Guten Morgen Israel – Normaler Alltag?

Am Sonntagmorgen wurde mir klar, dass der Weg in den normalen Alltag noch lang ist

von Dov Eilon | | Themen: Guten Morgen
Foto: Olivier Fitoussi/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Jetzt, wo die Zahlen der am Coronavirus Erkrankten täglich nach unten gehen, wird bei uns mit Begeisterung von der Rückkehr in das normale Alltagsleben gesprochen. Geschäfte haben wieder geöffnet, man kann sich bei Restaurants per „Take Away“ etwas zu essen holen, die Schulen und Kindergärten sind wieder offen, allerdings mit einer begrenzten Zahl von Kinder, und sogar die Fitness-Center und auch Friseure dürfen jetzt wieder öffnen. Klingt doch gut, oder?

In den letzten zwei Monaten hatte die israelische Armee ihre Soldaten selber in die Basen gefahren. So war es dann auch bei unserem Sohn, der seinen Armeedienst genau vor Beginn der Coronakrise begonnen hatte. Es gab einen Sammelpunkt hier bei uns in Modiin, wo Soldaten seiner Einheit abgeholt und nach einigen Tagen Dienst auch wieder zurückgebracht wurden. Das klappte wunderbar.

Doch damit war es nun mit der Rückkehr in die Normalität vorbei. Denn diese Fahrdienste kosten natürlich Geld und wenn die Regierung sagt, dass man in den normalen Alltag zurückkehrt, dann richtet sich auch die Armee danach. So wurden die Fahrdienste beendet und am letzten Sonntag sollten die Soldaten dann wieder, wie im normalen Alltag, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in ihre Basen fahren. Dabei muss erwähnt werden, dass die Züge erst in zwei Wochen wieder fahren werden.

Aber gut, der Alltag hat wieder begonnen, so fuhr ich meinen Sohn wie vor zwei Monaten zu einer Busstation in Pisgat Zeev, einem Stadtteil im Nordosten Jerusalems, wo wir bis vor acht Jahren selber gewohnt hatten. Von dort hat mein Sohn einen Bus, der bis zu seiner Basis bei Bet El, gleich gegenüber von Ramallah, fährt. Vier Stationen sind es bis dort. Der Bus fährt alle halbe Stunde, alles sehr einfach normalerweise. Aber dieser wieder begonnene normale Alltag war eben noch sehr weit entfernt von dem, was man als normal bezeichnen könnte. Denn an eine Sache scheint man bei der Armee und auch in der Regierung nicht gedacht zu haben. Die Busse dürfen auch jetzt nur mit höchsten 20 Fahrgästen fahren! Und wenn der Bus dann voll ist, fährt er weiter, ohne bei den kommenden Haltestellen zu halten. Tja, und genau das ist meinem Sohn passiert. Als sich der Bus der Station näherte, verabschiedete ich mich noch einmal von meinem Sohn und wünschte ihm eine angenehme Woche, ich warte immer gerne noch mit ihm auf den Bus. Und dann fuhr der Bus an uns vorbei, mein Sohn und ich waren überrascht. Na gut, sagte ich, der nächste Bus kommt ja in einer halben Stunde. So warteten wir und nutzen die Zeit mit einem Gespräch. Die Zeit verging wirklich schnell. Dann kam der nächste Bus. Ich verabschiedete ich ein weiteres Mal von meinem Sohn. Und dann fuhr der Bus an uns vorbei…

Normaler Alltag, verstehen Sie? So ging es dann noch zweimal, insgesamt haben wir mehr als anderthalb Stunden an der Busstation gestanden. Mittlerweile wurde mir klar, dass Soldaten im ganzen Land Stunden warten mussten, um in den Bus steigen zu können, kaum jemand kam pünktlich zu seiner Basis.

Mir war klar, dass wir noch ewig an der Busstation stehen könnten, es war schon spät. So hatte ich keine Wahl, ich musste meinen Sohn selber nach Bet El fahren. Ich war nicht so begeistert davon, denn ich bin noch nie in dieser Gegend gefahren und ich war etwas unsicher. Zu oft hatte es auf der Straße 60, die man fahren muss. Anschläge gegeben. Fast täglich kam es, jedenfalls vor der Coronakrise, zu Steinwürfen auf Autos, die eben weit wenige geschützt sind als Busse.

So fand ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, nach 32 Jahren in Israel, auf dem Weg nach Bet El. Wir fuhren durch den Hizme Kontrollpunkt, den ich früher, als wir noch in Pisgat Zeev wohnten, immer von meinem Wohnzimmerfenster aus sehen konnte. Dann ging es weiter in Richtung Geva Binyamin, wo es einen Supermarkt der Kette Rami Levi gibt, auch dort hatte es schon einige Anschläge gegeben. Dann sah ich Richtungsschilder zu weiteren bekannter Siedlungen, darunter Kochav Yaakov, Psagot und Maale Michmash. Es war etwas ungewöhnlich, zwischen Autos mit den grünen Nummernschildern der Palästinensischen Autonomiebehörde zu fahren. Und dann sah ich eine riesige „palästinensische“ Fahne. Die steht in Ramallah, das man von der Basis meines Sohnes sehr gut sehen kann. Ich verabschiedete mich ein letztes Mal von ihm, ich glaube, wir haben uns insgesamt viermal verabschiedet. Dann fuhr ich zurück nach Modiin.

Video: Kurzer Blick auf Ramallah

Wieder ging es zurück über die Straße 60, ich war sehr konzentriert, denn irgendwie macht man sich ja doch etwas Sorgen. War es Angst, dass etwas passieren könnte? Kann sein. Ja, leider ist auch das Teil unserer Normalität.

Als ich dann wieder zu Hause war, las ich, dass es im ganzen Land chaotische Zustände an den Busstationen gab und die Soldaten stundenlang festsaßen.

Chaos in der zentralen Busstation in Jerusalem

 

In der Basis meines Sohnes wurde dann gesagt, dass man sich um eine Lösung kümmern werde und ich den Nachrichten wurde dann berichtet, dass die Armee wahrscheinlich wieder selber ihre Soldaten fahren werde, solange es diese Beschränkungen und den öffentlichen Verkehrsmitteln noch gibt. Ich selber kann es nicht verstehen, wie man überhaupt glauben konnte, es sei nun alles wieder normal. Die Züge fahren ja noch nicht einmal. Aber immerhin hatte ich ein neues Erlebnis, die Fahrt nach Bet El. Sie sehen, auch nach 32 Jahren hier im Land kann man noch immer etwas Neues erleben.

Und jetzt das Wetter für heute in Israel:

Meistens sonnig mit einem weiteren Anstieg der Temperaturen. Es wird langsam heiß, der Sommer meldet sich zurück. Gegen Nachmittag starke nördliche Winde an der Küste.  Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 30 Grad, Tel Aviv 26 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 36 Grad, am Toten Meer 35 Grad, Beersheva 33 Grad, Eilat am Roten Meer 38Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 208.90 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen noch 10 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Dienstag und eine sichere Rückkehr in die Normalität. Bleiben Sie gesund.

Schalom aus Modiin!

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