Corona – Israel führt „Frohe Plakette“ ein

Neue Initiative zielt darauf ab, große Versammlungen zu erlauben und gleichzeitig die weitere Verbreitung von COVID-Varianten zu verhindern.

von Israel Heute Redaktion |
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Israels neue COVID-19-Initiative, bekannt als „Frohe Plakette“, tritt in dieser Woche in Kraft. Vorausgegangen waren angespannte Debatten in der Regierung darüber, wie die steigenden Infektionsraten eingedämmt werden können, ohne dabei der Gesellschaft und der Wirtschaft weiteren Schaden zuzufügen.

Am Freitag wurden in Israel erstmals seit Monaten wieder über 1.000 Neuinfektionen mit dem Virus COVID-19 registriert. Premierminister Naftali Bennett warnte in einer nationalen Fernsehansprache, dass, wenn die Öffentlichkeit nicht anfängt, mit milderen Restriktionen zu kooperieren, es schließlich keine andere Möglichkeit geben würde, als einen weiteren landesweiten Lockdown zu verhängen.

In dem Bemühen, die aktuelle Situation positiv darzustellen, beschloss die Regierung, diese neuen milden Einschränkungen unter dem Namen „Frohe Plakette“ zu verhängen.

Im Grunde ist es das Gleiche wie der „Grüne Pass“, den Israel letztes Jahr eingeführt hat, aber mit etwas freizügigeren Bedingungen.
Unter der „Frohen Plakette“ müssen alle großen Ereignisse in Innenräumen Folgendes erfüllen:

  • Zutritt hat nur, wer geimpft ist, sich erholt hat oder ein gültiges negatives COVID-19-Testergebnis vorweisen kann, das innerhalb der letzten 72 Stunden genommen wurde.
  • In Innenräumen müssen immer Masken getragen werden, außer beim Essen oder bei anderen Tätigkeiten, die eine Maske nicht zulassen.

Es gibt vorerst keine Beschränkungen für die Anzahl der Teilnehmer oder bestimmte Aktivitäten.

Diese Richtlinien werden es Israelis ermöglichen, Hochzeiten, Bar-Mizwas und andere große gesellschaftliche Veranstaltungen abzuhalten, einschließlich des Zusammenkommens mit Familie und Freunden während der kommenden Hohen Feiertage Rosch Haschana, Jom Kippur und Sukkot.

Premierminister Naftali Bennett warnt die Israelis vor dem, was passieren wird, wenn sie sich nicht an die neuen milden Einschränkungen halten. Auf dem oberen roten Schild steht „Lockdown“.

Gut, aber nicht genug?

Professor Cyrille Cohen, ein führender israelischer Immunologe, sagte der Times of Israel, dass die neue Initiative der Regierung ein guter Anfang sei, aber möglicherweise nicht ausreiche, um die schnelle Ausbreitung der so genannten „Delta“-Variante zu stoppen.

„Die Zahl der Infektionen geht nicht zurück, sodass wir irgendwann ein paar hundert Menschen in der Intensivstation haben werden, wenn wir die Ausbreitung nicht stoppen“, warnte Prof. Cohen.

Er glaubt immer noch, dass „leichte Maßnahmen“ ausreichen können, um die Delta-Variante zu besiegen, aber er betonte, dass dies nicht ohne eine strenge Durchsetzung geschehen wird.

Der Professor war auch nicht ganz zufrieden mit der Entscheidung der Regierung, die Quarantänezeit für zurückkehrende ungeimpfte Israelis auf nur sieben Tage zu reduzieren. Dies werde noch mehr Israelis ermutigen, in diesem Sommer mit ihren ungeimpften Kindern ins Ausland zu reisen, und damit die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass weitere Varianten ins Land kommen.

Vorsicht, aber nicht übertreiben

Der ehemalige Leiter des Jerusalemer Sha’are Zedek-Krankenhauses, Prof. Jonathan Halevy, sagte, er glaube, dass Israel im Moment eine „übertriebene Panik“ betreibe.

In einem Gespräch mit Radio 103FM vor dem Wochenende sagte Prof. Halevy, er sei für die neuen moderaten Beschränkungen für große Versammlungen, verstehe aber nicht die Panikmache der Regierungsbeamten, die eine neue Abriegelung androhen.

Er bemerkte, dass „während es einen signifikanten Anstieg in der Zahl der neuen COVID-Fälle gab, die Zahl der ernsthaft erkrankten Patienten niedrig geblieben ist.“

In der Tat war während der ersten und zweiten Welle der Coronavirus-Infektionen die Hauptsorge, das Gesundheitssystem bis zum Zusammenbruch zu überfordern. Da die überwiegende Mehrheit der erwachsenen Israelis inzwischen vollständig geimpft ist, scheint das kein Problem zu sein, auch nicht bei der zunehmenden Verbreitung der Delta-Variante.

Prof. Halevy warnte davor, selbstzufrieden zu werden, betonte aber auch, dass „Panik nicht die Schritte bestimmen sollte, die wir unternehmen.“