Israel bestätigt offiziell, 2007 einen Atomreaktor in Syrien zerstört zu haben

Mehr als zehn Jahre mussten vergehen bis die israelische Militärzensur es erlaubte, Einzelheiten über die Zerstörung des Kernkraftwerks in Syrien zu veröffentlichen. Nun gibt Israel offiziell zu, den Angriff im September 2007 ausgeführt zu haben.

Mehr als zehn Jahre mussten vergehen bis die israelische Militärzensur es erlaubte, Einzelheiten über die Zerstörung des Kernkraftwerks in Syrien zu veröffentlichen. Nun gibt Israel offiziell zu, den Angriff im September 2007 ausgeführt zu haben.

Eigentlich war niemand wirklich überrascht, dass der Angriff auf den Kernreaktor im Herzen Syriens von der israelischen Luftwaffe ausgeführt worden war. Israel hatte sich bis jetzt jedoch nie dazu geäußert, sämtliche Informationen in der Presse bezogen sich auf ausländische Quellen, so wie es hier in Israel in solchen Fällen immer gerne gehandhabt wird, man schweigt. Dennoch war es eigentlich allen klar, dass es sich hier um eine israelische Operation gehandelt hatte. Doch Israel schwieg, 10 Jahre lang, und weigerte sich, offiziell die Verantwortung für den Angriff zu übernehmen. Allerdings gab es von Zeit zur Zeit immer mal ein paar Hinweise darauf, dass es sich um eine israelische Operation gehandelt hatte.

So veröffentlichte die Zeitung Haaretz im Jahr 2012 einen Artikel über das Buch Schattenkriege von Dan Raviv und Yossi Melman. Dabei wurden unter anderem Einzelheiten aus Gesprächen zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und dem damaligen Chef des Mossad Meir Dagan zitiert. Auch wurde recht genau beschrieben, wie Israel im Jahr 2004 auf Kontakte zwischen Syrien und Nordkorea bezüglich des Baus eines Kernreaktors aufmerksam wurde. Syrien war bereits in Besitz kleinerer Reaktoren, denen man damals nicht viel Aufmerksamkeit schenkte, da Syrien den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hatte und damit unter der Kontrolle der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) stand. Doch die Kontakte mit Nordkorea ließen Israel nun aufhorchen. Satellitenaufnahmen sollen dann gezeigt haben, dass es sich bei dem neuen verdächtigen Bau in Deir ez-Zor um ein Kernkraftwerk handelte.

Heute gibt Israel also offiziell zu, das Kraftwerk in Deir ez-Zor in der Nacht zum 6.9.2007 angegriffen zu haben. Insgesamt acht Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe warfen um die 24 Tonnen Sprengstoff auf das Kraftwerk ab. Alle Piloten kehrten sicher nach Israel zurück und das syrische Nuklear-Programm war vernichtet und Israel wieder etwas sicherer.

In den israelischen Medien wird heute ausführlich über die Operation von damals berichtet. Die Operation hatte den Namen „Mechutz LaKufsa“, frei übersetzt „jenseits des Tellerrands“ bekommen. In einem der heute erscheinenden Artikel wurde berichtet, wie sehr sich der damalige Generalstabschef Gabi Ashkenazi Sorgen machte, er befürchtete einen syrischen Gegenangriff. „Ich befürchtete, dass die Skyline von Tel Aviv nicht mehr so sein wird wie sie war“, wurde Ashkenazi zitiert. Doch es kam zu keiner syrischen Reaktion. Nachdem Syriens Präsident dann noch erklärte, es sei nur ein leerstehendes Lager zerstört worden, machte sich niemand mehr Sorgen um eine Reaktion auf den Angriff. Syrien wollte die Existenz der mit der Hilfe Nordkoreas errichteten Atomanlage verschweigen.

Die Operation Israels hatte von den USA und dem damaligen Präsidenten Bush die volle Unterstützung bekommen. Das sagte heute der damalige amerikanische stellvertretende Berater für die Nationale Sicherheit James Jeffrey in einem Interview für den israelischen Armeesender Galei Zahal. Demnach hätten die USA und Israel schon Monate vor der Operation über den besten Weg beraten, die nukleare Bedrohung aus Syrien zu eliminieren. Es sei klar gewesen, dass der gebaute Reaktor die Entwicklung eines Atomwaffenprogramms zum Ziel hatte. Daher hätten die Vereinigten Staaten voll hinter Israel gestanden, auch wenn sie selber nicht an der Zerstörung des Kernreaktors teilnehmen wollten, sagte Jeffrey. „Wir haben gesehen, wie die syrische Regierung Massenvernichtungswaffen benutzt, wenn sie es kann. Die Zerstörung des Reaktors war ein Segen für alle im Nahen Osten und für die Menschheit“, sagte er am Ende des Interviews.

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