Deutsche Bundeswehr hat wieder Militärrabbiner

Zum ersten Mal seit fast 100 Jahren und 76 Jahre nach dem Holocaust werden wieder Militärrabbiner in der deutschen Armee dienen.

von Yossi Aloni |
Rabbiner Mordechai Eliezer Bala bei der zweijährlichen Tagung der Conference of European Rabbis (CER) in Antwerpen im Mai 2019 Foto: Eli Itkin

Bild: Rabbiner Mordechai Eliezer Bala bei der zweijährlichen Tagung der Conference of European Rabbis (CER) in Antwerpen im Mai 2019 

 

Knapp anderthalb Jahre, nachdem sich Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland für die Wiedereinführung der Position von Militärrabbinern in der Bundeswehr eingesetzt hat, und fast ein Jahr, nachdem der Bundestag der Entscheidung zugestimmt hat, verkündete Ratspräsident Dr. Josef Schuster nun die Ernennung von Rabbiner Mordechai Eliezer Bala – Mitglied des Deutschen Rabbinerkomitees und Gewinner des Maharal Matanel Preises auf der zweijährlichen Tagung der Conference of European Rabbis (CER) – zum ersten Bundesmilitärrabbiner der Deutschen Bundeswehr.

In naher Zukunft werden rund zehn weitere Rabbiner in das Oberste Militärrabbinat berufen.

Ein Soldat beim Gebet in der Großen Synagoge in Frankfurt (Foto: Raphael Ehrlich)

Die Ernennungszeremonie findet in drei Wochen in Leipzig statt, wo Rabbiner Bala – ein Absolvent des Hildesheimer Rabbinerseminars – als Oberrabbiner fungieren wird. An der Zeremonie werden neben Mitgliedern des Zentralrats der Juden in Deutschland auch der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer und der Vizepräsident des Ständigen Ausschusses der Konferenz Europäischer Rabbiner (CER), Rabbiner Avichai Apel, teilnehmen.

 CER-Präsident Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt begrüßte den historischen Schritt: „Abgesehen von dem praktischen Nutzen für die 300 jüdischen Soldaten, die in der Bundeswehr dienen, ist dies ein klares Statement Deutschlands, wie der Verteidigungsminister bei der Unterzeichnung der Vereinbarung der Militärrabbiner mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland sagte“. Und weiter: „Ich sehe in Deutschland, in dieser Ernennung, ein klares Statement an Europa und die ganze Welt, gerade in diesen herausfordernden Zeiten, nein, im großen Tausend, zum Antisemitismus.“

Kurz nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahr 1933 wurde die Tätigkeit von Rabbinern in der deutschen Armee verboten. 75 Jahre später legte die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer einen Gesetzentwurf zur Wiederherstellung der militärischen Rabbinertätigkeit in Deutschland vor, der sechs Monate später vom Parlament angenommen wurde. In einer Rede vor dem Parlament sagte die Verteidigungsministerin: „Dies ist ein historischer Tag für Deutschland – der Schritt ist eine Rückkehr zu einer alten Tradition. Es ist ein Zeichen der Solidarität und Anerkennung gegenüber den jüdischen Soldaten. Die Rabbiner werden einen wichtigen Beitrag gegen den wachsenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft und gegen Extremismus und Populismus leisten.“

Die Rückkehr der Militärrabbiner begann mit einem Artikel von Dr. Josef Schuster in der prominenten deutschen Zeitung Frankfurter Allgemeine. Dort forderte er, den Militärpfarrern in der Bundeswehr das Äquivalent des Rabbiners zur Seite zu stellen. „70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist es an der Zeit, die Rolle eines jüdischen Geistlichen in der Bundeswehr wieder so zu gestalten, wie sie früher war.“

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