Das darf nicht wahr sein!

In den nächsten Tagen werden hunderte Israelis beigesetzt und das wird seinen Einfluss auf die Moral der israelischen Gesellschaft haben.

von Aviel Schneider | | Themen: Hamas, Gazastreifen
Israel
Der Ort, an dem Israelis von militanten Hamas-Kämpfern auf einer Hauptstraße nahe der südisraelischen Stadt Sderot getötet wurden, am 7. Oktober 2023. Foto: Oren Ben Hakoon/Flash90

Aviel Schneider

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht so richtig, wie ich heute mein Schreiben an Euch anfangen soll. Aber egal, mit wem ich gestern gesprochen habe, Freunde, ehemalige Kameraden, Journalisten oder Nachbarn, wir alle murmelten dasselbe. „Das darf nicht wahr sein, was im Süden passiert ist!“

In der ganzen Staatsgeschichte Israels sind in den letzten 75 Jahren niemals so viele Israelis an einem Tag in einem Krieg in Israel gefallen, wie gestern im Süden, über 500 Zivilisten und Soldaten. Nicht im Libanonkrieg 1982, nicht im Jom-Kippur-Krieg 1973, nicht im Sechstagekrieg 1967 und nicht im Unabhängigkeitskrieg 1948. Was gestern im Land passiert ist, ist für alle von uns unfassbar. Israels nationale Sicherheitslage hat einen Tiefpunkt in seiner Staatsgeschichte erreicht, aus der Israel dringend aussteigen muss. Ansonsten erkennen unsere Feinde Israels Schwäche sehr schnell und werden auch von anderen Fronten angreifen. Während ich diese Zeilen schreibe, wackeln bei mir alle Fenster im Haus. Aus der Ferne höre ich die Bombeneinschläge im Gazastreifen und dabei wohne ich 51 Kilometer Luftlinie nordöstlich vom Streifen entfernt.

Am Abend vorher waren Anat und ich bei meiner orthodoxen Schwester Ruthi und ihrer großen Familie zum Schabbatmahl und zweiten Festabend Sukkot in ihrer Laubhütte eingeladen. Alle ihre Kinder sind orthodoxe Tora-Schüler und keiner von ihren Jungs diente in der Armee. Was für einen ruhiges und friedliches Gemeinsam hatten wir um den reichlich gedeckten Tisch gehabt. Und dann, sechs Stunden später, ist am nächsten Morgen Krieg ausgebrochen. Als Ruthis Familie hörte, dass unsere drei Söhne Tomer, Moran, Elad und unser Schwiegersohn Ariel in die Reserve einberufen wurde, schickten sie uns nach Schabbatausgang ein WhatsApp:

„Gesegnete neue Woche. Wir beten für deine Kinder und hoffen. Die ganze Familie Deri betet für euch, damit alle gesund und in Frieden aus dem Krieg zurückkehren“.

Das ist ihre Aufgabe in unserer Familie und darüber streiten wir uns auch nicht mehr. Ihre Kinder beten und unsere Kinder kämpfen.

Wie es den hunderten palästinensischen Terroristen gelungen ist, am frühen Schabbatmorgen nach Israel durch den Grenzzaun einzudringen, ohne rechtzeitig entdeckt zu werden, muss in Israels Geschichte als eines der größten Versagen eingeschrieben werden. Israels Grenzüberwachungssystem wurde wahrscheinlich mit einer Drohne und iranischen Cyberangriffen ausgeschaltet, bevor die palästinensischen Terroristen nach Israel eingedrungen sind. Wenn das stimmt und von dem israelischen Militärstab zugegeben wird, dann erklärt dies den palästinensischen Erfolg und Israels strategisches Versagen.

