Guten Morgen liebe Leser!
Als ich heute früh in Jerusalem aus dem Bus stieg, schien wieder die Sonne von einem strahlend blauen Himmel. Als hätte es die dramatischen Überschwemmungen der letzten Tage nicht gegeben. Eine neue Woche beginnt. Sie beginnt mit den Beerdigungen der drei letzten Opfer der Tragödie in der Wüste, bei der 10 junge Menschen ums Leben gekommen waren. Das ganze Land ist auch heute noch schockiert von diesem völlig sinnlosen Verlust 10 junger Leben. Gestern Abend versammelten sich mehrere tausend Menschen, vor allem Jugendlichen auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv, um der Opfer zu gedenken (siehe Titelbild).
Hier bei uns war diese Tragödie während des ganzen Wochenendes fast das einzige Thema. Am Freitag morgen gab es in allen Schulen eine besondere Unterrichtsstunde, in der man sich nur damit befasste. Wie klein unser Land ist und wie so eine Tragödie uns alle berührt, zeigt die Tatsache, dass der Bruder einer Klassenkameradin meines Sohnes zu den Überlebenden dieses tragischen Ausflugs in die Wüste gehört. Er, konnte sich, wie alle Jungs der Gruppe, bis auf einen, vor der Flutwelle retten. Die Mädchen waren schon im Flussbett und hatten keine Chance, der plötzlich auf die zukommenden Flutwelle zu entkommen. Der ums Leben gekommene Junge versuchte noch, zu helfen, wurde dann aber selbst von den Wassermassen erfasst. Drei weitere Mädchen der Schule sollten eigentlich auch an diesem Ausflug teilnehmen, doch sie blieben wegen einer wichtigen Mathematik-Prüfung zuhause. Unglaublich.
Die heutigen Tageszeitungen befassen sich natürlich auch fast ausschließlich mit der Tragödie. Sie veröffentlichen heute die Geschichten der Opfer und Berichte von Überlebenden.

Diese Tragödie hätte eigentlich gar nicht passieren dürfen. Denn schon Tage zuvor gab es Warnungen, der Vater einer Leiterin des Ausflugs hatte dazu geraten, den Ausflug zu verschieben, er ist stellvertretender Vorsitzender einer Rettungsorganisation im Negev und kennt sich aus. Der Direktor der Mechina, der Schule für die Vorbereitung auf den Dienst in der Armee, befindet sich in Untersuchungshaft. Er wird sich für seine Entscheidung, den Ausflug trotz zahlreicher Warnungen nicht auf einen anderen Termin verschoben zu haben, verantworten müssen. Er wird der fahrlässigen Tötung beschuldigt. Aber auch wenn er dafür bestraft werden wird, bringt es nicht die 10 jungen Menschen zu ihren Eltern zurück.

Ich möchte jetzt noch etwas zu diesen Vorbereitungs-Schulen erklären. Es geht bei diesem ein Jahr dauernden Kurs zur Vorbereitung auf den Armeeedienst nicht darum, die kämpferischen Fähigkeiten der zukünftigen Soldaten zu verbessern, wie einige Leser dachten. Darum geht es ganz und gar nicht. Bei diesen Mechina wird den Schülern unter anderem die Liebe zum Land nahe gebracht. Sie lernen das Land kennen, es werden ihnen Werte vermittelt, die Liebe zum Menschen, Verantwortung. Viele Absolventen dieser Mechinas belegen später in der Armee führende Positionen. Dafür haben sie ein weiteres Jahr gegeben, anstatt sofort nach der Schule mit dem Armeedienst zu beginnen. Es handelt sich bei diesen Mechinas um eine gute Sache und deren Schüler verdienen unsere Hochachtung. Schade, dass diese Tragödie nun einen schweren Schatten auf diese bestimmte Mechina, die Bnei Zion Mechina, wirft. Der Link führt zu einer übersetzten Version der Internetseite.
Und jetzt bin ich Ihnen noch das Wetter für heute schuldig. Es wird wieder wärmer, der Regen verabschiedet sich. Der Frühling ist wieder da.
Hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter bis wolkig mit einem Anstieg der Temperaturen. Im Nordosten kann es noch zu vereinzelten Regenschauern kommen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 26 Grad, Tel Aviv 25 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 31 Grad, am Toten Meer 33 Grad, Beersheva 30 Grad, Eilat am Roten Meer 31 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei -213.38 m unter dem Meeresspiegel.
Interessant ist, dass bei den ganzen Überschwemmungen der Wasserpegel des See Genezareth nicht angestiegen ist. Das scheint daran zu liegen, dass es hauptsächlich im Süden und Osten geregnet hat. Auch dauert es immer eine Weile, bis sich die Regenfälle auf den Wasserpegel auswirken.
Und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Sonntag. Hffen wir alle, dass die neue Woche eine gute Woche sein wird. Machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov




