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Guten Morgen Israel – Fiebermessen und Schlangestehen

Zum ersten Mal waren wir zu dritt unterwegs und haben die neue Corona-Realität kennengelernt.

Guten Morgen Israel – Fiebermessen und Schlangestehen
Nati Shohat/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Im Rahmen der langsamen Rückkehr in eine Art Alltag, worüber ich ja schon gestern ein paar Worte geschrieben habe, sind wir gestern zum ersten Mal zu dritt aus dem Haus gegangen, um einige Besorgungen zu machen. Zum ersten Mal seit Anfang März saß ich zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter im Auto. Unser jüngster Sohn wurde gestern früh wieder von einem Bus der Armee abgeholt, nachdem er eine Woche zu Hause gewesen war.

Wir fuhren zu unserem Einkaufszentrum, es ist ein offenes Zentrum, daher durften die Geschäfte dort schon wieder öffnen. Ab Donnerstag dürfen dann auch die Malls wieder ihre Tore öffnen. Ich brauchte dringend ein neues Telefon für zu Hause und ging daher zuerst zu einem Geschäft für Büroartikel. Und dann lernte ich die Corona-Realität kennen. Das Geschäft war eigentlich ziemlich leer, doch ich wurde aufgefordert, draußen zu warten, bis einer der Kunden den Laden verlassen würde. So vergingen dann so 10 Minuten, die ich mit einem Blick auf die anderen Geschäfte nutzte. Auch dort konnte man Warteschlangen sehen, besonders bei Optikern, Drogerien und einem Geschäft für Computer und Handys. Dort war die Warteschlange besonders lang. Ich war erstaunt über die Geduld der Menschen. Also ich hätte mich dort nicht angestellt. Da mache ich doch lieber eine Online-Bestellung. Und als ich so meine Gedanken vertieft war, hielt mir einer der Verkäufer plötzlich ein Fieberthermometer vor die Stirn. “36,3, bitte schön“, sagte er mir. Dann konnte ich mir ein neues Telefon aussuchen. Dabei wurde es immer nebliger, ich konnte kaum noch etwas sehen, da mein Atem durch die Schutzmaske direkt auf die Brillengläser geleitet wurde. Ein Problem, das ich lösen muss. Es gibt doch diese Antibeschlag-Tücher für die Windschutzscheibe im Auto, vielleicht helfen die auch bei den Brillen, dachte ich mir.

Dann ging ich zurück zu meiner Frau, die auf unsere  Tochter wartete, die gerade in einem Geschäft für alle möglichen Hobbys war, sie brauchte neue Farben. Nach dem Sommer wird sie ihr Textil-Design-Studium in Tel Aviv beginnen und unsere Wohnung gleicht einem Künstlerstudio. Bevor sie das Geschäft betreten wurde, musste sie ihren Namen, Adresse und Telefonnummer auf einem Blatt eintragen, so ist es vorgeschrieben. Und dann noch Temperatur messen und sie konnte ihre Farben kaufen.

Das muss nicht sein (aus Facebook)

Eigentlich wollten wir dann noch etwas Farbe kaufen, um eine Wand zu streichen, doch die Warteschlange vor dem großen Heimwerkermarkt war einfach zu lang, mindestens 30 Menschen warteten geduldig, in das Geschäft gelassen zu werden. Vielleicht ist Geduld eines der Dinge, die hier viele während der Coronatage gelernt haben. Denn das Schlangestehen war eigentlich nie so die Stärke der Israelis.

Da wir es nicht so eilig hatten mit dem Streichen unserer Wand, sind wir dann nach Hause gefahren. Auf dem Rückweg kamen wir noch an dem Kino vorbei, wo unsere Tochter genau einen Monat vor Beginn der Krise zu arbeiten begonnen hatte. Der Job dort war für die Mitfinanzierung ihres Studiums gedacht. Und dann wurde sie in den unbezahlten Urlaub geschickt.  Es gibt Gerüchte, dass die Kinos auch bald wieder öffnen dürfen. Ich bin gespannt, wie ein Kinobesuch in der “Post-Corona-Zeit” aussehen wird, wenigstens in der Zeit, wo wir auf die Impfung gegen das Coronavirus warten. Ich persönlich hätte es nicht eilig, unbedingt wieder ins Kino zu gehen, aber das behalte ich für mich, ich will meiner Tochter die Hoffnung auf die Rückkehr in die Arbeit nicht verderben. Ende Oktober, dann beginnt ihr Studium, werden wir hoffentlich viel schlauer sein.

Sicher ist, dass ich mir ich in der nächsten Zeit kein neues Fieberthermometer kaufen muss. Es reicht, einkaufen zu gehen, die Temperatur bekommt dann automatisch mit.

Überall: Fiebermessen am Eingang zum Machane Jehuda Markt in Jerusalem

 

Und hier das Wetter für heute in Israel:

Teilweise bedeckt und deutlich kühler. Im Laufe des Tages wird es windig werden und auch der Regen meldet sich noch einmal zurück. Dabei kann es auch einige Gewitter geben. In den Wadis im Osten und Westen besteht die Gefahr von Blitzfluten. In der kommenden Nacht wird sich der Regen bis in den nördlichen Negev ausbreiten. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 19 Grad, Tel Aviv 21 Grad, Haifa 18 Grad, Tiberias am See Genezareth 23 Grad, am Toten Meer 29 Grad, Beersheva 22 Grad, Eilat am Roten Meer 33 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei –208.92 m unter dem Meeresspiegel, es fehlen noch 12 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Vielleicht wird der Genezareth See ja noch etwas von dem Regen abbekommen, jeder Zentimeter ist willkommen.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Dienstag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Modiin!