Ein sehr ergreifendes Ballett

Unsere Praktikantin Eliane berichtet über eine Inszenierung der „Jerusalem Ballet Company”, die sich mit der Geschichte der jüdischen Tänzerin Franciska Mann beschäftigt.

Ein sehr ergreifendes Ballett
Eliane Müller

Am Samstagabend war ich von meiner Mitbewohnerin zu einer Ballettaufführung eingeladen, in dem sie eine der Hauptrollen tanzt. Sie berichtete mir vorher von dem Stück und dessen Geschichte. Das Ballett „Memento“ von der Jerusalem Ballet Company, welches am Samstag im Jerusalem Theater aufgeführt wurde, beruht auf der wahren Geschichte von Fransceszka Mann, einer mutigen Jüdin im Holocaust, und ihrer Familie.

Damals verkauften die Nazis Papiere an reichere jüdische Familien, die diese aus dem Land und in ein sicheres neutrales Land bringen sollten. So erwarb auch die polnisch-jüdische Familie der erfolgreichen Ballerina Fransceszka Mann solche Papiere, packte ihre Sachen und stieg hoffnungsvoll in den Zug in die Freiheit. Doch der Zug fuhr in die genau entgegengesetzte Richtung. Nach Auschwitz. Die Papiere waren nämlich nur ein Betrug, dieser Fall ist auch bekannt als die Hotel-Polski-Affäre.

Fransceszka Mann

Fransceszka Mann (Creative Commons)

Das Ballett mit der Choreografie von Nadya Timofeyeva erzählt die Geschichte auf eine sehr sensible und unglaublich emotionale Weise. In ihren Augen ist es wichtig, dass die Geschehnisse des Holocaust ein Thema bleiben, dass darüber gesprochen wird und sichergestellt wird, dass sich die Geschichte nicht noch einmal wiederholt. Deshalb hat sie sich mutig ausdrücklich an dieses sehr schwere und sensible Thema herangetraut.

Im Vorfeld hat sich jeder Einzelne mit dem Holocaust und dem Leben und den Schicksalen der Betroffenen beschäftigt, was nicht immer einfach und emotional sehr erschöpfend war. Allen Tänzern und Mitwirkenden, genauso wie Nadya Timofeyeva, liegt es sehr am Herzen, mit dem Stück etwas zu bewirken, etwas Bleibendes zu schaffen. An die Vergangenheit zu erinnern, an die Gegenwart zu appellieren und für eine gute Zukunft zu sorgen.

Genau das merkte man auch auf der Bühne. Es wurde mit Emotionen getanzt und gespielt. Gesprochen wurde nicht, doch es brauchte keine Worte, um das rüberzubringen, was die Tänzer ausdrücken wollten. Jede Bewegung zeugte von der Verzweiflung, aber auch von der Hoffnung, die die Personen immer noch in sich trugen. Der eine mehr, der andere weniger.

Diese Hoffnung brachte auch Fransceszka Mann dazu, im Angesicht des Todes, beim Ausziehen vor der Gaskammer, einen Aufseher abzulenken, ihm seine Waffe zu entwenden und auf ihn und die anderen Aufseher zu schießen. Dabei tötete sie einen von ihnen und verletzte einen weiteren, und löste einen großen Aufstand aus.

Es ist ein Ballett mit Höhen und Tiefen und von Freude bis Verzweiflung ist alles dabei. Der Zuschauer kommt nicht daran vorbei, wenigstens an einigen Stellen Tränen in den Augen und eine Gänsehaut zu haben. Außerdem bleibt man nicht nur Zuschauer, sondern wird auch teilweise mit einbezogen und kann zumindest bruchstückhaft nachvollziehen, wie es sich damals angefühlt haben muss. Hierzu werden Licht- und Toneffekte geschickt eingesetzt, die dem Zuschauer das Gefühl geben, es ginge um ihn.

Und vielleicht ging es auch um uns. Um jeden von uns mit seiner eigenen Geschichte und die gemeinsame Aufarbeitung eines immer noch so schweren geschichtlichen Themas. Für mich war es ein komisches Gefühl, als Deutsche unter den vielen Israelis dieses israelische Stück über den Holocaust zu sehen. Wir kommen von so unterschiedlichen Hintergründen. Ich selbst habe sowohl jüdische Vorfahren als auch welche, die in der SS waren.

Als meine Mitbewohnerin und ich zusammensaßen und über den Holocaust, unsere Familiengeschichten und unsere Gedanken dazu austauschten, wurde uns klar, dass wir trotz unterschiedlicher Vergangenheiten und Hintergründe einiges gemeinsam haben. Es ist unsere Geschichte und wir sollten dafür sorgen, dass diese sich nicht noch einmal wiederholt.

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