Die äthiopischen Proteste aus biblischer Sicht

Solomon Tekahs tragischer Tod letzte Woche hat zu einer Welle von Unruhen und Demonstrationen im ganzen Land geführt.

Flash90

Der 18-jährige Israeli äthiopischer Abstammung war von einem Polizisten außer Dienst erschossen worden. Der Polizist gab an, er sei mit seiner Familie in einem Park in Kiriat Haim gewesen, als er zufällig sah, wie Tekah und zwei seiner jüngeren Freunde einen 13-Jährigen attackierten. Der Polizist habe den Streit beendet. Als der Polizist zurück zu seiner Familie gegangen sei, berichtet er, haben Tekah und seine Freunde ihn mit Steinen beworfen, wobei er an Kopf und Schulter getroffen worden sei. Weil der Polizist sein Leben und das seiner Familie bedroht sah, habe er seine Waffe gezogen und Warnschüsse abgegeben. Einer der laut Polizist Richtung Boden abgegebenen Schüsse haben dann Tekah getroffen und ihn tödlich verletzt.

Die Freunde des jungen Äthiopiers gaben eine andere Version der Ereignisse, sie berichteten, dass der Polizist sehr feindselig aufgetreten sei. Der Vorfall führte zu Unruhen in ganz Israel. Viele protestierende Israelis äthiopischer Abstammung wurden inhaftiert, weil sie Reifen anzündeten und Steine auf Polizisten warfen. Etliche Sicherheitskräfte wurden verletzt. Die Polizei reagierte mit Tränengas.

Der Schaden geht in die Millionen, denn die Demonstranten haben Autos in Tel Aviv, Kiriat Ata, Netanja und Aschdod angegriffen und teilweise auch in Brand gesetzt. Zehntausende Berufspendler standen stundenlang im Stau. In den sozialen Netzwerken machten Videos die Runde, in denen Autofahrer zu sehen sind, die auf den Autobahnen bei Tel Aviv aus ihren Autos steigen und anfangen, Fußball zu spielen. Ein Video zeigt eine die Autobahn zu Fuß entlang eilende Braut, auf dem Weg zu ihrer Hochzeit. Eine aufgelöste Mutter musste den Rettungsdienst anrufen, weil sie für ihr hungriges 5-Monate altes Baby keine Nahrung mehr hatte.

Premierminister Netanjahu sagte angesichts der Proteste: „Es gibt Probleme, die noch gelöst werden müssen. Wie haben schon daran gearbeitet, müssen aber noch stärker daran arbeiten, um sie zu lösen. Eine Bitte habe ich: Lasst das mit den Straßenblockaden. Wir sind ein Rechtsstaat, wir werden das nicht tolerieren. Respektieren Sie das Gesetz.“

Viele Israelis fragen sich, ob die Proteste den gewünschten Effekt erzielen oder ob sie zu weit gegangen sind. Die Familie des Verstorbenen wandte sich jedenfalls mit der Bitte an die Öffentlichkeit, keine Proteste abzuhalten, bis die Trauerzeit zu Ende sei. „Nach der Shiva werden wir organisierte Proteste in Absprache mit den Behörden abhalten, die das öffentliche Leben nicht beeinträchtigen, selbstverständlich ohne Gewalt.“ Die Proteste dauernd derweil an, wenn auch weniger intensiv.

Israel ist ein relativ junges Land mit Einwanderern aus aller Welt. Ein Teil der Schönheit des Landes ist die multikulturelle Gemeinschaft, in der alle dieselben Wurzeln teilen. Brüder, die vor 2000 Jahren verstreut worden sind, und nun wieder zueinanderfinden. Dieses Zusammenwachsen geht jedoch leider nicht immer nahtlos vonstatten. Mit jeder neuen Welle an Immigranten scheint es, als spielten sich bereits niedergelassene Gruppen in diskriminierender, abweisender Haltung auf. Die Mizrachim haben seitens der Aschkenasim Diskriminierung erfahren, später waren es die Einwohner aus der Sowjetunion, denen es von Aschkenasim und Mizrachim schwer gemacht worden ist. Die äthiopische Gemeinschaft ist die letzte, die en masse in ihr jüdisches Heimatland eingewandert ist, und sieht sich nun denselben Herausforderungen gegenüber.

Eines ist sicher: Gewalt darf nicht mit mehr Gewalt begegnet werden. Die Lösung des Problems liegt in einer vernünftigen, biblischen Weltansicht. Hier müssen Brücken gebaut werden. Die messianischen Juden beispielsweise haben hier Gelegenheit, den Äthiopiern zu vermitteln, dass sie in Gottes Augen genauso viel wert sind, wie andere Menschen. In Römer 2,11 heißt es: „Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person.“ Solche Stimmen wären ein starker Kontrast zu anderen, wie jene des Rabbinats, die oft die jüdische Identität der Äthiopier anzweifeln und verlangen, dass diese „zum Judentum konvertieren“, als sei ihre jüdische Identität und das Ausüben der Religion, die sie sich 2000 Jahre lang bewahrt haben, nicht genug.

Gott hat uns alle verschieden gemacht und das liebt er an uns: „Und er hat aus einem Blut jedes Volk der Menschheit gemacht, dass sie auf dem ganzen Erdboden wohnen sollen“ (Apg. 17,26). Wir Gläubige sollten bei Kontroversen aufstehen und Christi Liebe deklarieren, Hoffnung und Vergebung aussprechen. Meiner Meinung nach findet dies am besten Ausdruck in der Vision des Johannes: „Siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Kleidern, und Palmzweige waren in ihren Händen.“ (Off. 7,9) Daher lasst uns nicht nach der Farbe oder Nationalität unser Leben leben, sondern Gottes einzigartiges Abbild in jedem von uns sehen, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

 

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