Ein neues Gesetz soll verabschiedet werden, das Personen für sechs Monate hinter Gittern bringen könnte, wenn sie einen israelischen Minderjährigen zum orthodoxen Judentum „konvertieren„. Der Gesetzesvorschlag basiert auf einer ähnlichen Regelung, die oft von orthodoxen Juden benutzt wird, um messianisch-jüdische und christliche „missionarische Aktivitäten“ einzudämmen.
Vielleicht scheint dieser erste Gesetzesvorschlag seitens der noch nicht endgültig gebildeten neuen „Regierung des Wandels“ tatsächlich darauf abzuzielen, den jüdischen Staat auf den Kopf zu stellen.
Im Koalitionsbündnis der Einheitsregierung, die dieser Tage geformt wird, sind keine ultraorthodoxen jüdischen Parteien dabei. Die säkularen linken Elemente in der Koalition ergreifen nun natürlich die Gelegenheit, das zurückzudrehen, was sie als zügellosen religiösen Zwang im Land betrachten.
Der von Knessetmitglied Tamar Zandberg von der linksradikalen Meretz-Partei eingebrachte Vorschlag zielt darauf ab, das Strafgesetzbuch dahingehend zu ändern, dass es ausdrücklich verboten sein wird, einen israelischen Minderjährigen (unter 18 Jahren) in irgendeiner Weise zu verleiten oder zu überreden, „Buße zu tun“ und zum orthodoxen Judentum zurückzukehren (oder ihm beizutreten), was im Hebräischen chazarah b’tshuvah (חזרה בתשובה) genannt wird. Er definiert eine solche „Reue“ als die Veranlassung eines Minderjährigen, vom Säkularen zum Religiösen überzugehen.

Der Vorschlag stellt fest, dass es zahlreiche orthodoxe Körperschaften im Land gibt, die sich derzeit in solchen Aktivitäten engagieren, unter anderem durch Massenveröffentlichung von Flugblättern, Traktaten und anderen gedruckten Materialien.
Der Vorschlag stützt sich auf eine allgemeinere Klausel im Strafgesetzbuch, die es verbietet, Minderjährige zum Übertritt zu einer anderen Religion zu bewegen. Diese Klausel wird oft von orthodoxen jüdischen Gruppen angeführt, um das zu bekämpfen, was sie als „missionarische Aktivitäten“ von messianischen Juden und Christen sehen, aber sie haben nie in Betracht gezogen, dass die Klausel auch für sie selbst gilt.
Gebetswache
Am Dienstag protestierte eine Gruppe junger orthodoxer jüdischer Männer im Rahmen einer Gebetswache vor Zandbergs Haus in Tel Aviv.

Gefährlicher als Islamisten
Viele auf der rechten Seite des politischen Spektrums verweisen derweil auf Zandbergs Vorschlag als Beweis dafür, dass es besser gewesen wäre, eine rechte Regierung zu bilden, die die islamistische Partei Ra’am einschließt, als eine „Einheits“-Koalition mit säkularen Linken zu bilden.
Direkt nach den Wahlen im März, als Premierminister Benjamin Netanjahu das Mandat zur Bildung der nächsten Regierung innehatte, reagierte man bestürzt über das, was als sein einzig gangbarer Weg zu einer Koalition angesehen wurde – eine enge Regierung, die die Likud, die ultra-orthodoxen Parteien Schas und Vereinigtes Tora-Judentum sowie die nationalistische Fraktion des Religiösen Zionismus einschließt und extern von Ra’am unterstützt wird.
Zu dieser Zeit gaben hochrangige Rabbiner eine Erklärung heraus, in der sie versuchten, rechte Dissidenten zu beruhigen. Sie bestanden darauf, dass es besser sei, sich mit arabischen Islamisten zu verbünden als mit säkularen und atheistischen Juden (wie Zandberg sich selbst definiert).