Nicht die Raketenangriffe auf Israel sind das Thema im Krieg, sondern der Überraschungsangriff und die freie Fahrt aus dem Gazastreifen in Israels Siedlungen und Kibbuzim im Süden beim Gazastreifen. Im Spaziergang sind Palästinenser mit Jeeps, Motorrädern und zu Fuß ins Land eingedrungen und haben den Süden erobert. Aber das Schlimme ist die Entführung zahlreicher Israelis, gesamte Familien mit ihren Kindern, Zivilisten, Großmütter mit ihren philippinischen Pflegern, Jugendliche aus der Techno-Party Nova in Reím, Soldaten lebendig oder tot. Im Telegram Kanal haben wir nur wenige von den vielen Videos gezeigt, wie Israelis in den Gazastreifen verfrachtet wurden, in Massen. Man spricht von 180 Israelis, aber ich werde mich nicht wundern, wenn die Zahl höher ist.


Es sah so aus, als ob der gesamte Süden Soldatenlos war. Null Sicherheit! Es dauerte Stunden, bis israelische Soldaten zu sehen waren. Mein Freund Amnon im Süden rette gestern seine Tochter Ronnie aus der Naturparty und erzählte mir, dass alle Straßen im Umfeld des Gazastreifens offen waren. Keine Soldaten, keine Straßensperren, nichts. Mit Google-Location von Ronnie ist es ihm gelungen seine Tochter auf den leeren Feldern am Grenzzaun aus dem Chaos zu retten. Er war wütend auf die Armee und war nur am Schimpfen und Fluchen. Keine Soldaten, keine Sicherheit, nichts von dem Israel, das wir zu kennen meinten.

Heute Morgen sind in allen Medien die Familienangehörigen zu sehen, die um ihre entführten Kinder im Gazastreifen flehen. Wie die Regierung damit umgehen will, weiß ich nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Menschen und Familien für Jahre im Gazastreifen festgehalten werden. Dies begrenzt auch die Bombardierung der israelischen Kampfjets im Gazastreifen, denn dort sind israelische Geiseln. Nicht nur das, in den nächsten Tagen werden hunderte Israelis beigelegt und das wird seinen Einfluss auf die Moral der israelischen Gesellschaft haben. Das sind Zahlen, die Israel aus keinem Krieg in diesem Maß kennt. Und diese Zahlen werden nur noch steigen, denn der Krieg beginnt jetzt. Israel bereitet sich für eine massive Bodeninvasion im Gazastreifen vor. Und dies wird auch seine Opfer bringen, wenn es tatsächlich stattfinden wird. In der Zwischenzeit lernt sich das Volk gegenseitig wieder kennen. Protestler gegen die Rechtsreformen, die mit einer Dienstverweigerung drohten, sind alle in Uniformen und im Süden. Die Not vereint das Volk.

Israelische Militärreservisten treffen an einem Sammelpunkt nahe der Grenze zum Libanon ein, 7. Oktober 2023. Foto von Ayal Margolin/Flash90
Israelische Militärreservisten treffen an einem Sammelpunkt nahe der Grenze zum Libanon ein, 7. Oktober 2023. Foto von Ayal Margolin/Flash90

Eins ist sicher, die alten Regeln dürfen nicht mehr gültig sein. Israel muss diesmal anders eingreifen, um die Hamas und alle anderen Terroristen im Gazastreifen ein für alle Male zu entwaffnen. Die erste Runde im Kampf hat Israel gestern verloren, die nächsten Runden muss Israel um jeden Preis im Knockout gewinnen, ansonsten haben wir kein Recht zu existieren. In der Zwischenzeit hat Israel im Gazastreifen den Strom ausgestellt, denn diesen bekommen sie von Israel, obwohl sie Israel seit knapp 20 Jahren mit Raketen angreifen. Die Gebühren bezahlen sie sowieso nicht. Die Einfuhr von Benzin und Diesel in den Gazastreifen wurde ebenso eingestellt, wie auch alle anderen Handelswaren. Was ich gestern im Zoom-Treffen sagte, wiederhole ich auch hier, diesmal muss Israel gnadenlos im Gazastreifen eingreifen, Null Rücksicht! Israel ist noch im Schock und wird erst in den nächsten Tagen erfahren, was für eine Katastrophe das Volk und das Land getroffen hat.

