerusalemer Stadtzentrum Zeitungen verteilen kann. Das hält ihm am Leben. Samuel führt Naim an der Hand und betet unterwegs aus seinem Gebetbuch. Der Staat bezahlt ihn dafür.

Naim ist in Bagdad geboren und wanderte vor der Staatsgründung mit seinen Eltern nach Israel ein. Seine Kinder sind zwischen 70 und 80 Jahre alt. Nach der Arbeit geht er in seine Wohnung, nur ein paar Häuser entfernt. Nachmittags geht er zur Synagoge und liest dort immer den gleichen Abschnitt des Propheten Elijahu im späten Nachmittaggebet Mincha. Er liest einen Teil des Gebets auf Hebräisch, die andere Hälfte auf Aramäisch. Noch unter osmanischer Herrschaft aufgewachsen, weiß er über die frühe israelische Staatsgeschichte Interessantes zu erzählen. Naim ist ein angenehmer Mensch, wie schon sein Name sagt. Gemessen an seinen 104 Lenzen ist er außergewöhnlich kräftig und gesund. Wir wünschen ihm die noch fehlenden 16 Jahre, denn in der jüdischen Tradition sagt man: „Mögest du 120 Jahre alt werden“.

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