Kleinunternehmer gegen Netanjahu-Regierung

Coronavirus-Beschränkungen haben 50.000 israelische Haushalte unter die Armutsgrenze gedrängt

von Israel Heute Redaktion |
Restaurantbesitzer und andere Kleinunternehmer protestieren vor der Knesset Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Eine Mehrheit der kapitalistisch eingestellten Kleinunternehmer ist traditionell mit der regierenden Likud-Partei verbündet. Doch das Versagen der Regierung hat viele dazu gebracht, sich den wöchentlichen Anti-Netanjahu-Demonstrationen anzuschließen. Immerhin hat die Regierung es versäumt, sie im Zuge der wiederholten Lockdowns angemessen zu unterstützen und zu entschädigen.

Während die Regierung den Einkaufszentren und Geschäften in Israel mittlerweile grünes Licht gegeben hat (mit Einschränkungen natürlich), ist es Restaurants immer noch verboten, ihre Türen zu öffnen, und zwar weil sie Sitzgelegenheiten anbieten. Einige Restaurants haben sich mit Außer-Haus-Verkauf über Wasser halten können, bei anderen hat diese Option nicht funktioniert.

Diese Woche versammelten sich die seit Monaten arbeitslosen Restaurantbesitzer und ihre Angestellten vor der Knesset, um gegen die anhaltende Schließung und die fehlende Entschädigung zu protestieren.

Weil die Zahl der täglichen Coronavirus-Neuinfektionen wieder bei über 2.500 liegt, könnten sich ihnen bald andere Kleinunternehmer anschließen, da die bereits Regierung über eine neue fünfwöchige Schließung nachdenkt.

Arbeiter einer Brotfabrik im Norden Israels protestieren dagegen, dass sie nicht wie gewohnt produzieren und verkaufen können.

Steigende Armut

 Israel ist eine sozialistische Nation und konnte seine Bevölkerung in der aktuellen Krise besser versorgen als einige andere.

Aber auf einem Wirtschaftsforum am Dienstag warnte Arbeitsminister Itzik Shmuli, dass Israels Sozialdienste bald überfordert sein könnten, wenn die Situation noch länger anhält.

„Die Wirtschaftskrise, die durch das Coronavirus verursacht wurde, ist in ihrem Ausmaß und ihrer Stärke beispiellos“, sagte Shmuli auf der Eli Hurvitz Conference on Economics and Society. „Zweieinhalb Millionen Israelis sind durch die Krise wirtschaftlich geschädigt worden, fast 50.000 Haushalte sind unter die Armutsgrenze gefallen und einige 100.000 sind nun näher an der Armut.“

Shmuli merkte an, dass es derzeit nur eine offene Stelle für 16 arbeitslose Israelis gibt und dass es viele Jahre dauern wird, bis sich die Nation von den Folgen der Art und Weise, wie die Coronavirus-Krise gehandhabt wurde, erholt.

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