Katharina von Schnurbein hat am Mittwoch ihr Amt als neue Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus angetreten. Die bisherige Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission folgt auf Felix Klein, der nach acht Jahren im Amt Ende August als deutscher Botschafter zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach Paris wechselte.
Die Bundesregierung hatte die Ernennung der Politikwissenschaftlerin bereits am 14. Oktober bekannt gegeben. Von Schnurbein war seit 2015 bei der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens zuständig. Nun übernimmt sie diese Aufgabe auf Bundesebene in einer Zeit, in der jüdische Gemeinden in Deutschland zunehmend über Anfeindungen und Bedrohungen berichten.
Wie der Deutschlandfunk am Mittwoch berichtete, zeichnete die neue Beauftragte in einem Interview mit der „Rheinischen Post“ ein besorgniserregendes Bild der gegenwärtigen Situation. Deutschland befinde sich hinsichtlich des Antisemitismus in einer Lage, wie es sie seit der Schoah wahrscheinlich nicht mehr gegeben habe. Judenhass werde inzwischen wieder offen verbreitet, ohne dass die Verantwortlichen ernsthafte Konsequenzen befürchteten.
Von Schnurbein betonte, dass Antisemitismus unabhängig von seiner politischen Herkunft bekämpft werden müsse. Dabei verwies sie auf rechtsextreme, linksextreme und islamistische Strömungen, die trotz ihrer unterschiedlichen Weltanschauungen im Antizionismus und Antisemitismus Gemeinsamkeiten fänden.
Ihr langfristiges Ziel sei es, jüdisches Leben in Deutschland wieder zu einer Selbstverständlichkeit zu machen. Jüdische Kinder dürften auf Schulhöfen nicht angefeindet werden, und der Begriff „Jude“ dürfe kein Schimpfwort sein. Ebenso müsse es möglich werden, jüdische Schulen zu besuchen, ohne auf Polizeischutz und Panzerglas angewiesen zu sein.
Jüdische Organisationen begrüßen die Ernennung
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte die Berufung von Schnurbeins ausdrücklich. In einer offiziellen Stellungnahme vom 14. Oktober erklärte er, die neue Beauftragte sei international hervorragend vernetzt und genieße innerhalb der jüdischen Gemeinschaft großes Ansehen.
Schuster verwies zugleich auf die Entwicklung seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Nach dem starken Anstieg antisemitischer Vorfälle sei inzwischen eine zunehmende Normalisierung des Judenhasses zu beobachten. Häufig trete dieser unter dem Deckmantel des Antizionismus auf.
Gegenüber dem Deutschlandfunk forderte Schuster zudem, die bestehenden strafrechtlichen Möglichkeiten bei antisemitisch motivierten Straftaten, darunter Volksverhetzung und Körperverletzung, konsequenter auszuschöpfen.
Auch Menachem Margolin, Vorsitzender der Europäischen Jüdischen Vereinigung (EJA), begrüßte den Amtsantritt. Kaum jemand kenne die jüdischen Gemeinden Europas so gut wie von Schnurbein, erklärte er auf der Plattform X. Gerade in der gegenwärtigen Situation sei diese Erfahrung besonders wichtig.
Congratulations to @kschnurbein on taking office today as Germany’s Federal Commissioner for Jewish Life and the Fight against Antisemitism. Few people know Europe’s Jewish communities as well as she does, and few moments have needed that experience more. We look forward to working together. https://t.co/r2HJReB9Gh
— Rabbi Menachem Margolin (@MargolinRabbi) October 28, 2026
Die neue Beauftragte will Deutschland auch auf europäischer Ebene eine stärkere Rolle bei der Bekämpfung des Antisemitismus geben. Das Land müsse dabei zu einem Motor innerhalb Europas werden.
Das Amt des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung wurde 2018 geschaffen und ist beim Bundesinnenministerium angesiedelt. Neben der Bekämpfung antisemitischer Einstellungen und Straftaten gehört auch die Förderung jüdischen Lebens in Deutschland zu seinen zentralen Aufgaben.