 

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8 Antworten zu “Das darf nicht wahr sein!”

  1. j-glaesser sagt:

    Am gestrigen Morgen hat der Widersacher des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs am Gazastreifen die Hölle geöffnet und seine Diener (Hamas) ausgesendet.

  2. marie.luise.notar sagt:

    möge das Volk Israel wachgerüttelt werden zur Einheit und zum biblischen Glauben….meine Gebete sind bei euch.

  3. atelier sagt:

    das passiert wenn Inkompetenz und Faulheit zusammenkommen. Das gemütliche reagieren auf den potenziellen Feind und die Feigheit innerhalb der Armeeführung den Erstschlag auszuführen hat dazu geführt. Israel muss aufhören auf Europäer die USA oder sonstwen zu hören und wieder lernen Kriege zu führen. Das sich verlassen auf den Iron Dom und die Luftwaffe ist keine Strategie sondern ein Plagiat der amerikanischen Strategie die zu nichts führt. Die Eitelkeit der Generäle und der Konkurrenzkampf zwischen den Diensten und militärischen Einheiten ist ja peinlich.

  4. Andrew Manner sagt:

    Hier nutzt kein Lamentieren mehr.
    Die Regierung muß endlich handeln und so wiw Aviel schreibt „gnadenlos“!

    Und die Amerikaner werden Israel so oder so zur Seite stehen.
    Die Palästinenser haben kein Anrecht auf einen eigenen Staat sondern müssen auf die arabischen Staaten aufgeteilt werden.

    And Joshua said, Hereby ye shall know that the living God is among you, and that he will without fail drive out from before you the Canaanites, and the Hittites, and the Hivites, and the Perizzites, and the Girgashites, and the Amorites, and the Jebusites

    ✌️And the LORD, he it is that doth go before thee; he will be with thee, he will not fail thee, neither forsake thee: fear not, neither be dismayed.

  5. Andrew Manner sagt:

    Ja, wie ich sagte:

    Die USA verlegen eine Marineflotte, zu der auch der größte Flugzeugträger der Welt, die USS Gerald Ford, gehört, in die Nähe von Israel.

  6. Andrew Manner sagt:

    Unser Freund Geert Wilders schreibt klare Worte:
    The response of #Israel must be tough. Restraint is a foolish Western concept that is perceived as weakness by Islamic terrorists. They call it a “Hudna”, a cease fire only to regroup and attack again. Make no mistake, this is Israel’s 9/11. An existential war. This week exactly 50 years after Yom Kippur, again an Islamic surprise attack. Israel deserves our full support and Hamas and Islamic Jihad including their leadership must be eradicated. There is no other way to peace.

  7. rarie.moos sagt:

    Wann endlich begreift Israel das sie der Schlange den Kopf zertreten muss und es nichts nützt ihr in den Schwanz zu beißen.
    Deif,Nassralla und Co. müssen konsequent von oben her mit allen Nachfolgern
    neutralisiert werden um Ruhe zu bekommen.

  8. j-glaesser sagt:

    Hier ein Bericht vom 25.07.2023 um zu zeigen, wo Deutschland und die EU stehen:
    Fun-Sport im Reich der Hamas /Hier segelt ein deutscher Diplomat über Gaza /
    Der deutsche Diplomat Sven Kühn von Burgsdorff amüsiert sich beim Paragliding im Gazastreifen:
    Nach seiner Landung rief Kühn von Burgsdorff sichtlich euphorisiert in die Kamera eines palästinensischen Fernsehteams: „Once you have a free Palestine, a free Gaza, you can do exactly the same thing!“ („Sobald es ein freies Palästina, ein freies Gaza gibt, können Sie genau das Gleiche tun!“)
    Der Slogan „Palestine will be free, from the river to the sea“ wird oft als Schlachtruf zur Vernichtung Israels skandiert: Palästina solle sich vom Jordan-Fluss bis zum Mittelmeer erstrecken – also dort, wo sich der jüdische Staat befindet. (Quelle: Bild.de)

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