Die Israel-Paranoia der Türkei

Ein israelisches Paar, das beschuldigt wurde, den türkischen Präsidenten auszuspionieren, zeigt die Fragilität des Nahen Ostens auf

von Edy Cohen | | Themen: Türkei
Die Türkei ist ein beliebtes Reiseziel für israelische Touristen, aber vielleicht sollten sie über Alternativen nachdenken. Foto: Kobi Gideon/Flash90

Die Verhaftung eines israelischen Touristenpaares in der Türkei vor etwa einer Woche wirft die Frage auf, wer der türkische Präsident ist und welche Vorstellungen und Absichten er gegenüber Israel hat.

Im September, vor dem aktuellen Vorfall, wurde eine israelische Frau in der Türkei verhaftet. Die junge Frau ging mit einem kurdischen Freund in eine Bar in Istanbul und wurde zusammen mit ihrem Freund verhaftet, als es zu einer Schlägerei kam, in die ihr Freund verwickelt war. Die Israelin wurde unter dem Verdacht verhaftet, Mitglied einer kurdischen terroristischen Vereinigung zu sein. Es war allen klar, dass es sich um falsche Anschuldigungen handelte. Die junge Frau wusste nicht einmal, was die kurdische Organisation war. Sie wurde schließlich freigelassen und kehrte nach Israel zurück.

Die Verhaftung des israelischen Ehepaars ist ebenso merkwürdig wie die obige Episode. Jeden Tag fotografieren Touristen Erdogans Haus von demselben Punkt aus, an dem das israelische Paar verhaftet wurde. Warum wurden sie in Gewahrsam genommen? Und warum wird ihnen nicht weniger als politische Militärspionage vorgeworfen? [Das Paar, Natali und Mordy Oknin, wurde in der Nacht zum Donnerstag aus der Haft entlassen und befindet sich bereits wieder zu Hause in Israel.]

Mordy Oknin wird von seiner Familie umarmt, nachdem er und seine Frau Natali am Donnerstag nach einer Woche in einem türkischen Gefängnis nach Israel zurückgekehrt sind.

Hat die türkische Regierung Angst vor israelischen Touristen? Fürchtet sie sich wirklich so sehr vor Israelis, dass sie paranoid gegenüber allem Israelischen wird? Oder will sie nur Gelegenheiten erfinden, um Israel zu beschimpfen?

Vor weniger als einem Monat berichteten die türkischen Behörden stolz von der Verhaftung von 15 angeblichen Mossad-Agenten. Sie veröffentlichten sogar Bilder der sogenannten israelischen Spione. Aus ihren Namen geht hervor, dass es sich nicht um Juden handelt. Das offizielle Israel zeigte sich von der Verhaftung nicht beeindruckt.

Drei schwerwiegende Fälle in den letzten Monaten, in denen Israelis oder sogenannte Mossad-Agenten verhaftet wurden, werfen die Frage auf, was in der Türkei vor sich geht. Dienten diese Verhaftungen dazu, das Ansehen der Türkei in der arabischen Welt zu erhöhen und Erdogan als Kämpfer gegen Israel und die Zionisten darzustellen?

Denn würde man in den arabischen Ländern eine Umfrage durchführen, wer am würdigsten ist, die sunnitisch-muslimische Welt zu führen, dann würde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zweifellos die meisten Stimmen erhalten. Die Popularität des türkischen Präsidenten in der arabischen Welt ist sehr hoch, was zum großen Teil auf seine Äußerungen im Namen des Islam und zugunsten der Muslime zurückzuführen ist – aber auch auf seine Unterstützung der Palästinenser und seine Beschimpfung Israels. Erdogan wird als ein Führer dargestellt, der die Palästinenser und die Al-Aqsa-Moschee verteidigt. Bei jeder Gelegenheit prangert er Israel an, insbesondere in Zeiten der Spannungen und des Krieges zwischen Israel und Gaza. Die Verhaftung des israelischen Paares und der mutmaßlichen Mossad-Agenten war für den türkischen Präsidenten eine weitere Gelegenheit, der arabischen Welt zu beweisen, dass er gegen Israel kämpft, und Popularitätspunkte zu sammeln.

Vor einigen Wochen wurde berichtet, Erdogan umwerbe Israel und wolle sich mit Staatspräsident Isaac Herzog treffen. Zumindest wurde das in den israelischen Medien verkündet. Wer mit Erdogans Arbeitsweise vertraut ist, kann das verstehen. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt kann er im Interesse seiner wahrgenommenen Interessen – d. h. seiner Beliebtheit auf der arabischen Straße – auf unterschiedliche Weise handeln, auch wenn das bedeutet, dass er an einem Tag für Sie und am nächsten Tag gegen Sie ist. Im Moment versucht Erdogan, die Verhaftung der Israelis als eine weitere, öffentlichkeitswirksame Gelegenheit zu nutzen, um Israel zu beschimpfen. Es ist zu erwarten, dass ein solches Ereignis seine Popularität weiter steigern wird – vor allem, wenn Israel Zugeständnisse macht und einen Preis für die Freilassung des verhafteten Paares zahlt.

Zum Schluss noch eine Botschaft an die türkischen Behörden:

Nicht jeder Israeli gehört dem Mossad oder einer kurdischen Terrororganisation an. Nicht jeder Israeli, der an türkischen Touristenzielen Fotos macht, ist ein Spion, und nicht jeder Israeli ist gegen die Türkei. Es ist an der Zeit, die Paranoia zu beenden. Und auch für Israelis ist es an der Zeit, die Türkei als Reiseziel durch Griechenland oder Dubai zu ersetzen.

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