Ein Morgen in Tiberias am See Genezareth

von David Shishkoff

Der See Genezareth weckt nicht nur die Sehnsucht der Israelis, sondern vielleicht noch viel mehr die der Christen.

Foto: David Shishkoff

Guten Morgen liebe Leser!

Ich sitze hier in Tiberias in einer fast leeren Hotellobby mit Blick auf den See Genezareth, nachdem ich die Uferpromenade vom Gelände des Scots Hotel hinuntergeschlendert bin, mit den Wellen, die zu meiner Linken plätschern, und den schwarzen Basaltsteinbauten zu meiner Rechten.

Der „See“ von Galiläa ist Israels einziger echter See; und Tiberias an seinem Westufer ist Israels einzige Stadt an einem See. Auf Hebräisch heißt er „Kineret“, im Neuen Testament als Gennesaret übersetzt. Der See ist voll. Sein kühles blaues Wasser ist so hoch, wie ich es noch nie gesehen habe.

Es scheint mir, als ob die Uferpromenade von Tiberias sehnsüchtig auf ihre christlichen Pilger aus den Nationen wartet, um sie noch einmal zu besuchen. Die Holzboote, die früher den Pilgern halfen, „hinaus in die Tiefe“ zu fahren, stehen heute vertäut am Dock. Einige der Restaurants und Geschäfte haben ihren Betrieb eingestellt. Eineinhalb Jahre Corona haben der Stadt zu schaffen gemacht. Bevor der Virus den ausländischen Tourismus abwürgte, kamen jährlich weit über eine Million christliche Touristen an den See Genezareth, um die Wellen zu sehen, auf denen Simon Petrus und sein Rabbi wandelten. Neben Jerusalem ist der See Genezareth eines der Hauptziele für Touristen, die nach Israel kommen. Jede christliche Tour in Israel führt hier vorbei, und die meisten von ihnen verbringen ein paar Nächte hier in Tiberias.

Oft als „Jesus-Boote“ bezeichnet, sind sie bereit und warten auf die Rückkehr der christlichen Touristen.

Der McDonalds an der Uferpromenade hat seinen Betrieb eingestellt. Etwa 100 Meter weiter südlich ragt das steinerne Minarett einer historischen muslimischen Moschee in den Himmel, nur um von dem strahlend weißen Leonardo-Hotel in den Schatten gestellt zu werden. Die städtische Reinigungscrew schleppt einen Wasserschlauch auf die Promenade und zögert, als hätte sie halb vergessen, wie man ihn benutzt.

Die israelischen Urlauber kehren mittlerweile zurück, hoffentlich rechtzeitig, um einige der auf Tourismus basierenden Geschäfte zu retten, jetzt, da die COVID-Beschränkungen aufgehoben sind.

Ein Trauerfall in Tiberias am See Genezareth?

Als ich die größtenteils leere Uferpromenade entlanglaufe, werde ich an einen Vers erinnert:

„Die Straßen zu Zion trauern,
denn niemand kommt zu ihren Festen.
Alle ihre Tore sind verwaist.“ (Klagelieder 4)

Tiberias ist auf jeden Fall ein Rätsel. Ich habe über ein Jahrzehnt lang in der Nähe gelebt. Es ist eine Stadt mit großem Potenzial, eine Stadt, die sowohl Zuneigung als auch Mitleid erregt. Der erfrischende See Genezareth weckt bei Israelis nationale Gefühle von „Besitz“ und Sehnsucht, aber vielleicht noch mehr bei Christen. Tiberias ist eine seltsame Mischung aus ultra-orthodoxen Juden, jungen säkularen israelischen Paaren auf dem Weg zu einem Wochenendausflug und überschwänglichen christlichen Touristen auf inspirierenden Glaubens-Pilgerreisen.

Während ich hier sitze, erinnere ich mich plötzlich an einen kuriosen Beweis für diese fast mystische neutestamentliche Affinität zum See Genezareth, wo so viel vom Evangelium passiert ist.

Elvis Presley selbst nahm 1972 einen Gospel-Hit auf:

Put your hand in the hand of the man who stilled the waters
Put your hand in the hand of the man who calmed the sea
Take a look at yourself and you can look at others differently
Put your hand in the hand of the man from Galilee.

Leg deine Hand in die Hand des Mannes, der die Wasser stillte
Leg deine Hand in die Hand des Mannes, der den See beruhigte
Sieh dich selbst an und du kannst andere anders betrachten
Lege deine Hand in die Hand des Mannes aus Galiläa.

 

Bis vor kurzem schien es mir, als ob Tiberias immer noch den Atem anhielt und versuchte, sich zu entscheiden, ob es eine moderne, wohlhabende israelische Stadt werden sollte oder einfach stur an seiner staubigen Geschichte von fast zwei Jahrtausenden festhalten muss, in denen es einen Rest von religiösen Juden beherbergte, die versuchten, hier trotz der römischen, dann byzantinischen, dann arabisch-muslimischen, dann türkisch-osmanischen und dann britischen Besatzer ein Auskommen zu finden. Und nun ein Blick auf das Wetter und dem Pegelstand unseres geliebten Genezareth Sees.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis heiter mit einem leichten Rückgang der Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 25 Grad, Tel Aviv 26 Grad, Haifa 25 Grad, Tiberias am See Genezareth 30 Grad, am Toten Meer 33 Grad, Beersheva 30 Grad, Eilat am Roten Meer 36 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,47 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 67 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Nun muss ich mein Laptop einpacken und zu meinem Meeting gehen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, von hier in Galiläa. Und an alle von Ihnen in den Nationen, die einen Besuch in Erwägung ziehen, Sie sind herzlich eingeladen, bald wiederzukommen!

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