Der Brandanschlag auf das Haus einer palästinensischen Familie, bei der in der Nacht zum Freitag ein Kleinkind getötet und seine Eltern sowie sein vier Jahre alter Bruder lebensgefährlich verletzt wurden, ist weltweit scharf verurteilt worden. Die Polizei vermutet jüdische Extremisten hinter der Tat. Der Weltsicherheitsrat sprach von einem „teuflischen Terroranschlag“. Palästinenserpräsident Abbas kündigte an, er werde Israel wegen dieses Kriegsverbrechens vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen. In den Palästinensergebieten gab es Krawalle. Israelische Soldaten erschossen einen 17-jährigen Palästinenser. In Jerusalem demonstrierten einige hundert Menschen gegen die jüngste Welle hasserfüllter Straftaten (Foto).
Das Außenministerium der USA appellierte an Israelis und Palästinenser, die Ruhe zu bewahren und die Spannungen nicht weiter zu verstärken. Weltweit wurden die „jüdischen Siedler“ scharf kritisiert. In den arabischen Staaten reagierte die Bevölkerung mit Wut und Entsetzen auf den „Kindermord der Zionisten“. Saeb Erekat, der palästinensische Unterhändler bei den Friedensverhandlungen mit Israel, erklärte: „Das ist das Resultat einer jahrzehntelangen Untätigkeit der israelischen Regierung beim Terrorismus durch Siedler.“
Die Europäische Union sprach von einem „kaltblütigen Mord an einem palästinensischen Kleinkind“ und forderte „null Toleranz für Siedler-Gewalt.“ Die Regierung müsse die palästinensische Bevölkerung schützen.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Staatspräsident Reuven Rivlin besuchten den Vierjährigen, der mit schweren Verbrennungen auf der Intensivstation einer israelischen Spezialklinik liegt. Rivlin räumte ein, der Staat sei bisher zu lax mit jüdischen Extremisten umgegangen. Netanjahu telefonierte mit Palästinenserpräsident Abbas und forderte ihn auf, den Terrorismus gemeinsam zu bekämpfen. Er sagte Abbas zu, die Autonomiebehörde über den Gang der Ermittlungen auf dem Laufenden zu halten.
Nach Augenzeugenberichten sollen zwei mit Sturmhauben maskierte Männer durch ein Fenster einen Brandsatz in der Haus der Familie in Duma geworfen haben. Erst als das Haus in Flammen stand, seien sie in Richtung einer nahe gelegenen jüdischen Siedlung geflüchtet. Polizei, Armee und Geheimdienst ermitteln derzeit intensiv in der Region. Die Regierung hatte die Behörden angewiesen, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, um den Terroranschlag rasch aufzuklären.
An der Beisetzung des getöteten 18 Monate alten Ali nahmen rund 2000 Menschen teil. Im sogenannten Westjordanland kam es zu Krawallen. Aus Furcht vor Anschlägen wurde palästinensischen Arbeitern am Freitag das Betreten jüdischer Siedlungen verboten und der Zugang zum Jerusalemer Tempelberg eingeschränkt. Israelis in Judäa und Samaria wurden von den Behörden aufgefordert, vorerst in ihren Siedlungen zu bleiben und nicht umherzureisen.
Nahe der Siedlung Kokhav HaShahar feuerten Unbekannte drei Schüsse auf ein israelisches Fahrzeug, die Insassen blieben unverletzt. Krawalle wurden aus Hebron, Nablus und dem Kalandia-Kontrollpunkt bei Ramallah gemeldet. Dort kam nach palästinensischen Angaben ein Mann ums Leben, was von den israelischen Behörden aber nicht bestätigt wurde.
Nahe der Siedlung Yitzhar gab es ein größeres Feuer, das vermutlich durch Brandstiftung entstand, aber rasch gelöscht werden konnte. In Jerusalem wurde ein Grenzpolizist leicht verletzt, als er von einer Flasche am Kopf getroffen wurde. Im Stadtteil Issawija wurden Grenzpolizisten mit Molotow-Cocktails beworfen, die Ordnungshüter wehrten sich mit Wasserwerfern und Tränengas.
In Bir Zeit wurde der 17 Jahre alte Laith al-Khaldi angeschossen, nachdem er einen Brandsatz auf israelische Soldaten geschleudert hatte. Einige Stunden später meldeten örtliche Medien, der Junge sei im Hospital von Ramallah seinen Verletzungen erlegen.
Foto: Geschockte Israelis bei einer Demonstration in Jerusalem. Sie verurteilten den Brandanschlag ebenso wie die Messerattacke auf Teilnehmer der Homosexuellenparade.
Foto: Yossi Zamir (Flash 90)




