In diesem achten Teil werden nochmals fünf Begriffe in den Fokus gerückt, die das heutige Reden über Juden, Israel und den Nahen Osten maßgeblich prägen. Es sind Worte, die politische Wirklichkeiten ordnen, Schuldfragen umlenken und Deutungsräume festlegen – oft, ohne dass ihre Herkunft, ihr Bedeutungswandel oder ihre ideologische Aufladung noch reflektiert wird.
Es geht dabei nicht um Wiederholung bereits Gesagtem, sondern um Zuspitzung: um das bewusste Hinsehen auf Begriffe, die harmlos klingen, aber wirkmächtig sind. Wer sie verwendet, entscheidet mit – über das Bild von Geschichte, Gegenwart und Verantwortung.
„ANTISEMITISMUS“ – EIN VERHARMLOSENDER BEGRIFF
Der Begriff „Antisemitismus“ gehört heute zum festen Inventar des politischen und medialen Sprachgebrauchs. Er wird in Sonntagsreden ebenso verwendet wie in Polizeistatistiken, Leitartikeln oder Schulmaterialien. Gerade diese Selbstverständlichkeit ist jedoch Teil des Problems. Denn „Antisemitismus“ benennt nicht die Tat und nicht den Täter, sondern verschiebt das Geschehen in den Bereich einer abstrakten Ideologie.
Sprachlich handelt es sich um einen klassischen Ismus-Begriff. Er suggeriert ein geschlossenes Gedankensystem, eine Haltung oder Weltanschauung – vergleichbar mit Nationalismus, Rassismus oder Sexismus....
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