Die israelische Stadt Bat Yam hat eine Schadenersatzklage gegen die Islamische Republik Iran eingereicht. Hintergrund ist der verheerende iranische Raketenangriff vom Juni 2025, bei dem neun Menschen getötet, zahlreiche weitere verletzt und große Teile eines Wohnviertels zerstört wurden. Nach einem Bericht von Ynetnews vom Sonntag fordert die Stadt 250 Millionen Schekel, umgerechnet rund 78 Millionen Dollar.
Die Klage wurde auf Initiative von Bürgermeister Zvika Brot vorbereitet. Ein internationales Juristenteam unter Leitung der israelischen Organisation Shurat HaDin und ihrer Präsidentin Nitsana Darshan-Leitner übernahm die rechtliche Ausarbeitung.
Am 15. Juni 2025 hatte eine iranische ballistische Rakete ein Wohngebiet in Bat Yam südlich von Tel Aviv getroffen. Neun Einwohner kamen ums Leben, 178 Menschen wurden verletzt. Insgesamt wurden 160 Gebäude beschädigt, von denen 22 unmittelbar abgerissen werden mussten. Tausende Menschen verloren vorübergehend ihr Zuhause.
Die Stadtverwaltung musste umfangreiche Notmaßnahmen finanzieren. Dazu gehörten die Evakuierung betroffener Bewohner, Hotelunterkünfte und Ersatzwohnungen, soziale Betreuung, Sicherheitsmaßnahmen sowie die Beseitigung der Trümmer und die Wiederherstellung öffentlicher Einrichtungen.
Ungewöhnliche Übergabe der Klageschrift in New York
Um das Gerichtsverfahren voranzubringen, musste nach israelischem Recht nachgewiesen werden, dass ein offizieller Vertreter des beklagten Staates die Klageschrift erhalten hatte oder zumindest Gelegenheit bekam, deren Inhalt zur Kenntnis zu nehmen.
Deshalb reisten Bürgermeister Brot und Darshan-Leitner in der vergangenen Woche nach New York. Dort versuchten sie, einem Vertreter der iranischen Mission bei den Vereinten Nationen die ins Persische übersetzte Klageschrift zu übergeben.
Nach Angaben von Ynetnews war die Aktion vier Monate lang vorbereitet worden. Das Team hatte Informationen über die Bewegungen iranischer Diplomaten gesammelt und Beobachter in der Nähe des UN-Hauptquartiers eingesetzt.
Schließlich gelang es der Delegation, den Ersten Sekretär der iranischen UN-Mission auf einer Straße in Manhattan anzusprechen. Der Diplomat erklärte, er dürfe keinen Kontakt mit den Israelis aufnehmen, und versuchte, sich zu entfernen. Die israelische Delegation begleitete ihn daraufhin ein Stück und verlas den Inhalt der Klageschrift.
🚨 DIPLOMATIC AMBUSH IN MANHATTAN: ISRAELI MAYOR HANDS IRAN A $78 MILLION BILL
Bat Yam Mayor Tzvika Brot, accompanied by attorney Nitsana Darshan-Leitner, president of Shurat HaDin – Israel Law Center, confronted a senior Iranian diplomat near UN headquarters in Manhattan to serve a NIS 250 million lawsuit against Iran.
The lawsuit seeks compensation for Iran’s June 2025 missile attack on Bat Yam during Operation Rising Lion, which killed 9 residents, injured 178 and damaged 160 buildings.
The operation reportedly took four months to prepare, with the Iranian diplomat attempting to avoid the delegation.
Brot declared:
“They sent us missiles, and we sent them a bill.”
The city hopes to recover compensation from funds linked to a longstanding $1.1 billion financial dispute between Israel and Iran.
@ShuratHaDin
Source: Ynet— Mossadil Commentary (@MOSSADil) November 8, 2026
Bürgermeister Brot bezeichnete die Aktion als Teil einer offenen Rechnung mit dem iranischen Regime. „Sie haben uns Raketen geschickt, und wir haben ihnen eine Rechnung geschickt“, erklärte er sinngemäß.
Entschädigung aus iranischen Geldern in Israel?
Die größte Schwierigkeit dürfte allerdings nicht die gerichtliche Durchsetzung der Forderung sein, sondern die tatsächliche Einziehung des Geldes.
Nach dem Bericht von Ynetnews hat Iran nun 60 Tage Zeit, auf die Klage zu reagieren. Sollte Teheran nicht antworten, könnte die Stadt ein Versäumnisurteil beantragen.
Die Stadtverwaltung hofft, mögliche Entschädigungszahlungen aus Geldern zu erhalten, die mit der israelischen Eilat-Aschkelon-Pipelinegesellschaft verbunden sind.
Das Pipelineprojekt geht auf die Zeit vor der Islamischen Revolution von 1979 zurück, als Israel und Iran noch diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen unterhielten. Ein internationales Schiedsgericht hatte Israel später zur Zahlung von rund 1,1 Milliarden Dollar an Iran verpflichtet. Israel verweigerte die Überweisung unter Verweis auf das Verbot finanzieller Geschäfte mit einem feindlichen Staat.
Sollte Bat Yam vor Gericht erfolgreich sein, hofft die Stadtverwaltung, einen Teil dieser Gelder für die Entschädigung verwenden zu können. Ob dies rechtlich und praktisch möglich ist, bleibt allerdings offen.
Nach Angaben von Ynetnews wurde die Initiative mit Unterstützung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, dem israelischen Außenministerium, dem Nationalen Sicherheitsrat sowie weiteren staatlichen Stellen vorangetrieben.
Darshan-Leitner betonte, der Kampf gegen Iran dürfe sich nicht auf militärische Maßnahmen beschränken. Auch vor Gerichten und durch den Zugriff auf finanzielle Vermögenswerte müsse das Regime für seine Angriffe auf israelische Zivilisten zur Verantwortung gezogen werden.
Über die genaue Höhe der Forderung gibt es unterschiedliche Angaben. Während Ynetnews von 250 Millionen Schekel berichtet, nennt Israel National News eine Forderung von rund 208 Millionen Schekel. Auch beim zuständigen Gericht weichen die Berichte voneinander ab.
Mit der Klage will die Stadtverwaltung von Bat Yam nach eigenen Angaben Iran für die Schäden des Raketenangriffs vom Juni 2025 finanziell zur Verantwortung ziehen. Ob die Forderung vor Gericht Erfolg haben wird und ob mögliche Entschädigungszahlungen tatsächlich eingezogen werden können, ist derzeit offen.



